{"id":4476,"date":"2026-02-23T21:58:03","date_gmt":"2026-02-23T20:58:03","guid":{"rendered":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=4476"},"modified":"2026-02-24T10:09:24","modified_gmt":"2026-02-24T09:09:24","slug":"an-echo-is-an-echo-is-eho-is-an-eo-is-an-o-michaela-melian-feat-julia-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=4476","title":{"rendered":"An Echo is an echo is an eho is an eo is an o. Michaela Meli\u00e1n feat. Julia Mann"},"content":{"rendered":"\n<p>In der antiken Mythologie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Echo_(Mythologie)\">hei\u00dft es<\/a>: \u201eEcho unterhielt im Auftrag von Zeus dessen Gattin Hera mit dem Erz\u00e4hlen von Geschichten, damit Zeus Zeit f\u00fcr amour\u00f6se Abenteuer hatte. Als Hera dieses Komplott entdeckte, beraubte sie Echo zur Strafe der Sprache und lie\u00df ihr lediglich die F\u00e4higkeit, die letzten an sie gerichteten Worte zu wiederholen.\u201c Aufgehoben ist in diesem Plot nicht, dass der Wiederholungsvorgang nicht unendlich und nicht gleich stattfindet. Aus ECHO wird Echo wird echo wird eho wird eo wird o und dann \u2026 Stille. Bis zum n\u00e4chsten Echo. Und aus ROSE wird Rose wird rose wird ose word o und dann \u2026 Stille. Hier setzt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gilles_Deleuze\">Gilles Deleuze<\/a> mit seinem Denkentwurf in \u201e<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Difference_and_Repetition\">Differenz und Wiederholung<\/a>\u201c (1969)&nbsp; an, der unser Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis von einem ontotheologisch-hierarchisierenden Blick l\u00f6st und in der Wiederholung der Differenz das Potential f\u00fcr Ver\u00e4nderungen sieht. Differenz zerstreut und dezentriert, Wiederholung wird notwendig verschoben und verschiebt. Es entstehen Polyphonie und Polyvalenz, L\u00fccken und Leerstellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihre Ausstellung &#8222;<strong>Echo<\/strong>&#8220; in der <a href=\"https:\/\/www.overbeckgesellschaft.de\">Overbeck-Gesellschaft L\u00fcbeck<\/a> nimmt sich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michaela_Meli\u00e1n\">Michaela Meli\u00e1n<\/a> zweier Motive an: einer Kindermelodie und eines Bildmotivs. Beide wirft sie mit einem methodischen Kalk\u00fcl in den Echoraum ihrer k\u00fcnstlerischen Strategien, um zu schauen und zu reflektieren, wie sich hieraus etwas formt und bildet, was wir Subjekt nennen: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julia_da_Silva-Bruhns\">Julia Mann, geborene da Silva-Bruhns.<\/a> Julia ist die Mutter von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_Mann\">Thomas<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Mann\">Heinrich Mann<\/a>, die nur wenige Meter von der Overbeck-Gesellschaft entfernt wohnten, zur Schule gingen und ihr Abitur machten, um von hier aus ihre schreibende Weltkarriere zu starten. Julia, 1851 in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paraty\">Paraty, Brasilien<\/a> als Julia da Silva-Bruhns geboren, war Tochter des nach Brasilien ausgewanderten L\u00fcbecker Farmers Johann Bruhns und der Brasilianerin Maria Lu\u00edsa da Silva, Tochter eines Gro\u00dfgrundbesitzers portugiesischer Herkunft. Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr lebte Julia in kolonialen Verh\u00e4ltnissen in Brasilien, bevor sie mit dem Tod der Mutter nach L\u00fcbeck verschickt wurde, hier im Internat aufwuchs, den sp\u00e4teren Senator Mann ehelichte, von ihren S\u00f6hnen in deren Texten als Mutter und Muse verkl\u00e4rt wurde, nicht aber als Pianistin und S\u00e4ngerin und als Autorin und Salonni\u00e8re in Erscheinung trat, in Erscheinung treten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Exakt diese beiden Praktiken der Subjektivierung greift Meli\u00e1n als Material