{"id":2980,"date":"2018-07-21T13:26:59","date_gmt":"2018-07-21T12:26:59","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2980"},"modified":"2021-06-16T13:56:45","modified_gmt":"2021-06-16T12:56:45","slug":"kunstgeschichte-sezieren-aber-nicht-anfassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2980","title":{"rendered":"Kunstgeschichte \u2013 sezieren, aber nicht anfassen."},"content":{"rendered":"<p><strong>Zur Ausstellung&nbsp;&#8222;Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930\u201c im HKW Berlin.<\/strong><\/p>\n<div>\n<p>Gleich einer der&nbsp;<strong><u>Einf\u00fchrungstexte<\/u><\/strong>&nbsp;in die Ausstellung &#8222;<a href=\"https:\/\/www.hkw.de\/de\/programm\/projekte\/2018\/neolithische_kindheit\/neolithische_kindheit_start.php\">Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930<\/a>\u201c&nbsp;&nbsp;im <a href=\"https:\/\/www.hkw.de\">Berliner Haus der Kulturen der Welt<\/a>, auf hohen Wandtafeln platziert, startete die Oszillation:<\/p>\n<p>\u201eDie Gegenwart um 1930 war weltweit gepr\u00e4gt von Grundlagenkrisen. Diese Krisen destabilisierten soziale Ordnungen ebenso wie \u00fcberkommene Kategorien des Wissens. [\u2026] Politische und gesellschaftliche Konflikte nahmen globale Dimensionen an. [\u2026]\u201c Wer \u201eGegenwart\u201c gelesen und \u201e1930\u201c \u00fcberlesen hatte, h\u00e4tte annehmen k\u00f6nnen, es ginge um eine aktuelle Bestandsbeschreibung: Grundlagenkrisen, Destabilisierungen sozialer Ordnungen und Wissenskategorien, Konflikte, globale Dimensionen. Eine B\u00fcchervitrine (A01) h\u00e4tte vielleicht etwas irritiert, aber das heutige Krisenbewusstsein best\u00e4tigt: Die Krise der Psychologie, der Jugend, der b\u00fcrgerlichen Kultur, unserer Zeit, der internationalen Arbeiterbewegung, der europ\u00e4ischen Wissenschaften &#8230;, eine weitere Publikation versprach \u2013 auch das heute \u00fcblich \u2013 \u201eWege aus der Krise\u201c. Bei diesen Buchtiteln handelte es sich allerdings, durch das Layout sichtbar, nicht um heutige, sondern um Ver\u00f6ffentlichungen der sp\u00e4ten 1920er und fr\u00fchen 1930er Jahre.<\/p>\n<p><span class=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2982\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2018_NeolithischeKindheit3.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\"\/><\/span><\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div>\n<p><span class=\"\">Somit waren die Referenzgr\u00f6\u00dfen benannt: Zwar deutete sich eine historische bzw. historisierende Ausstellung zu den 1930er Jahren an, der explizit herausgestellte Bezug und die Parallelen zur heutigen Gegenwart waren allein aus semantischen Bez\u00fcgen unmissverst\u00e4ndlich. Insofern wurde deutlich, dass die Ausstellung &nbsp;&#8222;Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930\u201c eher als ein arch\u00e4ologisches und genealogisches Projekt angelegt war, das sich, und hier fasse ich zusammen, mit forensischen Mitteln aus Wissenschaft, Kunst und Ausstellungswesen historiographisch Zeitschichten, Ordnungssysteme und Systematisierungstektoniken erschloss, gleichzeitig aber auch bildete.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">So war gleich schon der&nbsp;<strong><u>Titel<\/u><\/strong>&nbsp;mit seinen 3 Teilen (und damit &gt;=2) komplex aufgestellt. Dessen Semantiken konnten bzw. k\u00f6nnen (dennoch oder deswegen) uneindeutig bleiben und erzeugten damit sowohl eine thetische Grundstimmung als auch eine strategische tektonische Unsicherheit:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span class=\"\">&#8222;Neolithische Kindheit\u201c (\u201eL\u2019enfance n\u00e9olithique\u201c, ein Begriff von 1930 des Kunsthistorikers und Schriftstellers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carl_Einstein\">Carl