{"id":30,"date":"2008-09-02T20:47:31","date_gmt":"2008-09-02T18:47:31","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=30"},"modified":"2022-04-08T12:23:53","modified_gmt":"2022-04-08T11:23:53","slug":"der-zauber-photograph","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=30","title":{"rendered":"Der Zauber-Photograph"},"content":{"rendered":"<p>Julius von Bismarck (Jahrgang 1983) studiert experimentelle Mediengestaltung in der Klasse von Joachim Sauter an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin. Und von Bismarck hat eine R\u00fcckw\u00e4rts-Photographie-Maschine entwickelt, ein photographischer Hack auf eine allgegenw\u00e4rtige Medienmaschinerie.<br \/>\nNebenbei hat er seine Maschine als Patent angemeldet und gleich noch den Prix Ars Electronica 2008 in der Kategorie Interactive Art abger\u00e4umt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/juliusVonBismarck1_360.png\" alt=\"juliusvonbismarck1\"\/><\/p>\n<p>artLABOR: Es ist ja ein durchaus hochtechnischer Bereich, in dem sich deine Arbeit &#8218;Image Fulgurator&#8216; bewegt. Kannst du uns den Prozess deiner Arbeit ein wenig n\u00e4her bringen?<\/p>\n<p>JvB: Oft habe ich die Inspiration aus der reinen Technik. Also ich belese mich \u00fcber Technik oder ich bastel und habe dann technische Ideen, wo mir bewusst wird, dass man daraus etwas K\u00fcnstlerisches machen koennte. Oder wo ein spezieller, neuer Effekt entsteht, der mehr als die Summe der Teile ist und wo ich versuche, diese k\u00fcnstlerisch zu verwerten. Und dann denke ich mir ein Konzept aus, was im Ausstellungskontext oder Stadtraum Sinn machen k\u00f6nnte.<br \/>\nManchmal ist es aber auch so, dass ich von der anderen Seite herangehe, dass ich etwas k\u00fcnstlerisch spannend finde oder auch politisch oder medial mich ein Thema interessiert und ich daf\u00fcr nach Techniken suche, die man benutzen k\u00f6nnte. Also es geht von beiden Seiten aus.<\/p>\n<p>artLABOR: War dieser zweite Weg so einer, der jetzt zum Fulgurator gef\u00fchrt hat?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>JvB: Das war ein Mischmasch. Es ging von 2 Seiten gleichzeitig, einerseits habe ich ein paar unver\u00f6ffentlichte Arbeiten zuvor gemacht, die gingen technisch in eine \u00e4hnliche Richtung. Da habe ich auch mit Blitzen gearbeitet, auch mit einer Projektion, genauer einer Blitzprojektion. Und andererseits habe ich ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis, etwas medial im Stadtraum zu machen. Eigentlich kam daher die Idee, k\u00fcnstlerisch auf den medialen Ausverkauf des Stadtraumes zu reagieren.<br \/>\nUnd dann lief es aus mehreren Arbeiten zusammen, die ich vorher gemacht habe. Und bling, hey, da kann ich ja meine Motivation befriedigen, indem ich die Techniken, die ich eh schon beherrsche, zu einem Objekt zusammenbastele. Die Idee war geboren und es sind mir noch gleich viel mehr Inhalte eingefallen, die man damit machen kann. Ich war aber gerade mit einem anderen Projekt besch\u00e4ftigt, das heisst, ich habe erst einmal die Idee notiert und sie auch gar nicht f\u00fcr so sensibel erachtet. Weil ich ganz viele Ideen habe, die vielleicht, wenn man sie irgendwann mal umsetzt, etwas Phantastisches ergeben k\u00f6nnen. Aber nur, wenn man sie umsetzt.<br \/>\nJa und im folgenden Semester hatte ich dann die Zeit, sie umzusetzen und je mehr ich mich mit der Idee besch\u00e4ftigte, desto klarer wurde mir, was es eigentlich bedeutet.