auf:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2016\" height=\"1512\" src=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4479\" srcset=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann1.jpg 2016w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann1-768x576.jpg 768w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann1-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2016px) 100vw, 2016px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Kindermelodie \u201eMolequinho do meu pai\u201c ist ein afro-brasilianisches Lied, das Julia von ihrer Amme, der Sklavin Anna in Paraty vorgesungen wurde. Julia sang sie wiederum ihren Kindern in L\u00fcbeck vor und sollte die Melodie und den Text 50 Jahre sp\u00e4ter in ihren <a href=\"https:\/\/www.aufbau-verlage.de\/autor-in\/julia-mann\">Kindheitserinnerungen<\/a> erinnernd notieren. Meli\u00e1n nimmt diese Melodie, reichert sie mit Samples an, mit Vogelgezwitscher, L\u00fcbecker Kirchenglocken, Orgel und Bl\u00e4sern, verlangsamt den Rhythmus und kreiert damit einen sph\u00e4risch tragischen Sehnsuchtssound, der als Lebensmelodie Julia da Silva-Bruhns, verheiratete Mann, unerz\u00e4hlte Pianistin, S\u00e4ngerin, Autorin und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Literarischer_Salon\">Salonni\u00e8re<\/a> vorstellbar ist. Metaphorisch passend dazu dringt die Melodie in vier Einzelspuren aus vier Klangmuscheln, die Meli\u00e1n als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/3D-Druck\">3D-Drucke<\/a> angefertigt, auf fragilen, hochbeinigen  Stahlhalterungen installiert und zu einer Audioskulptur (&#8222;Cochleae&#8220;) gruppiert hat. Das kammermusikalische Klangbild f\u00fcgt sich zu einem Gesamtklang allein im Ohr der Rezipient*innen zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bildmotiv der Haseln\u00fcsse, zwei kleiner Birnen und einer Quitte entstammt einer Zeichnung Julias in dem Poesiealbum einer Mitsch\u00fclerin, die als eine der wenigen Quellen im <a href=\"https:\/\/buddenbrookhaus.de\">L\u00fcbecker Buddenbrockhaus<\/a> erhalten ist und ausgestellt wird. Dieses Motiv ist Ausgangspunkt einer Vielzahl k\u00fcnstlerischer Verarbeitungen durch Meli\u00e1n: In einem Blau-Ton ist es als Rapport auf einem raumhohen Fahnentuch gedruckt, multipliziert sich dadurch, wird h\u00e4ufiger und blauer und un\u00fcbersichtlicher und ornamentaler \u2026 In einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grisaille\">Grisaille<\/a>-Ton ist es \u00fcbergro\u00dfes Einzelmotiv eines <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gobelinmalerei\">Gobelins<\/a> der Gr\u00f6\u00dfe 1,65 x 3,90 Meter, kombiniert mit historischen Darstellungen des brasilianischen Urwalds aus dem 19. Jahrhundert. Bevor sie als Collage Motiv des Gobelins \u2013 einer bevorzugten Kunstgattung des 19. Jahrhunderts \u2013 wurden, durchliefen sie einen mehrfachen Medientransfer: von Julias Zeichnung in dem Poesiealbum und reproduzierten Motiven in naturkundlichen Bildatlanten von Julias Zeitgenossen, \u00fcber Meli\u00e1ns Handyfotos von Archivmaterial, bis hin zur \u00dcbersetzung der digitalen Reproduktionen durch einen Webstuhl, der das Motiv haptisch in Wolle und Baumwolle \u00fcbersetzt. Und selbst Unsch\u00e4rfen dieser medialen \u00dcbersetzungsprozesse haben es in den Gobelin geschafft: Im linken Teil des Gobelins sind \u00e4hnlich wie der sph\u00e4rische Sound der Kindermelodie Reminiszenzen an das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Merge\">Merging<\/a> der k\u00fcnstlerischen Techniken zu sehen, die ahnen lassen: Erinnern und Imaginieren fallen zusammen. Oder mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Siri_Hustvedt\">Siri Hustvedt<\/a> formuliert: Unsere innere Erfahrung von Bildern, Gedanken, Erinnerungen, Phantasien verf\u00fcge \u00fcber keine \u00c4hnlichkeit mit den objektiven Realit\u00e4ten von Hirnregionen, synaptischen Verbindungen, neurochemischen Stoffen und Hormonen (vgl. Siri Hustvedt: Drei emotionale Geschichten, in: Leben, Denken, Schauen, Reinbek bei Hamburg 2014).