Einsteins<\/a> f\u00fcr <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Arp\">Hans Arps<\/a> biomorphe Reliefs der sp\u00e4ten 1920er Jahre) deutet auf den Beginn der anthropologischen Sesshaftwerdung des Menschen (das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jungsteinzeit\">Neolithikum<\/a>), auf den Anfang des \u00dcbergangs von J\u00e4ger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit Ackerbau und Viehzucht vor etwa 10.000 Jahren hin: Befinden wir uns \u2013 so schwang im Titel mit \u2013 right now in eben dieser Startphase, die zwingend mit Unklarheiten, Instabilit\u00e4t und Unsicherheiten einhergeht? Welcher Zeithorizont wird hier gespannt und in welcher Beziehung steht dieser zu der aktuellen (auch am HKW bevorzugt diskutierten) <a href=\"https:\/\/www.hkw.de\/de\/programm\/projekte\/2014\/anthropozaen\/anthropozaen_2013_2014.php\">Anthropoz\u00e4n<\/a>-Hypothese, die konzeptionell den Menschen als geologische Gr\u00f6\u00dfe installiert? Wird hier unsere Gegenwart an eine weit zur\u00fcckreichende Vergangenheit angeschlossen oder umgekehrt, wird hier eine Vergangenheit in die Gegenwart geholt?<\/span><\/li>\n<li><span class=\"\">&#8222;Kunst in einer falschen Gegenwart&#8220;: Wie auch immer die Frage beantwortet wird, um welche Gegenwart es sich hier handelt (eine fr\u00fchere, die heutige, eine zuk\u00fcnftige) \u2013 die Formulierung transportiert das Konzept einer nicht zusammen passenden \u201eSituation&#8220; und damit auch das Konzept einer zusammen passenden \u201eSituation\u201c, eben einer &#8222;richtigen Gegenwart\u201c. Was \u201edas&#8220; wohl sein mag und wie, von wem, womit und zu welchem Zweck \u201edas\u201c wohl erkenntnistheoretisch, philosophisch, methodisch oder theoretisch zu bestimmen ist?<\/span><\/li>\n<li><span class=\"\">&#8222;ca. 1930&#8220; fasst gro\u00dfz\u00fcgig die drei ins Auge genommenen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zusammen, nimmt den Mittelwert aus den 1920er, 1930er und 1940er Jahren, der sich gegen utopische Konnotationen der 1920er (Weimarer Republik, Bauhaus, Penicillin, Heisenbergsche Unsch\u00e4rferelation, Stummfilm, Zw\u00f6lftontechnik) und 1940er (Kriegsende, Nachkriegszeit, Dialektik der Aufkl\u00e4rung, Cool Jazz) Jahre abgrenzt und dabei letztlich die Synonyme f\u00fcr die 1930er Jahre als Zwischenkriegszeit interpoliert, und das bedeutet: Weltwirtschaftskrise, Wahlerfolge und Aufstieg der NSDAP, Machtergreifung Hitlers, \u201enationalsozialistische Architektur\u201c, &#8222;Entartete Kunst\u201c, Beginn des Zweiten Weltkriegs. Mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herfried_M\u00fcnkler\">Politikwissenschaftler Herfried M\u00fcnkler<\/a> k\u00f6nnte es sich, so eine Deutungsvariante neben der pr\u00e4genden Erz\u00e4hlung, beim Ersten und Zweiten Weltkrieg auch um den 30-j\u00e4hrigen Krieg des 20. Jahrhunderts handeln, die Welt h\u00e4tte sich damit also zwischen 1914 und 1945 in einem kontinuierlichen Krieg befunden. Ein Ansatz, der aus der Zwischenkriegszeit der 1930er Jahre einen anhaltenden Ausnahmezustands macht und damit wiederum Fluchtlinien in die heutige Zeit wirft (siehe hierzu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Empire_\u2013_die_neue_Weltordnung\">Hardt\/Negris Empire-Untersuchungen<\/a>).