<\/p>\n<p>artLABOR: Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, ist am Anfang dieses Prozesses schon eine textliche Niederschrift einer Idee?<\/p>\n<p>JvB: Ja.<\/p>\n<p>artLABOR: Ist das bei allen deiner Arbeiten so?<\/p>\n<p>JvB: Eigentlich schon. Ich hab manchmal so Tage, wo ich nur nachdenke und dann schreibe ich es auf oder eigentlich &#8211; ich bin Legastheniker &#8211; in so einer Mischung aus Schrift und unglaublich schlechten Zeichnungen. Und davon habe ich ein Heft voll. Immer wenn ich Zeit habe, eine neue Arbeit zu machen oder ein bestimmtes Thema anliegt, dann durchsuche ich es danach, was passen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>artLABOR: Du schreibst es also nicht digital z.b. im Laptop auf, sondern immer in einer analogen Skript-Form?<\/p>\n<p>JvB: Genau, ja. Ideen in Rohform sind fast so eine Art Gehirnteil, der noch so roh ist, dass man \u00fcberhaupt nicht will, dass es jemand sieht. Das heisst, das w\u00fcrde ich auf einem Computer gar nicht ablegen, weil mir das viel zu unsicher w\u00e4re, die Ideen zu verlieren oder sie zu vergessen.<br \/>\nWenn ich mein Skizzenbuch verliere, dann ist das so ein Gef\u00fchl, als h\u00e4tte ich einen Teil meines Gehirns verloren. Ich glaub, das kennt man als Kreativer generell, dass man so ein Heft als Ged\u00e4chtnisst\u00fctze nutzt. Im Grundstudium hier an der UdK war das die erste Aufgabe. Besorgt euch ein Skizzenbuch, wo ihr alle eure Ideen reinschreibt. Und das habe ich gemacht. Wenn ich dieses Skizzenbuch nicht f\u00fchren w\u00fcrde, h\u00e4tte ich, glaube ich, keines meiner Projekte bisher machen k\u00f6nnen.<br \/>\nDas gute an einem Notizenblock ist, dass man ihn immer in der Tasche haben kann.<\/p>\n<p>artLABOR: Okay, das heisst, du hast ihn jetzt auch dabei?<\/p>\n<p>JvB: Heute fr\u00fch hab ich mit Schrecken festgestellt, dass er nicht in meiner Tasche ist. Ich habe jetzt gerade wieder das Gef\u00fchl, dass ich ihn verloren haben k\u00f6nnte. Aber ich hoffe, ich find ihn wieder. So ein Skizzenblock ist auch sch\u00f6n zeitbasiert, weil man ja Seite f\u00fcr Seite vorgeht. Ach, da hatte ich doch letztes Jahr diese Idee. Dann bl\u00e4tter ich zur\u00fcck und dann finde ich es da. Sehr praktisch.<\/p>\n<p>artLABOR: Der n\u00e4chste Schritt bei der Umsetzung, ist das dann so ein Experimentieren oder Spielen mit einer Grundidee?<\/p>\n<p>JvB: Ja genau, man f\u00e4ngt an, technische Prototypen zu bauen. Und vielleicht funktioniert&#8217;s, wie man es sich gedacht hat. Eigentlich war es im Fall des Fulgurators genau so. Es hat einfach funktioniert, wie es eigentlich ganz selten ist. Bei meinen anderen Arbeiten war es eigentlich eher so, dass man beim Machen merkt, dass das eigentliche Konzept so nicht aufgeht, aber dann ein ganz neues Konzept daraus entsteht und z.b. f\u00fcr etwas anderes gut funktioniert. Dann muss man den Inhalt anpassen oder das Konzept anpassen an das, was man technisch erschaffen hat. Beim Fulgurator war es aber so, dass meine erste Idee sehr nah an dem war, was ich im Endeffekt gebaut habe. Von der Form sah es anders aus, als ich es mir am Anfang vorgestellt habe, aber im Endeffekt funktionierte alles noch viel besser, als ich es erhofft hatte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/obamaClose.jpg\" alt=\"obamaBerlin\"\/><\/p>\n<p>artLABOR: Kannst du diese Idee, auch ohne zu dicht an die Patentfragen heranzukommen, in ein paar S\u00e4tzen zusammenfassen?