{"id":383,"date":"2013-11-26T15:48:01","date_gmt":"2013-11-26T14:48:01","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=383"},"modified":"2021-06-16T15:25:54","modified_gmt":"2021-06-16T14:25:54","slug":"signa-for-doc14-die-bestimmung-des-realen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=383","title":{"rendered":"SIGNA for doc14: Die Bestimmung des &#8222;Realen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Unfreiwillig er\u00f6ffnete das <a href=\"http:\/\/www.schauspielhaus.de\/\">Hamburger Schauspielhaus<\/a> seine erste Spielzeit unter der neuen Intendantin Karin Beier mit einer <a href=\"http:\/\/signa.dk\/\">SIGNA<\/a>-Produktion. Programmatisch h\u00e4tte dem Haus nichts Besseres passieren koennen.<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr Uneingeweihte des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SIGNA\">SIGNA-Konzepts<\/a> mag es eigenwillig oder paradox klingen:<br \/>\nAlle Beteiligten des &#8222;Theaterst\u00fccks&#8220;, und hierbei handelt es sich sowohl um die Darstellenden als auch um die Besucher, vereinbaren sich auf ein &#8222;Theaterst\u00fcck&#8220;, indem sie das &#8222;Theaterst\u00fcck&#8220; unsichtbar einvernehmlich negieren und diese gemeinsame T\u00e4uschung in Form einer scheinbaren Spontaneit\u00e4t genie\u00dfen und verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>In der aktuellen Produktion <a href=\"http:\/\/www.schauspielhaus.de\/de_DE\/repertoire\/schwarze_augen_maria.951189\">&#8222;Schwarze Augen, Maria&#8220;<\/a> werden aus den <a href=\"http:\/\/signa.dk\/projects?pid=66326\">Darstellern<\/a> Bewohner des &#8222;Hauses Lebensbaum&#8220;, die zum ersten Mal ihr Haus f\u00fcr einen &#8222;Tag der offenen T\u00fcr&#8220; \u00f6ffnen und sich den Fragen einer interessierten \u00d6ffentlichkeit stellen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2013_Signa.jpg\" alt=\"install_concept\"\/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die 7 Familien Traub, Wager, Gerstein, Kiebuzinski, Sternlieb, Millstein und Brink verbringen in je unterschiedlichen Personenkonstellationen (Alleinerziehende mit Bruder, gemeinsam mit der Schwiegermutter aus Leipzig, Familie mit 2 Kindern, Ehepaar mit 1 Kind&#8230;) ihr Leben zusammen im Rahmen eines betreuten Wohnens, nachdem das Schicksal sie 1993 durch einen Verkehrsunfall miteinander verbunden hat.<\/p>\n<p>Begr\u00fcnder des &#8222;Hauses Lebensbaum&#8220; (die Assoziation zum Konzept <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lebensborn\">Lebensborn<\/a> ist sicher nicht zuf\u00e4llig) ist Dr. Marius Mittag, Facharzt f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, der vormittags &#8222;Klinische Forschung und Entwicklung&#8220; f\u00fcr <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Asklepios_Kliniken\">Asklepios<\/a> betreibt und den zweiten Teil des Tages mit seinen Studien an den Probanden des von ihm begr\u00fcndeten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Teiresias\">Teiresias<\/a>-Syndrom verbringt: Denn bei allen, in unmittelbarem Anschluss an den Unfall geborenen Kindern &#8222;imponiert ph\u00e4nomenologisch eine beidseitige Nigriridie (Schwarz\u00e4ugigkeit)&#8220;, &#8222;St\u00f6rungen der Sensomotorik&#8220;, &#8222;interaktive und kommunikative St\u00f6rungen&#8220;, &#8222;autoagressive Impulsdruchbr\u00fcche&#8220; etc., wie es in den neurobiologisch aufbereiteten medizinischen Ausf\u00fchrungen Dr. Mittags heisst.<\/p>\n<p>Soweit zum narrativen Setting, das Darsteller und Besucher &#8211; nunmehr nicht mehr Adressaten &#8211; zueinander f\u00fchrt und die Kommunikationen bestimmt, bestimmen k\u00f6nnte. (Inhaltliche Details sind in der <a href=\"http:\/\/www.nachtkritik.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=8749:schwarze-augen-maria-signa-hamburg&amp;catid=38:die-nachtkritik&amp;Itemid=40\">Kritikerrundschau von Nachtkritik<\/a> nachzulesen.)<\/p>\n<p>Das dramaturgische Narrativ (Geschichte des Teiresias-Syndroms und Tag der offenen T\u00fcr) verflicht sich mit dem Raum (die ehemalige Elise-Averdieck-Schule im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst transformiert in ein betreutes Wohnen mit 6+1 Wohnappartments, 2 Treppenh\u00e4usern, \u00c4rztezimmer, Saal und anliegender K\u00fcche) und der Zeit (zwischen 14 und 18h, 18:30 und 22:30h und einem gemeinsamen abschlie\u00dfenden Fest mit &#8222;buntem Programm, Tanzmusik und leckeren Snacks im gro\u00dfen Saal&#8220;). Punktuelle Termine und Verabredungen (wie Gespr\u00e4chstherapien, medizinischer Vortrag, Familienaufstellung) setzen\/halten die Dynamik der Ereignisse im &#8222;Haus Lebensbaum&#8220; in Gang; Licht, Sound und Ger\u00fcche inklusive&#8230;<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist eindrucksvoll, n\u00e4mlich&#8230;<br \/>\n&#8230;dem, was wir Realitaet nennen, ihren Konstruktions- und Inszenierungsfaktor abzuringen.