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span class=\"\">Alle drei Bestandteile des Titels kreieren demnach langfristigere, vielleicht auch widersinnige Zeithorizonte, die nicht geografisch oder politisch ausgerichtet sind und nicht eine zwingende monolineare Verflechtung zu einer einzigen gro\u00dfen Erz\u00e4hlung vornehmen. Diese unsichere <u><strong>Tektonik der Ausstellung<\/strong><\/u>&nbsp;diente nach meinem Eindruck unter anderem dem strategischen Ziel, ebenfalls hier diskutierte und zwar kritische Kennzeichen der Moderne nicht zu wiederholen. Dazu z\u00e4hlen Gleichgewicht, Ausschluss, singul\u00e4re Erz\u00e4hlung, Heldenepos, Monografie, Diskreditierungen, Ausblendungen, Hierarchisierungen, Zentralisierungen. Und auch methodologisch baute die Ausstellung auf Unsicherheiten: die Kombination aus einem erstens arch\u00e4ologischen und einem zweitens genealogischen Projektansatz (\u00fcbrigens zwei Schl\u00fcsselbegriffe von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michel_Foucault\">Michel Foucault<\/a>) wurde mit drittens (und damit wieder &gt;=2) forensischen Mitteln gekoppelt, wenn Daten zur Aufdeckung strukturiert, systematisiert und analysiert wurden. Die hier vorgenommene zeitgeschichtliche Ideenforschung, die in \u00fcberlieferte, zum Teil aber auch nicht kanonisierte Zeitschichten eindrang, sollte die Matrix der bisher erz\u00e4hlten Kunstgeschichte auf- bzw. entdecken. So gelang es der Ausstellung einerseits, (qua Inhalte) offensiv und entschieden die Matrixfrage der Kunstgeschichte zu stellen und auch in Teilen zu beantworten, andererseits (qua Ausstellungsdisplay) aber auch, die Kunstgeschichte offensiv auf Abstand zu halten. Die Ausstellung pl\u00e4dierte somit einerseits, die Epistemologie der Wissensproduktion zu ber\u00fccksichtigen (Begriffe, Systematiken \u2026), hielt sie dann aber hermetisch hinter Glas und in MDF-Vitrinen ge- und verschlossen. Angehenden KunsthistorikerInnen wurde hier ein Berufsgegenstand pr\u00e4sentiert, der zu sezieren, aber nicht anzufassen war, der in die Mangel genommen, aber gleichzeitig auf Distanz gehalten wurde.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p>Die Ausstellung selbst war dabei in vier \u201e<strong><u>Sektionen<\/u><\/strong>&#8220; gegliedert: A, B, KW und C fanden zum Teil in eigenen S\u00e4len, in verschiedentlichen Ausstellungsdisplays oder mittels unterschiedlicher Medialit\u00e4ten statt. B\u00fccher, Archivalien und Kunstwerke wurden dabei in ihrer Medialit\u00e4t \u00fcber eine Chiffrierung wie A01 (010) oder B23 (274) oder H\u00d6CH (422) homogenisiert, die in einem sogenannten &#8222;<a href=\"https:\/\/www.hkw.de\/media\/de\/texte\/pdf\/2018_1\/programm_2018\/neolithische_kindheit_manual.pdf\">MANUAL<\/a>&#8220;&nbsp; in einem 1\/4 A3-Format (297x105mm) als Navigationshilfe zu entschl\u00fcsseln waren \u2013 zum Leidwesen vieler BesucherInnen, die keine Erfahrungen mit Indices, Verzeichnissen oder Registern bzw. dem zielgerichteten Durchbl\u00e4ttern und Zuordnen von Objekten und Nummern hatten. Aber allein diese Ableitung (sowohl grafisch, als auch in der Handhabung des BesucherInnenverhaltens) stellte sicher zu bemerken, dass es sich um eine Meta-Ausstellung handelte, konkret eine Ausstellung, die die Matrix der Kunstgeschichte metaierend in den Blick nahm. Die Begriffsverwendung \u201eSektionen\u201c, wie sie in wissenschaftlichen Tagungen zum Einsatz kommt, wies explizit darauf hin, dass die Kuratoren Anselm Francke und Tom Holert nicht nur wissenschaftliche Habits in den Blick nahmen, um eine arch\u00e4ologische Grabungsst\u00e4tte nachzubilden, sondern sich auch wissenschaftlicher Habits bedienten, um eine arch\u00e4ologische Grabungsst\u00e4tte herzustellen.<\/p>\n<p><span class=\"\">Hierf\u00fcr wurden in&nbsp;<strong><u>Sektion A<\/u><\/strong>&nbsp;(Titel: \u201eDie unm\u00f6gliche Expansion der Geschichte\u201c) Handb\u00fccher der Kunstwissenschaft (u. a.