<\/p>\n<p>JvB: Alles, was die Grundidee betrifft, ist schon patentiert. Das Patent ist zwar noch in der Anmeldephase &#8211; und das dauert Ewigkeiten &#8211; aber ich habe es damit schon ver\u00f6ffentlicht. Also, die Grundidee war, durch eine Projektion ein Objekt zu ver\u00e4ndern, in dem ich etwas projiziere und das aber nur, wenn es photographiert wird. Das wird \u00fcber eine Synchronisation realisiert, dass das Bild nur dann projiziert, wenn in der Umgebung ein Blitz wahrgenommen wird. Und das wird \u00fcber einen Lichtsensor gemessen. So ist sichergestellt, dass die Projektion nur dann da ist, wenn ein Blitz und damit irgendwo eine Kamera ist, bei der gerade der Verschluss ge\u00f6ffnet ist. Das kann man so genau timen, dass es f\u00fcr das menschliche Auge kaum sichtbar ist. Aber auf einem Photo.<\/p>\n<p>artLABOR: &#8230;und spielt mit der Latenzzeit zwischen Blitz und Aufnahme, wo du dich quasi zwischensetzt?<\/p>\n<p>JvB: Genau, es ist aber schon ein wenig komplizierter. Fr\u00fcher war es so: Verschlussvorhang geht auf. Blitz z\u00fcndet. Dann wird die Belichtungszeit abgewartet. Verschlussvorhang geht zu.<\/p>\n<p>Meine Projektion wird auch durch einen Blitz ausgel\u00f6st, da ist also keine Lampe sondern eine Xenon-Blitzr\u00f6hre drin. Mein Verschluss ist immer offen und sobald ich den Blitz einer anderen Kamera bemerke, l\u00f6s ich einfach meinen Blitz aus. Also, Verschlussvorhang geht auf. Der Blitz der Kamera blitzt. Ich bemerke den Blitz und verarbeite die Information. L\u00f6se meinen Blitz aus. Das passiert alles w\u00e4hrend der Verschlussvorhang offen ist. Danach geht der Verschlussvorhang zu. Das geht bis zu ziemlich kurzen Belichtungszeiten, also eigentlich geht es immer.<\/p>\n<p>Allerdings haben moderne Kameras Mehrfach-Blitze, da sie Messblitze vorschalten. Die blitzen also erst mal, ohne dass sie ein Photo machen und messen die Helligkeit, damit der Blitz dem Objekt, was man photographiert, letztlich angepasst werden kann. Das sieht man mit dem Auge gar nicht. Was wie ein Blitz aussieht, sind eigentlich mehrere Blitze und wenn man sich im Millisekundenbereich bewegt, w\u00fcrde das dann zu einer falschen Ausl\u00f6sung f\u00fchren. Deshalb musste ich ein Programm schreiben, das die Blitze analysiert und dann automatisch immer zum letzten Blitz ausl\u00f6st.<br \/>\nDa ist ein kleines Programm im Fulgurator, ein Micro-Controller, der im Grunde genommen Blitze z\u00e4hlt und zeitlich einordnet. Und ich hab dann rumexperimetiert, damit es einfach bei allen Kamerasorten passt.<\/p>\n<p>artLABOR: Du sagtest, das Ganze spielt sich im Millisekunden-bereich ab. Wie klein ist dieses Zeitfenster?<\/p>\n<p>JvB: Ja, das ist sehr sch\u00f6n. Wenn man ein Photo mit einer normalen Belichtungszeit von meinetwegen einer 250tel Sekunde aufnimmt, kann man das als mensch gar nicht mehr wahrnehmen, eigentlich kann man fast von einer Gleichzeitigkeit sprechen. Wenn man sich allerdings intensiv damit besch\u00e4ftigt und ein Oszilloskop anschlie\u00dft, dann geht da nat\u00fcrlich eine ganz andere Zeitdimension auf. Eine Millisekunde ist eine tausendstel Sekunde und die Belichtungszeit einer Kamera meist eine 250tel. Das eigentlich Spannende daran ist, dass ein Photo ja nicht die Abbildung einer Realitaet ist, sondern nur die Abbildung eben dieser bestimmten kurzen Zeit, die aber der Wahrnehmung des Menschen nicht entspricht.