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2016\" height=\"1512\" src=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4480\" srcset=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann2.jpg 2016w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann2-768x576.jpg 768w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann2-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2016px) 100vw, 2016px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Sechs weitere bedruckte raumhohe Fahnent\u00fccher k\u00f6nnen sich daher noch weiter im Echoraum von <a href=\"https:\/\/projekt-gutenberg.org\/authors\/sigmund-freud\/books\/kleine-schriften-i\/chapter\/18\/\">Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten (Sigmund Freud, 1914<\/a>) vom Ausgangsmotiv entfernen: Sie zeigen collagierte Abbildungen von brasilianischem Kaffee und Zuckerrohr, den Anbauprodukten Julias Vater, naturkundlichen Stahlstichen aus Bildatlanten des 19. Jahrhunderts entnommen. Sie zeigen den vergr\u00f6\u00dferten Ausschnitt eines Handyfotos Meli\u00e1ns, das das Fell des ausgestopften B\u00e4rens referenziert, den Julia da Silva-Bruhns und Thomas Johann Heinrich Mann zur Hochzeit geschenkt bekamen und im Eingangsbereich der L\u00fcbecker und sp\u00e4ter M\u00fcnchener Familienvilla stand. Und sie zeigen ebenfalls vergr\u00f6\u00dfert den Ausschnitt eines Handyfotos des Taufbeckens in St. Petri. So werden Stationen von Julia Manns Leben zu Bild- und Medienmotiven und als raumhohe und durchscheinende Fahnenstoffe zu Raumteilern: ihre Kindheit im 19. Jahrhundert, inmitten von Kolonialisierung, industrieller Revolution und b\u00fcrgerlichem L\u00fcbeck, von Darstellungsformen, Materialien, Prestige und Religionen. Denn kaum, dass sie den brasilianischen Katholizismus ihrer ersten Lebensjahre verlassen musste, wurde sie evangelisch umgetauft und umerzogen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1512\" height=\"2016\" src=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann3-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4481\" srcset=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann3-rotated.jpg 1512w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann3-768x1024.jpg 768w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann3-1152x1536.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 1512px) 100vw, 1512px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1512\" height=\"2016\" src=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann4-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4482\" srcset=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann4-rotated.jpg 1512w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann4-768x1024.jpg 768w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann4-1152x1536.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 1512px) 100vw, 1512px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>So pr\u00e4sentiert ein Miniaturmodell die dreigeschossige, aristokratische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas-Mann-Villa_(M\u00fcnchen)\">Villa der Familie Mann<\/a> in M\u00fcnchen-Bogenhausen am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bogenhausen#Herzogpark\">Herzogpark<\/a>, installiert als ein Taubenhaus auf einem Metallfu\u00df. W\u00e4hrend Thomas Mann in der Villa in der Poschinger Str. 1 an den \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Betrachtungen_eines_Unpolitischen\">Betrachtungen eines Unpolitischen<\/a>\u201c und an seinem \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Zauberberg\">Zauberberg<\/a>\u201c arbeitete, starb Julia Mann 1922 nach rastlosen Jahren mittellos in einem Landgasthof s\u00fcdlich von M\u00fcnchen, in We\u00dfling. Aus dem Modell \u201eMann Family House\u201c dringen Fragmente der Lieblingsmusiken der Familie Mann und werden Zitate aus den Korrespondenzen der Familie Mann nach 1933 angeschr\u00e4gt auf die Wand projiziert: \u201eDeutsche Weltb\u00fcrger\u201c, \u201eFalsche Problemstellung!