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.lexikon-und-enzyklopaedie.de\/sa\/Kunst-und-Kultur-Geschichte\/Die-Propylaeen-Kunstgeschichte-in-16-23-26-Baenden-Erstausgabe-1923-1939-1940-Ergaenzungs-Baende-Halbleder.html\">Propyl\u00e4en Kunstgeschichte 1923-1940<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Orbis_pictus:_Weltkunst-B\u00fccherei\">Orbit Pictus: Weltkunst-B\u00fccherei 1920-1945<\/a>, Schriften-Reihe Kulturen der Erde 1922ff.) in den Blick genommen und das meine ich im Sinne der \u00dcberschrift dieses Textes w\u00f6rtlich: Sie wurden in Vitrinen, unter nicht entspiegeltem Glas ausgelegt, sie waren mit Sicherheitsgurten zusammengeschn\u00fcrt gestapelt oder aus ihnen wurden in Slideshows ausgew\u00e4hlte Einzelseiten und -abbildungen gezeigt. Damit teilte die Ausstellung einerseits klar mit, dass zwingend die Grundlagen der Episteme (deren Theorien, Begriffe, Ideologien, Ordnungen etc.) und deren Einfluss auf die (z.B. kunsthistorische) Konzeptualisierung der Welt zu reflektieren sind. Ein Beispiel: Orbit Pictus: Weltkunst-B\u00fccherei, herausgegeben von<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Westheim\"> Paul Westheim,&nbsp;<\/a>in Berlin, 1920\u20131925, teilt die Weltkunst in folgende 20 B\u00e4nde: Indische Baukunst, Altrussische Kunst, Archaische Plastik der Griechen, Die chinesische Landschaftsmalerei, Asiatische Monumental-Plastik, Indische Miniaturen der islamischen Zeit, Afrikanische Plastik, Altmexikanische Kunstgeschichte, Die Kunst der Hethiter, \u00c4lteste deutsche Malerei, Mittelalterliche Elfenbeinarbeiten, Chinesische Kleinplastik, Masken, Islamische Architektur, Klassizismus in Frankreich, Der fr\u00fchere japanische Holzschnitt, Nordwest-amerikanische Indianerkunst, Die altfranz\u00f6sischen Bildteppiche, Assyrische Kunst, Deutsche Steinbildwerke der Fr\u00fchzeit. (Wundert angesichts dieser 20 Spots auf die Welt der Vorwurf an die Kunstgeschichte, sie sei ein idiomatisches, vielleicht sogar ein idiotisches Konstrukt?) <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Okwui_Enwezor\">Okwui Enwezor<\/a> machte im Rahmen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Documenta11\">Documenta11 2002<\/a> \u00fcber vier diskursive Plattformen, die der f\u00fcnften, der Ausstellungsplattform in Kassel vorgeschaltet waren, klar, dass Entscheidungen im Vorfeld einer Ausstellung getroffen werden. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carolyn_Christov-Bakargiev\">Carolyn Christov-Bakargiev<\/a> verdeutlichte auf der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DOCUMENTA_(13)\">dOCUMENTA (13) 2012<\/a>, dass im sog. Brain (zentral ausgestellt in der Rotunde des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fridericianum_(Kassel)\">Kasseler Fridericianum<\/a>) die einzelnen Konzeptionsstr\u00e4nge synaptisch zusammengef\u00fchrt werden: Hier trafen Steinminiaturen aus Zentralasien um 2000 v. Chr. auf Fotografien von Lee Miller, 1945 nackt in der Badewanne von Adolf Hitler aufgenommen, auf Flaschen von Giorgio Morandi. W\u00e4hrenddessen diese beiden documenta-Projekte die Vorentscheidungen performierten (Enwezor) oder konkret ansichtig machten (Christov-Bakargiev), verblieb hier, im Berliner Haus der Kulturen der Welt, die Matrix hermetisch hinter Glas und war zum Leidwesen der FachkollegInnen aus der Kunstgeschichte nicht mehr als nur eine visuelle Anmutung, eine optische Oberfl\u00e4che, eine Matrix, die zum Bild gemacht wurde: eben eine arch\u00e4ologische Grabungsst\u00e4tte, bei der man nicht selbst Hand anlegt.