<br \/>\nGenau das nutze ich aus, indem ich eine kurze Ver\u00e4nderung der Wirklichkeit vornehme, die das Photo betrifft, die Wahrnehmung des Menschen aber nicht.<br \/>\nVon manchen Leuten sagt man, dass sie nicht photogen sind, weil sie immer mit ihren Augenlidern auf einen Blitz reagieren, dass immer ein Auge geschlossen ist, wenn sie photographiert werden. Und das total bescheuert aussieht. Genau diesen Fehler der Photographie nutze ich aus bzw. ich zeige ihn eigentlich damit auf.<\/p>\n<p>artLABOR: Wie kam es zu dieser Idee, ein im durchaus engeren Sinne Verfahren einer k\u00fcnstlerischen Arbeit patentieren zu lassen?<\/p>\n<p>JvB: Ich kam selber nicht auf die Idee, weil ich noch nie dar\u00fcber nachgedacht hatte, etwas zu patentieren. Man l\u00e4sst ja etwas patentieren, wenn man damit Geld verdienen will und meistens auch, wenn man schon Geld hat. Es ist n\u00e4mlich sehr teuer, etwas zu patentieren. D.h. eigentlich kam es f\u00fcr mich gar nicht in Frage. Ich hab eigentlich im industriellen Sinne gar nicht vor, damit Geld zu verdienen, sondern sehe meine Maschine eher als Objekt, als technischen Kommentar. Also kein Produkt, das verkauft werden kann. Und daf\u00fcr sind Patente eigentlich da. Aber ich hab&#8217;s einem Professor gezeigt und der hat gesagt: das musst du sofort patentieren.<\/p>\n<p>artLABOR: &#8230;Joachim Sauter?<\/p>\n<p>JvB: Ja, genau. Sonst benutzt es jede Guerillia-Marketing-Agentur, um \u00fcberall Werbebotschaften zu streuen. Und dagegen hilft nat\u00fcrlich ein Patent.<br \/>\nDann hat er einen Kontakt zu einem Anwalt hergestellt. Und es gibt in Deutschland auch eine Verfahrenshilfe, wo einem, wenn man kein Geld hat, bzgl. der anfallenden Kosten geholfen wird. Deshalb war es f\u00fcr mich letztlich nicht teuer.<\/p>\n<p>artLABOR: Ist das vergleichbar mit Prozesskostenhilfe?<\/p>\n<p>JvB: Ich glaub&#8216; schon, wahrscheinlich. Ich hab das selbst nicht beantragt, sondern der Anwalt hat das gemacht.<\/p>\n<p>artLABOR: Und Joachim Sauter, in dem Sinne ja ein Vertreter der Universit\u00e4t, dein Lehrender, hat dir da schon sehr stark unter die Arme gegriffen?<\/p>\n<p>JvB: Der Patentanwalt ist auch der seiner Firma art+com. Wir sind da zusammen hingegangen.<\/p>\n<p>artLABOR: Ist das das erste Mal gewesen, dass aus seiner Klasse etwas patentiert worden ist.<\/p>\n<p>JvB: Ich weiss nicht genau. Ich glaube aber, dass es in Zukunft \u00f6fter passieren k\u00f6nnte. Problem ist aber, dass patentierte Sachen und universit\u00e4res Arbeiten nicht so gut zusammengehen. Wenn man an der Uni arbeitet, zumindest wird uns das hier nahegelegt, soll man sehr offen arbeiten und schon w\u00e4hrend des Produktionsprozesses \u00f6ffentlich dokumentieren. Ich hab es zum Gl\u00fcck aus Faulheit nicht gemacht. Wenn man n\u00e4mlich etwas ver\u00f6ffentlcht hat, darf man es nicht mehr patentieren.<\/p>\n<p>artLABOR: Wenn man die Perspektive eines Patentes aufgezeigt bekommt, ist man dann versucht, alles erst einmal zu verschlie\u00dfen?