\u201c, \u201ederen Fl\u00fcgel die Schnelle der Blitze h\u00e4tten\u201c, \u201eda\u00df die Schiefigkeit in der Welt w\u00e4re\u201c. 1933 wurde das M\u00fcnchner Wohnhaus der Manns beschlagnahmt und versteigert. Mittlerweile ist die Fassade als Replik nachgebaut, wird aber durch einen \u00fcberhohen Zaun vor rezeptiven Blicken \u201egesch\u00fctzt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2016\" height=\"1512\" src=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4483\" srcset=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann5.jpg 2016w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann5-768x576.jpg 768w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann5-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2016px) 100vw, 2016px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ihre k\u00fcnstlerische Methodik des Echos setzt Meli\u00e1n an einem zweiten Ort fort. Und auch hier wird es sich um ein Geflecht aus Spuren, Referenzen und Indizes handeln, die ihrerseits die Frage aufdr\u00e4ngen, wie eine Biografie, wie eine Geschichte erz\u00e4hl- und darstellbar ist, welche Techniken und Materialien sinnvoll einzusetzen sind, schreiben doch auch sie sich in die Geschichte ein, schreiben doch auch sie Geschichte. <\/p>\n\n\n\n<p>In der f\u00fcnfschiffigen gotischen, wei\u00df get\u00fcnchten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Petrikirche_(L\u00fcbeck)\">Hallenkirche St. Petri<\/a>, die bis auf wenige Prinzipalst\u00fccke wie die Orgel, der Altar, das Kreuz und das Taufbecken leer ger\u00e4umt ist, ist nun in der scheinbaren Mitte \u2013 denn es gibt in St. Petri keine Mitte und damit auch keine Symmetrieachse \u2013 eine sich drehende, runde Sitz- und Liegeskulptur im Durchmesser von etwa drei Metern installiert. \u201eAndante Calmo\u201c ist stofflich mit einem Fahnenstoff bezogen, auf den die Materialit\u00e4t des etwa 20 Meter entfernt, an die Seite ger\u00fcckten und weitestgehend unzerst\u00f6rten Taufbeckens aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Terrazzo\">Terrazzo<\/a> vergr\u00f6\u00dfert gedruckt ist. Im langsamen Tempo (Andante Calmo) dreht es sich im Kreis und l\u00e4dt ein, sich darauf zu platzieren und dem Sound der Kindermelodie \u201eMolequinho do meu pai\u201c zu lauschen, die hier im Kirchenraum opulenter als in der Overbeck-Gesellschaft von Meli\u00e1n produziert wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1512\" height=\"2016\" src=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann8-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4484\" srcset=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann8-rotated.jpg 1512w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann8-768x1024.jpg 768w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann8-1152x1536.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 1512px) 100vw, 1512px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Hinzu kommen in die Kirchenschiffe geh\u00e4ngte Fahnent\u00fccher: In den \u00e4usseren Schiffen schweben sechs Fahnen mit den Rapporten sowohl von erhaltenen Deckenfresken in St. Petri als auch von 1945 zerst\u00f6rten Kirchenfenstern, die Meli\u00e1n im L\u00fcbecker Stadtarchiv recherchiert hat. In den inneren Schiffen schweben Fahnen mit Ansichten von vier blauen Himmeln, dem Himmel \u00fcber Rio de Janeiro, L\u00fcbeck, Bayern und dem Mittelmeer. Sie liefern den zerstreuten und dezentrierten Blick und den zerstreuten und dezentrierten Standort.