{"id":416,"date":"2013-12-02T13:42:38","date_gmt":"2013-12-02T12:42:38","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=416"},"modified":"2021-06-16T15:24:57","modified_gmt":"2021-06-16T14:24:57","slug":"schlingensiefmaschine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=416","title":{"rendered":"Die Schlingensief-Maschine"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es noch je Zweifel gab, ob und wie \u00e4sthetische Moderne und Kapitalismus miteinander strukturell gekoppelt sind, die <a href=\"http:\/\/www.kw-berlin.de\/de\/exhibitions\/532_christoph_schlingensief_393\">Ausstellung &#8222;Christoph Schlingensief&#8220;<\/a> liefert hierf\u00fcr die Anschauung.<\/p>\n<p>Den drei Kuratoren der Ausstellung in den <a href=\"http:\/\/www.kw-berlin.de\">Kunst-Werken Berlin<\/a>, Klaus Biesenbach (Mitgr\u00fcnder der Kunst-Werke, jetzt MoMA PS1, New York), Anna-Catharina Gebbers (freie Kuratorin Berlin) und Susanne Pfeffer (ehemalig Kunst-Werke, jetzt Fridericianum Kassel), ist es gelungen, aus dem opulenten und situationistischen Gesamtwerk Schlingensiefs eine Auswahl ausstellbarer Objekte zu extrahieren.<\/p>\n<p>Die monographische Werkschau posthum, die strikt auf die Bed\u00fcrfnisse einer Ausstellbarkeit, Pr\u00e4sentierbarkeit, Sammelbarkeit und Handelbarkeit ausgerichtet ist, ist als eine Nachlassschau konzipiert, die sich voll und ganz auf die Marke Schlingensief konzentriert. Trotz und obwohl jede, f\u00fcr die Ausstellung ausgew\u00e4hlte Arbeit belegt, dass mit einer Vielzahl von Kollegen Teamarbeit stattgefunden hat und noch immer stattfindet und auch die Rezipienten stets Co-Produzenten sind, wird eine modernistische Helden- bzw. Geniegeschichte erz\u00e4hlt, in deren Zentrum Christoph Schlingensief \u2013 so auch der Titel der Ausstellung \u2013 steht. Auf die Pr\u00e4sentation von Kooperationen wie z.B. mit Alexander Kluge oder Heavy Girls Lighten Wien wurde zugunsten dieses Konzepts ganz verzichtet.<\/p>\n<p>Die Deterritorialisierung und Dezentrierungen, die Fragmentierungen und Entgrenzungen, die allein im Prozesshaften, Experimentellen und Umschreibbaren von Schlingensiefs Produktionen stattfinden und auf die auch der <a href=\"http:\/\/www.kw-berlin.de\/de\/exhibitions\/532_christoph_schlingensief_393\">Ank\u00fcndigungstext der Kunst-Werke<\/a> noch einmal explizit aufmerksam macht, sind zur\u00fcckgenommen bis maximal reduziert, auch, indem statt einer archivischen, kontextuellen oder dokumentarischen Pr\u00e4sentation seiner k\u00fcnstlerischen Praxis lediglich das modernistische Werk als attraktives und begehrliches Endprodukt gezeigt wird, das wiederum klaren Medialit\u00e4tsgrenzen folgend in den einzelnen Etagen des Hauses pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n<p>Lediglich das <a href=\"http:\/\/www.operndorf-afrika.de\/\">&#8222;Operndorf Afrika&#8220;<\/a> in Burkina Faso (seit 2008, Grundsteinlegung 2010) wird in seinem prozessualen und offenen Charakter ausgestellt, eine Timeline der Ereignisse belegt den experimentellen und noch immer unkaren Fort- und Ausgang der Arbeit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2013_Schlingensief7.jpg\" alt=\"install_concept\"\/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und der Animatograph (2005) im Saal der Kunst-Werke, der von einem Zitat der <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=t040\">Pfahl-Sitzer <\/a> (von Venedig, Kathmandu und Frankfurt 2003) umringt ist, verdeutlicht \u00fcber Bewegung und Projektion, dass &#8222;alle&#8220; Teil der Welt(dreh)b\u00fchne sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2013_Schlingensief2.jpg\" alt=\"install_concept\"\/><\/p>\n<p>Die opulente Show wurde ganz offenbar mit einem beachtlichen Budget von der Kulturstiftung des Bundes und, wie es heisst &#8222;mit freundlicher Unterst\u00fctzung von Volkswagen, der Rudolf Augstein Stiftung und der