<\/p>\n<p>JvB: Das ist eine Sache, die mich stark behindert und bedr\u00fcckt, f\u00fcr viel Bauchschmerzen gesorgt hat. Diese Angst, dass meine Idee schadhaft genutzt werden kann. Oder jemand anderes damit Millionen verdient und ich keinen Pfennig davon sehe. Ich weiss zwar nicht, ob man damit Millionen verdienen kann, aber vielleicht hat ja jemand eine Idee, wie man das machen kann. Ich hab zwar jetzt dieses Patent, aber kein grosses Budget und keine Anwalts-Armee, mit der ich Gro\u00dfunternehmen verklagen k\u00f6nnte.<br \/>\nIch hab es dann im Internet ver\u00f6ffentlicht, ohne zu ahnen, dass es gleich einen Riesen-Boom gibt. Es hat ja den Ars Electronica-Preis gewonnen und so wurde es da ver\u00f6ffentlicht, aber nicht mit einer detaillierten Beschreibung. Da ich aber nicht wollte, dass diese grobe Beschreibung andere Leute zu Nachbauten inspiriert und die dann denken, es w\u00e4re ihre eigene Idee gewesen, habe ich mich dann entschlossen, es gleich vollst\u00e4ndig mit einer technisch detaillierten Beschreibung zu ver\u00f6ffentlichen. Um damit auch klar zu machen, dass ich der Autor bin. Dann kam es zu einer recht gro\u00dfen Reaktion im Internet, haufenweise in technischen Blogs und Leute haben es nachgebaut. Und da hatte ich schon ein wenig dumpfes Gef\u00fchl und Bauchschmerzen. Oh Gott, was machen die alle mit meiner Idee. Andererseits ist es nat\u00fcrlich auch ein Zeichen f\u00fcr Erfolg. Dass man etwas Wichtiges erfunden hat, wenn pl\u00f6tzlich viele Menschen etwas damit machen wollen oder es nachbauen.<\/p>\n<p>artLABOR: Du weisst also von verschiedenen Leuten, dass sie nach dieser Anleitung das Ger\u00e4t mit ihren technischen M\u00f6glichkeiten umgesetzt haben?<\/p>\n<p>JvB: Wenn man es ganz einfach h\u00e4lt, ist es auch wirklich einfach nachzubauen. Mit ganz normalen Phototeilen erh\u00e4lt man ein funktionierendes Ger\u00e4t, dass aber nicht wirklich brauchbar ist. Es funktioniert dann eher wie ein physikalisches Show-Experiment in der Schule. Um es wirklich zu benutzen, muss man schon noch einiges mehr machen. Also, das Grundprinzip habe ich zwar ausdr\u00fccklich beschrieben, aber in meinem jetzigen Ger\u00e4t ist schon technische Raffinesse drin, die das Ganze erst gut funktionieren l\u00e4sst.<br \/>\nMein urspr\u00fcnglicher Ansatz war \u00fcbrigens, eine fertige Bauanleitung ins Internet zu stellen. So, dass Leute damit arbeiten k\u00f6nnen oder Aktivisten damit Aktionen machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/maoCloseKlein.jpg\" alt=\"mao_klein\"\/>&nbsp;&nbsp;<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/maoKlein.jpg\" alt=\"mao_close\"\/><\/p>\n<p>Aber dann wurde mir bewusst, dass es damit auch f\u00fcr jede Firma offen ist, die damit kommerziellen Schindluder treiben k\u00f6nnte. Also wollte ich um jeden Preis vermeiden, dass ich eine neue M\u00f6glichkeit schaffe, Leute noch mehr durch Werbung zu nerven. Deshalb zun\u00e4chst die Entscheidung: Es wird kein Open-Hardware Projekt.<br \/>\nEs gibt nat\u00fcrlich auch Creative Commons, was derzeit immer beliebter wird. Vom Prinzip kann man da ja bestimmte Rechte vergeben und andere nicht, also die Rechtestruktur designen. Das Problem ist, dass sich das nicht unbedingt mit dem Patentrecht vertr\u00e4gt. Z.b., was passiert, wenn ich Rechte durch ein Patent gesichert habe und dann einzelne \u00fcber Creative Commons wieder freigebe? Ist dann das ganze Patent ung\u00fcltig oder nur dieser einzelne Bereich?