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Mitteilung / Statement

Mitteilung

„Will man die Linien eines Dispositivs entwirren, so muss man in jedem Fall eine Karte anfertigen, man muss kartographieren, unbekannte Länder ausmessen – eben das, was [Foucault] als ‚Arbeit im Gelände‘ bezeichnet hat.“  

Gilles Deleuze, Was ist ein Dispositiv?, in: Francois Ewald / Bernhard Waldenfels (Hg.): Spiele der Wahrheit. Michel Foucaults Denken, Frankfurt/Main 1991, S. 153.

Im Nachklang der von Birte Kleine-Benne an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Kunstgeschichte, Ende Juni 2019 veranstalteten Tagung Dispositiv-Erkundungen, jetzt. möchten wir wichtige Gedanken unserer Debatte veröffentlichen.

Angesichts der Herausforderungen an offene Gesellschaftsformen durch Anfeindungen gegenüber Pluralität, Differenz(ierung)en und Dekonstruktionen erscheint uns eine erneute Reflexion über die Verantwortlichkeiten von Kunst, Kunstgeschichte und Kunsttheorie notwendig. 

Aus einem historischen Rückbezug auf etablierte künstlerische, kunstgeschichtliche und -theoretische Narrative ergeben sich Forschungsansätze, die auch auf ihre wissenschaftspolitischen Funktionen sowie den gesellschaftlichen Kontext, in dem sie situiert sind, befragt werden sollten.

Daher sprechen wir uns für eine Praxis aus, die sich nicht in bereits vorhandenem Wissen erschöpft, sondern dieses herausfordert, indem sie etablierte normative Wissenspraktiken, Argumentationsstrukturen und Bildrhetoriken neu verhandelt. Dieses Projekt fassen wir in zwei Arbeitshypothesen:

  1. Kunsttheorien sollten neu ansetzen, indem sie die Komplexität ihrer institutionellen und disziplinären Rahmungen und ihre performativen Dimensionen mitreflektieren. Dazu sollten die Produktionsverhältnisse, Unsicherheiten und dispositiven wie auch diskursiven Verfasstheiten in den Blick genommen werden, um sich grundlegender Prämissen, Theoreme, Ideologien, Probleme und Institutionen zu vergewissern und so tradierte Begriffe und Unterteilungen in Medien, Gattungen, Materialien, Genres und Stile grundsätzlich neu zu diskutieren.
  2. Kunsttheorien sollten ihre eigenen epistemischen Prozesse markieren: Dazu sind ihre Politiken und Ökonomien der Wissensbildungen, ihre Begründungs-, Legitimierungs-, Ausschließungs- und Tradierungsprozesse zu analysieren und ebenso ist anzuerkennen, dass Kunstgeschichte(n) plural produziert werden und folglich selbst ein heterogenes Geflecht aus Operationen und Operatoren sind.

Hierbei handelt es sich um ein wissenschaftstheoretisch, methodologisch und epistemologisch gleichermaßen komplexes wie herausforderndes Projekt, das die Intensivierung einer kollektiven Diskussion über bestehende disziplinäre Begrenzungen hinweg anregt. Dazu möchten wir interessierte Kolleginnen und Kollegen einladen: Dispositiv-Erkundungen@eyes2k.net 

Erste Informationen sind bereits online verfügbar:  https://bkb.eyes2k.net/2019_Tagung_Dispositiv-Erkundungen.html

Es folgt eine Veröffentlichung, nicht nur der Tagungsbeiträge, um weitere Diskussionen in Gang zu setzen. 

Prof. Dr. Elke Bippus, Kunstheoretikerin, Kunsthistorikerin, Zürcher Hochschule der Künste

Dr. Silvia Jonas, Philosophin, Munich Center for Mathematical Philosophy, Ludwig-Maximilians-Universität München

Prof. Dr. Birte Kleine-Benne, Kunstwissenschaftlerin, Institut für Kunstgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München

Prof. h.c. Dr. Stefan Römer, Künstler

Thorsten Schneider, Kunsthistoriker, Leuphana Universität Lüneburg und Institut für Betrachtung

Erwin GeheimRat, Konzeptkünstler/digital, GeheimRat.com

Juni / November 2019