&nbsp;<br \/><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1512\" height=\"2016\" src=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann6-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4485\" srcset=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann6-rotated.jpg 1512w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann6-768x1024.jpg 768w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann6-1152x1536.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 1512px) 100vw, 1512px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br \/>\u201eAus dem situierten, perspektivischen Wissen heraus \u00f6ffnet sich ein Reflexionsraum \u2013 ein Ort, an dem Geschichte neu geh\u00f6rt, anders wahrgenommen und im Widerhall befragt werden kann\u201c, schreibt Thorsten Schneider, einer der Kuratoren der Ausstellung. Und hierbei handelt es sich nun nicht mehr nur um die Geschichte Julia Manns, geborene da Silva-Bruhns und transgenerational um die der Familie Mann, um die Geschichte von Motiven, Darstellungstechniken und Lebensformen, sondern nun auch der Zerst\u00f6rungsgeschichte St. Petri, damit der Geschichte der Hansestadt L\u00fcbeck und dies inklusive der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Kolonien\">Kolonialisierungsvergangenheit<\/a> ihrer Auswanderer, die wesentlich zu dem heutige Wohlstand und zur Attraktivit\u00e4t der Stadt <a href=\"https:\/\/skw.die-luebecker-museen.de\/file\/handout-postkolonialer-stadtspaziergang.pdf\">beigetragen hat<\/a>. Geschichte wird damit zu einem Geflecht aus pers\u00f6nlichen und st\u00e4dtischen, politischen und wirtschaftlichen, materiellen und imaginierten Geschichten, voller Polyphonie und Polyvalenz, L\u00fccken und Leerstellen &#8230;<br \/><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1512\" height=\"2016\" src=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann7-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4486\" srcset=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann7-rotated.jpg 1512w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann7-768x1024.jpg 768w, https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2026_Melian_Mann7-1152x1536.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 1512px) 100vw, 1512px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Overbeck-Gesellschaft Kunstverein L\u00fcbeck, St. Petri zu L\u00fcbeck:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.overbeckgesellschaft.de\/programm\/ausstellungen\/michaela-melian\"><strong>Michaela Meli\u00e1n: Echo<\/strong><\/a>, 22.02. bis 29.03.2026<\/p>\n\n\n\n<p>kuratiert von Paula Kommoss und Thorsten Schneider<\/p>\n\n\n\n<p>Medientechnik: J\u00fcrgen Galli<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ER\u00d6FFUNG<\/strong><br \/>Samstag, 21. Februar<br \/>14-16 Uhr, Soft-Opening im Overbeck Pavilion<br \/>17 Uhr, Er\u00f6ffnung in St. Petri zu L\u00fcbeck<\/p>\n\n\n\n<p>Freitag, 6. M\u00e4rz, 17 Uhr<br \/>Overbeck-Gesellschaft<br \/><strong>K\u00fcnstlerinnen-Gespr\u00e4ch<\/strong> mit Michaela Meli\u00e1n<br \/>Anmeldung unter info@overbeck-gesellschaft.de<\/p>\n\n\n\n<p>Freitag, 27. M\u00e4rz, 18 Uhr<br \/>St. Petri zu L\u00fcbeck<br \/><strong>Konzert Michaela Meli\u00e1n Trio<\/strong><br \/>Ruth May, Geige<br \/>Elen Harutyunyan, Bratsche<br \/>Michaela Meli\u00e1n, Cello, Stimme,<br \/>Elektronik<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/4e0a3674f18241c0a07f639c94d125ed\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\/><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der antiken Mythologie hei\u00dft es: \u201eEcho unterhielt im Auftrag von Zeus dessen Gattin Hera mit dem Erz\u00e4hlen von Geschichten, damit Zeus Zeit f\u00fcr amour\u00f6se Abenteuer hatte. 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