KW-Freunde&#8220; erm\u00f6glicht; diese Vorlage h\u00e4tte sich Schlingensief zu Lebzeiten sicher nicht f\u00fcr eine exklusive Aktion entgehen lassen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung zeigt einen Werk\u00fcberblick<br \/>\nseiner Filme (u.a. <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=f037\">Das deutsche Kettens\u00e4germassaker<\/a> 1990, <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=f039\">Terror 2000, Intensivstation Deutschland<\/a>, 1991\/92),<br \/>\nseiner Theaterinszierungen,<br \/>\nTV-Formate (u.a. <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=tv002\">Freak-Stars 3000<\/a>, 2002, <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=tv001\">U-3000<\/a>, 2000, <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=tv003\">Talk 2000<\/a> von 1997),<br \/>\nseiner Aktionen (u.a. <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=t014\">Chance 2000-Partei<\/a>, 1998, <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=t038\">Aktion 18, T\u00f6tet Politik<\/a> von 2002),<br \/>\nseiner Wagner-Inszenierungen in Baureyth (<a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=t044\">Parsifal<\/a>, 2004-07) und Manaus (<a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=t060\">Der Fliegende Holl\u00e4nder<\/a>, 2007).<br \/>\nIm Innenhof dann seine <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=t040\">&#8222;Church of Fear&#8220;<\/a> (2003) und ausufernd in die Auguststra\u00dfe die &#8222;Ausl\u00e4nder-Raus&#8220;-Container der Wiener Verwendung 2000 <a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/backup\/wienaktion\/\">&#8222;Bitte liebt \u00d6sterreich&#8220;<\/a>, wie sie j\u00fcngst im Haus der Kulturen der Welt zu sehen waren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2013_Schlingensief4.jpg\" alt=\"install_concept\"\/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2013_Schlingensief5.jpg\" alt=\"install_concept\"\/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2013_Schlingensief6.jpg\" alt=\"install_concept\"\/><\/p>\n<p>In Fortsetzung der \u00dcbergabe des <a href=\"http:\/\/www.adk.de\/de\/archiv\/archivbestand\/darstellende-kunst\/index.htm?hg=darstell&amp;we_objectID=25771\">Christoph-Schlingensief-Archivs<\/a> mit Fotos, Korrespondenzen und Aktionsmaterial an die <a href=\"http:\/\/www.adk.de\/\">Berliner Akademie der K\u00fcnste<\/a> 2012 und der Pr\u00e4sentation des Operndorfes auf der <a href=\"http:\/\/www.artberlincontemporary.com\/de\">art berlin contemporary<\/a> im September 2013 scheint mit der Ausstellung in den Kunst-Werken, wo Schlingensief um 2000 ein K\u00fcnstleratelier bewohnte, der n\u00e4chste Folgeschritt auf dem Weg zum Kunstspekulationsobjekt CS gemacht worden zu sein: Die Ausstellung wandert im Fr\u00fchjahr nach New York an Biesenbachs <a href=\"http:\/\/momaps1.org\/\">MoMA PS1<\/a> und treibt die Internationalisierung Schlingensiefs weiter. Unaufh\u00f6rlich proklamiert die Schau Schlingensiefs &#8222;Hotness&#8220; im Kunstmarkt und fordert Museen, Sammler und Galeristen auf, mit ihren Mitteln am Marktwerk Schlingensiefs zu schrauben. Den Kunst-Werken bzw. den drei Kuratoren ist ihr Teil sehr gut gelungen. Das Theatrale, Inszenatorische und Performative wird weniger als Ausstellungsverhinderung als vielmehr als medialer und materialer Dramatisierungsfaktor aufgenommen und verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Bis 19.1.2014 in den <a href=\"http:\/\/www.kw-berlin.de\">Kunst-Werken<\/a>, Berlin, Auguststr. 69<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/0649040860854201a2c86330a7b6f864\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es noch je Zweifel gab, ob und wie \u00e4sthetische Moderne und Kapitalismus miteinander strukturell gekoppelt sind, die Ausstellung &#8222;Christoph Schlingensief&#8220; liefert hierf\u00fcr die Anschauung. 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