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Mit A08 und A09 wurde <strong><u>Carl Einsteins Sortierungs- bzw. Ordnungssystem&nbsp;<\/u><\/strong><\/span><span class=\"\">konzentriert(er) in den Blick genommen: Manuskriptfahnen mit aufgeklebten Bruchst\u00fccken und Voraberl\u00e4uterungen zu seinem &#8222;Handbuch der Kunst\u201c aus den 1930er Jahren lagerten in Vitrinen und wurden etwas erh\u00f6ht und \u00fcber eine Rampe erreichbar an der Wand platziert. Sie gaben einen detaillierten Einblick in Einsteins unvollendetes und nicht-diszipliniertes Unternehmen (\u201eeines der k\u00fchnsten Vorhaben des 20. Jahrhunderts\u201c, wie es im Manual auf S. 100 dazu hie\u00df), eine &#8222;alternative Historiografie&#8220; der Kunst in 5 B\u00e4nden zu entwerfen, die s\u00e4mtliche Weltkulturen und ihre je eigenen Kulturgeschichten einschlie\u00dfen sollte, die also durch soziale Strukturen, zeitliche Schichten und Interdisziplinarit\u00e4ten gegliedert w\u00e4re. Der Hinweis der Kuratoren mit Blick auf die Collagetechniken der Manuskriptfahnen, dass Einstein mit \u201eheuristischen M\u00f6glichkeiten von Dekomposition und Rekomposition [experimentierte]&#8220;, lie\u00df in die Wissenschaft eine sch\u00f6pferische Kreativit\u00e4t einziehen und nebenbei einen Querverweis zur K\u00fcnstlerischen Forschung herstellen. Allerdings vernachl\u00e4ssigten die Kuratoren dabei, dass im Zeitalter der mechanischen Schreibmaschine die Arbeitstechnik des Collagierens und Montierens ein \u00fcberaus g\u00e4ngiges Verfahren war, der Hinweis auf Einsteins wissenschaftlicher Kreativit\u00e4t also einer Entkontextualisierung des hier ausgestellten Materials geschuldet war. Und so bildete die nahe H\u00e4ngung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hannah_H\u00f6ch\">Hannah H\u00f6ch<\/a>s Collagen \u201eAus einem ethnografischen Museum\u201c (von 1929) zu Einsteins Manuskriptfahnen durch die Verfahrensparallelen eine eigene Zeitverdichtung, die mit der ebenfalls nahen Vitrine A10 \u201e&#8217;Ethnologische Kunstgeschichte&#8216;: afrikanische Skulptur\u201c zwar eine inhaltliche Konsistenz herstellte, aber eben auch das schon erw\u00e4hnte kuratorische Verfahren verdeutlichte: Mit Mitteln aus Wissenschaft, Kunst und Ausstellungswesen wurden in dieser Ausstellung Zeitschichten, Ordnungssysteme und Systematisierungstektoniken kreiert. Hier wurde experimentell dekomponiert und rekomponiert, hier wurde dekonstruiert, rekonstruiert und konstruiert. Der zeitgleiche Launch des digitalen <a href=\"https:\/\/archiv.adk.de\/bigobjekt\/7062\">Carl-Einsteins-Archivs<\/a> in der Akademie der K\u00fcnste Berlin und der Open-Access des gesamten Nachlasses \u00fcber eine Datenbank&nbsp;erweiterte den (Zugriffs- und Wirk-) Rahmen der Ausstellung nicht nur, sondern nahm mit der digitalen Kontextualisierung auch eine Rekonzeptualisierung auf ver\u00e4nderter (n\u00e4mlich digitaler) Matrix vor \u2013 eine Umkonfigurierung, die wom\u00f6glich in dem erweiterten Projektrahmen des HKWs \u201e<a href=\"https::\/\/www.hkw.de\/de\/programm\/projekte\/2016\/kanon_fragen\/kanon_fragen_start.php\">Kanon-Fragen<\/a>\u201c von 2016 bis 2019, innerhalb dessen die Ausstellung &nbsp;&#8222;Neolithische Kindheit\u201c stattfand, gesondert betrachtet werden wird bzw. werden kann.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_2985\" aria-describedby=\"caption-attachment-2985\" style=\"width: 273px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2985\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2018_Einstein_0244_001.jpg\" alt=\"\" width=\"273\" height=\"600\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-2985\" class=\"wp-caption-text\">Carl Einstein, Thesen zum \u201eHandbuch der Kunst\u201c, 1930er Jahre, Fahne mit aufgeklebten Bruchst\u00fccken, Akademie der K\u00fcnste, Berlin, Carl-Einstein-Archiv, Nr. 244_007.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div>&nbsp;Einige&nbsp;<span class=\"\"><strong><u>S\u00e4tze aus den Typoskripten Einsteins<\/u><\/strong><\/span>&nbsp;an der Wand lasen sich \u2013 obwohl beinahe 100 Jahre alt \u2013 wie hoch aktuelle und brisante Anleitungen, die m. E. das Studium eines\/r jeden Kunstgeschichtsstudierenden begleiten sollten:<\/div>\n<div><\/div>\n<ul>\n<li>\u201eDie Kunstgeschichte [\u2026] bietet einen nur schmalen Ausschnitt historischen Geschehens [\u2026].