picidae.net, II

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Eine – nein zwei Eingebungen führten Wachter und Jud zu ihrem hoch achtenswerten Kunstgriff picidae.net, blinde Flecke aufblitzen zu lassen und in der Folge auffüllen zu können – und dabei ganz nebenbei zu der Lösung eines konkreten und scheinbar unüberwindbaren Problems:

1. Take ya picture!
Ein mit Digicam ausgestattetes Konsumpublikum steht gegenwärtig ganz im Dienste dieses Slogans; das Bild ist aber auch Gegenstand und Reflexionsmedium der sich neu organisierenden Bildwissenschaft und Visual Culture. picidae.net aktiviert eine strukturelle Machtdimension des Bildes, wie es ihm kaum noch zuzuerkennen war.

2. Draw a distinction!
Diese Anweisung, mit dem der Mathematiker George Spencer Brown die Notation seines 1969 entwickelten Formbegriffs startete, wird bei Wachter und Jud auf eine statische Lösung – auf ein Bild – eingefroren. Die Differenz zeigt die Differenz:
Statt eines freien, gleichen, globalen, homogenen Internets zeigen sich regionale, nationale, geografische, institutionelle Unterschiede. Auslassungen offenbaren konkret zuordbares (realpoltisches) Begehren, was (visuell und damit wahrnehmungs- und handlungsrelevant) unsichtbar (gemacht) wird. Mit Picidae tritt in aller Konsequenz die Unterscheidung in das Unterschiedene wieder ein (Spencer Brown spricht von ‚Re-entry‘).

Nach den ermüdenden Scheingefechten der letzten Jahre um die Malerei, ob sie oder ob sie nicht oder ob sie wieder, endlich ein Bildangebot aktueller Relevanz!

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