<\/p>\n<p>artLABOR: Man k\u00f6nnte eine Freigabe ja auch so regeln, dass man bestimmte Nutzungen, auch widerrechtliche Nutzungen nicht verfolgt, hingegen, alsbald es kommerziell genutzt wird oder in einer Weise, wie man es nicht m\u00f6chte, man es dann eben verfolgt.<\/p>\n<p>JvB: Ja, so w\u00fcrde ich es sowieso handhaben. Mit Creative Commons w\u00e4re aber f\u00fcr Leute, die es nutzen wollen, gleich klar ersichtlich, werde ich oder kann ich verklagt werden oder eben nicht. Und momentan ist es so, dass sie zu mir kommen und um Erlaubnis fragen m\u00fcssten. Und ich kann es nicht grunds\u00e4tzlich erlauben f\u00fcr unkommerzielle Nutzungen, weil das im Patentrecht nicht vorgesehen ist.<\/p>\n<p>artLABOR: Im Trailer auf der Projekt-Site sieht man die Einblendung einer Textbotschaft. Es w\u00e4re doch sicher auch m\u00f6glich, jede Form von Bild zu projizieren, also etwa, dass man hinter dem Brandenburger Tor pl\u00f6tzlich Alpen zu sehen bek\u00e4me?<\/p>\n<p>JvB: Alles was man photographieren kann, kann man auch im Fulgurator nutzen. Es h\u00e4ngt grunds\u00e4tzlich von der Qualitaet des Objektes ab, auf welches man projiziert. In den Himmel kann man nichts machen, weil es da einfach verloren gehen w\u00fcrde. Es muss schon irgendeine Fl\u00e4che geben. Wenn die Fl\u00e4che z.b. grau ist, kann man darauf wirklich gut Bilder projizieren. Wenn die Fl\u00e4che zu hell ist, dann kann man nur wenig erkennen, weil sie schon sehr hell belichtet wird. Ist sie sehr dunkel, wird sehr viel Licht geschluckt, dann kann man auch nur noch sehr plakative Sachen machen. Es gibt aber auch Lichtsituationen, wo man einen Menschen irgendwohin projizieren kann, der aussieht, wie ein echter Mensch. Es h\u00e4ngt also sehr von der Situation ab.<br \/>\nIch arbeite inzwischen mehr mit Symbolen, weil sie eing\u00e4nglicher sind und auch spannendere Assoziationen entstehen, als wenn ich mit einem Text arbeite. Aber im Prinzip kann man alles machen.<\/p>\n<p>artLABOR: Bleiben wir bei dem Beispiel des Brandenburger Tors, welches ja Durchl\u00e4sse hat. K\u00f6nnte man, wenn man vorher ein Bild so gestaltet, dass die Durchg\u00e4nge verschlossen sind, ein geschlossenes Brandenburger Tor herstellen?<\/p>\n<p>JvB: Nein, die Durchg\u00e4nge sind ja Luft und auf Luft kann ich nicht projizieren. Es ist auch eine Frage, wie nah der Fulgurator am Photographen dran ist. So kann man sogar etwas auf eine Menschenmenge projizieren. Das geht aber nur, wenn der Fulgurator da ist, wo der Photograph steht, weil es sich dann nicht verschiebt. Sofern im Winkel ein Unterschied besteht, muss es immer eine ebene Fl\u00e4che sein, auf die ich fulguriere<\/p>\n<p>artLABOR: Du hast eben sogar eine verbalisierte form des Begriffes benutzt&#8230;<\/p>\n<p>JvB: &#8230;ja, fulgurieren.<\/p>\n<p>artLABOR: Was hat der Begriff f\u00fcr einen Ursprung oder ist es ein Kunstwort?<\/p>\n<p>JvB: Es ist eigentlich eine \u00dcbersetzung ins Lateinische. Fulgus heisst Blitz, Fulgurator heisst Blitz-Schleuder oder Blitz-Schleuderer. Und Image-Fulgurator dementsprechend Bild-Blitz-Schleuder. Und das macht es eigentlich. Es schiesst Bilder mit einem Blitz, anstatt dass es sie einf\u00e4ngt. F\u00fcr mich ist es auch eine Art R\u00fcckw\u00e4rts-Photograph. Der erste Name war auch R\u00fcckwaerts-Kamera.<\/p>\n<p>artLABOR: Gab es Diskussionen, ausgel\u00f6st aus dem Spannungsfeld zwischen dem technischen Verfahren einerseits und dem Schutzbereich der k\u00fcnstlerischen Arbeit andererseits?