buessow, duck dich!
31. August 2007 – 23:40Nachdem wir uns bereits an dem projekt Zone*Interdite der kuenstler christoph wachter und mathias jud erfreuen konnten, ueberraschen die beiden schweizer nun mit einem neuen projekt:
picidae - benannt nach dem specht, der in mauern, hier in die firewall netzzensierender laender schlupfloecher schlaegt.

Das kunstprojekt unterwandert federleicht die netzzensur chinas, koreas, kubas, vietnams, nordrhein-westfalens oder arabischer laender wie iran, saudi arabien oder syrien, und zwar mit bildern von hier und dort verbotenen netzseiten zum beispiel von wikipedia oder der BBC.
Denn statt auf html-seiten surft der user auf abbildern von seiten, die der pici-server erstellt. Bilder, die nun nicht mehr nach unerwuenschten schluesselwoertern auffindbar, dadurch zu indizieren und zu blockieren sind.

Im fruehjahr 2007 reisten wachter und jud zu einem selbstversuch nach beijing und shanghai, um in chinesischen internetcafés dort gesperrte seiten zu themen wie den menschenrechten, dem tibet oder dem tiannanmen massaker im juni 1989 auf dem platz des himmlischen friedens in peking aufzurufen. Picidae erwies sich als funktionsfaehig und zuverlaessig.
Die software selbst steht unter GNU general public licence und steht damit in der developer section zur weiterentwicklung frei.
Jede/r ist in der lage, den quelltext frei zu downloaden und selbst als pici-vider einen pici-server zu betreiben. Picidea erprobt hierueber ein dezentrales serversystem, um zensur und eingriff zu vermeiden, das sich in naher Zeit geografisch global entwickeln soll. Als alternative koennen web-account-besitzer auch einen pici-proxy server betreiben, der wiederum auf einen pici-server verweist.

Ermoeglichte Zone*Interdite 3-d-netzspaziergaenge beispielsweise durch das gefaengnislager guantanamo, indem das projekt mit mashups von satelllitenaufnahmen und maps von yahoo und google, blogs und websites, mit verlinkungen zu wikipedia und suchmaschinen einblicke in uneinsichtige militaergebiete diese Welt erlaubt, ermoeglicht die sichtbarmachung der auslassungen durch picidae eine neue sicht in und auf das world wide web, auf dessen inhalte, mechanismen, machtverstrickungen, nationalen und regionalen beschraenkungen und zugaenge.
Denn auch in deutschland, frankreich und in der schweiz, in firmen und institutionen werden webseiten geblockt.

Eine eindrucksvolle antwort auf die frage ‘What is doing the art of tomorrow?’: Kunst als Instrument, im vergleich die spezifischen bedingungen der eigenen vorstellungen (zum beispiel des offenen und freien internets) zu realisieren.
picture source: http://www.picidae.net


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