<br \/>\n&#8230;das, was wir Realitaet nennen, als einen momentan konsistenten Horizont von Gesten, Worten, Kl\u00e4ngen, Ger\u00fcchen, Texten, Symbolen, Codierungen zu begreifen.<br \/>\n&#8230;das eigene Verhalten eng an Ritualisierungen und kommunikative Vereinbarungen gekoppelt zu reflektieren.<br \/>\n&#8230;Unausgesprochenes als anwesende und wirksame Handlungsmatrix wahrzunehmen.<br \/>\n&#8230;die Emergenz des sozialen Geflechts auf Einzelbestandteile zu dekomplexieren.<br \/>\n&#8230;die empirische Dimension (unsere Erfahrung der Wirklichkeit) und die ph\u00e4nomenologische Dimension (die Erscheinung unserer Wirklichkeit) im Zugriff auf Welt zu favorisieren.<br \/>\n&#8230;Selbst- und Fremdreferenz unentscheidbar miteinander zu verschr\u00e4nken.<br \/>\n&#8230;taktloses und taktvolles, sichtbarmachendes und unsichtbarhaltendes Verhalten in der Kunst zusammenzuf\u00fchren.<br \/>\nNormen, Regeln, Vereinbarungen, Rituale werden in 1. Ordnung performiert und in der vorliegenden Konstruktion zugleich in 2. Ordnung im Schutz einer einvernehmlichen Unsichtbarhaltung reflektiert.<\/p>\n<p>Signa nimmt eine \u00fcberragende Fusion darstellender und bildender Kunst durch die Performanz von Raum, Zeit und Relationalit\u00e4ten vor (daher die Gattung &#8222;Performance-Installation&#8220;, besser noch, so der Vorschlag, &#8222;Diskursperformierung&#8220;), inmitten einer \u00c4sthetik, die durch <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?q=louise+bourgeois&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ei=rZ6UUvWgJsbAtAb-2YDQAg&amp;sqi=2&amp;ved=0CAcQ_AUoAQ&amp;biw=1440&amp;bih=786#q=louise+bourgeois+installation&amp;tbm=isch\">Louise Bourgeois<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?q=Annette+Messager+Installation&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ei=IqSUUuWIKuKvygP8v4GwBQ&amp;ved=0CAcQ_AUoAQ&amp;biw=1440&amp;bih=764\">Annette Messager<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?q=Isa+Genzken+Installation&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ei=R6SUUvC3Osb7ygPf1IHAAw&amp;ved=0CAcQ_AUoAQ&amp;biw=1440&amp;bih=764\">Isa Genzken<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?q=Thomas+Hirschhorn+Installation&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ei=ZKSUUvyWGYb_ygPi1YCgCg&amp;ved=0CAcQ_AUoAQ&amp;biw=1440&amp;bih=764\">Thomas Hirschhorn<\/a> bestimmt ist, abzueglich deren tlw. poppigen, bunten oder intensiven Farbgestaltungen, denn in &#8222;Haus Lebensbaum&#8220; ist alles in ged\u00e4mpften Pastellt\u00f6nen unter Neonlicht gehalten.<br \/>\n(Das alles in unmittelbarer N\u00e4he zur <a href=\"http:\/\/www.hfbk-hamburg.de\/\">Hochschule f\u00fcr bildende K\u00fcnste Hamburg<\/a>.)<\/p>\n<p>&#8230;eine konsequente konzeptionelle und \u00e4sthetische Eng- und Weiterf\u00fchrung verschiedener <a href=\"a href=\">dOCUMENTA13-Beitr\u00e4ge<\/a> wie Theaster Gates&#8216; &#8222;Hugenottenhaus&#8220;, Pierre Huyghes &#8222;Untilled&#8220;, Pedro Reyes &#8222;Sanatorium&#8220; und Tino Sehgals Soundskulptur, die eine Komplexierung von Wahrnehmungs- und Reflexionsebenen vornimmt, ein erster Kandidat f\u00fcr <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adam_Szymczyk\">Adam Szymczyk<\/a>, den j\u00fcngst benannten Leiter der <a href=\"http:\/\/d14.documenta.de\/de\/\">Documenta 14<\/a>.<\/p>\n<p>Konzept: Signa und Arthur K\u00f6stler, in Zusammenarbeit mit Sebastian Sommerfeld und Mona el Gammal<br \/>\nRegie: Signa K\u00f6stler mit Sebastian Sommerfeld<br \/>\nB\u00fchne und Kost\u00fcme: Signa K\u00f6stler mit Mona el Gammal<br \/>\nMediendesign: Arthur K\u00f6stler<br \/>\nSound Design: Christian Bo<br \/>\nDramaturgie: Sybille Meier<br \/>\nProduktion: Deutsches Schauspielhaus Hamburg<\/p>\n<p>Noch bis zum 15.12.2013, Karten online: <a href=\"http:\/\/www.schauspielhaus.de\/de_DE\/repertoire\/schwarze_augen_maria.951189\">http:\/\/www.schauspielhaus.de\/de_DE\/repertoire\/schwarze_augen_maria.951189<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ad6ac18bd3074dfc942243229477795a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unfreiwillig er\u00f6ffnete das Hamburger Schauspielhaus seine erste Spielzeit unter der neuen Intendantin Karin Beier mit einer SIGNA-Produktion. 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