<\/p>\n<p>JvB: Das ist tats\u00e4chlich ein spannender Punkt. Weil es auch mein Arbeiten ganz gut beschreibt. Bei anderen Arbeiten von mir gibt es \u00e4hnliche Probleme, dass sie z.b. nicht so direkt in die Kunstwelt einzuordnen sind, weil sie nicht so funktionieren, wie ein &#8217;normales&#8216; Kunstwerk, demnach auch nicht so einfach in einer Galerie verkaufbar sind. Andererseits auch nicht unbedingt als technische Erfindung patentierbar sind. Denn, um etwas patentieren zu k\u00f6nnen, muss eine Erfindung einen Sinn haben. Kunst ist aber oft auf den ersten Blick aus einer wirtschaftlichen Sicht sinnlos. So gibt es Sachen, die machen f\u00fcr mich zwar als Kunstwerk keinen Sinn, als wirtschaftliche Erfindung oder als Produkt auch nicht, aber f\u00fcr mich schon. Beim Fulgurator weiss ich noch nicht genau, in welche Richtung es da gehen wird. Aber gerade Objekte, die so zwischen allem stehen, finde ich spannend. Und ich hoffe, dass es f\u00fcr solche Sachen in Zukunft auch einen gr\u00f6\u00dferen Markt gibt. Einer, der auch k\u00fcnstlerisch ist.<\/p>\n<p>artLABOR: Haben sich schon Unternehmen, Geheimdienste oder auch Milit\u00e4rs bei dir gemeldet?<\/p>\n<p>JvB: Guerillia-Marketing Agenturen haben sich bei mir gemeldet. Ich habe mich zum Teil auch mit denen getroffen, um mal zu h\u00f6ren, was sie sich vorstellen. Die kamen ganz schnell, die waren eigentlich die ersten, die sich gemeldet haben. Dann hat sich aus den USA ein Porno-Produzent gemeldet, der das ganze vertreiben wollte. Nat\u00fcrlich hab ich auch Angst, dass sich viele Leute nicht gemeldet haben und jetzt an ihrer finanziellen Auswertung arbeiten, ohne es mir mitzuteilen. Es haben sich auch Leute gemeldet, die gesagt haben: Wir wollen es nachbauen, unkommerziell f\u00fcr private Zwecke &#8211; das d\u00fcrfen wir trotz deines Patentes &#8211; d\u00fcrfen wir? Nett, dass ihr es mir gesagt habt, ich kann es euch ja eh nicht verbieten.<\/p>\n<p>artLABOR: Also fuer private Zwecke kann man es nachbauen?<\/p>\n<p>JvB: Erst, wenn jemand damit Geld verdient oder an die \u00d6ffentlichkeit geht, kann ich etwas dagegen machen. Milit\u00e4rs haben sich aber noch nicht gemeldet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/juliusVonBismarck2_360.png\" alt=\"juliusvonbismarck2\"\/><\/p>\n<p>artLABOR: Was sagst du Leuten, die dir Manipulation vorwerfen?<\/p>\n<p>JvB: Genau das mach ich und das ist auch mein Ziel. Ich setze dem gesamten Medienapparat, den man sich als einen gro\u00dfen Scheunendrescher vorstellen kann, der Bilder einsaugt und hinten zusammen mit einer Aussage verbr\u00e4mt den Menschen unterjubelt, etwas voran. Ich f\u00fcttere diese Medienmaschine, meine Manipulation stelle ich also ganz vorn an.<\/p>\n<p>Artwork: Image Fulgurator, Apparat zur minimal-invasiven Manipulation von Photographien.<br \/>\nArtist: Julius von Bismarck<br \/>\nWeb: <a href=\"http:\/\/www.juliusvonbismarck.com\/fulgurator\/\">http:\/\/www.juliusvonbismarck.com\/fulgurator\/<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/902b013c96ad4e55a9274353b9840586\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Julius von Bismarck (Jahrgang 1983) studiert experimentelle Mediengestaltung in der Klasse von Joachim Sauter an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin. 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