\u201c<\/li>\n<li>\u201eEs besteht weder eine einheitliche kunstgeschichtliche Kontinuit\u00e4t noch eine klare Entwicklung von Kunstformen. [\u2026] Wir vereinfachen aus dem Wunsch, leichter zu begreifen und die Vereinheitlichung erleichtert uns die Konstruktion sogenannter geschichtlicher Zusammenh\u00e4nge.\u201c<\/li>\n<li>\u201eDie [\u2026] Isolierung des Kunstgeschehens bewirkte einen geschichtlich unzureichenden, nur \u00e4sthetischen Standpunkt, wodurch die Geschichte zu einer Art Mechanik der Formen und Stile gemindert wurde.&#8220;<\/li>\n<li>\u201eJede kunstgeschichtliche Betrachtung wird durch den Standpunkt der Gegenwart und deren Kunst beeinflusst. Infolgedessen wechseln die kunstgeschichtlichen Darstellungen, Aspekte und Perspektiven mit dem jeweiligen Charakter der gegenw\u00e4rtigen Kunst.\u201c<\/li>\n<li>\u201eDie konservativen Tendenzen in der Kunst. Die soziologischen Voraussetzungen zur Bildung k\u00fcnstlerischer Traditionen. Die Fixierung des fl\u00fcchtigen Lebens im Kunstwerk.\u201c<\/li>\n<li>\u201eTradition. Kunstkanon. K\u00fcnstlerische \u00dcbereink\u00fcnfte und die Frage des Erfindens.\u201c<\/li>\n<li>\u201eIst man berechtigt, lediglich die Geschichten der seltenen Ausnahmen zu schreiben. Dies bedeutete eine Historie der Monstren.\u201c<\/li>\n<li>\u201eKunst als Herrschafts- und Machtmittel.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2986\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2018_Einstein_0222_011.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"600\"\/><\/p>\n<p><em>Carl Einstein, \u201eEthnologie de l\u2019homme blanc\u201c, Disposition im Konvolut \u201eManual of History of Art\u201c [Handbuch der Kunst],1930er Jahre, Manuskript Akademie der K\u00fcnste, Berlin, Carl-Einstein-Archiv, Nr. 222, Blatt 10.<\/em><\/p>\n<p>Nachdem im<u><strong>Zwischenraum von Sektion A und Sektion B<\/strong><\/u>&nbsp;Einsteins Schl\u00fcsselbegriffe projiziert wurden und deutlich wurde, dass einige von ihnen inhaltlich, kuratorisch und medial in die Ausstellung Einzug hielten (wie \u201eProjektion\u201c, \u201eKrise\u201c, \u201eSprache\u201c, \u201eTotalit\u00e4t\u201c, \u201eAufruhr\u201c, \u201eGestalt\u201c und \u201eTekton\u201c), setzte&nbsp;<strong><u>Sektion B<\/u><\/strong>&nbsp;mit einem weiteren Begriff von Einstein fort: Die Formulierung \u201eS\/O-Funktion\u201c (es dr\u00e4ngte sich auf den ersten Blick eine \u201eS-O-S-Funktion\u201c auf) nutzte Einstein f\u00fcr sein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Abkehr von einem Subjekt-Objekt-Dualismus. In der Vitrinen B19 (211) war, ebenfalls unter Glas, in dem Manuskript von \u201eGestalt und Begriff\u201c aus ca. 1930, auf Blatt 44 zu lesen: \u201eDie sp\u00e4te Spaltung in ein Subjekt und ein Objekt ist damit erledigt und statt dessen erreicht man die Position der Aktganzheit, d. h. der Mensch befindet sich im Zentrum seiner Objekte, die nur noch Funktionsmerkmale bedeuten, doch er selber ist gleichzeitig Funktion dieser Objekte.\u201c Dieser Satz aus &#8222;ca. 1930&#8220;, wie es im MANUAL hie\u00df, ist heute so aktuell, wie er vor knapp 100 Jahren gewesen sein mag. Wissenschaftstheoretische oder philosophische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte wie etwa die symmetrisierende <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Akteur-Netzwerk-Theorie\">Akteur-Netzwerk-Theorie<\/a> um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bruno_Latour\">Bruno Latour<\/a> oder der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spekulativer_Realismus\">Spekulativer Realismus<\/a> um&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Quentin_Meillassoux\">Quentin Meillassoux<\/a>,&nbsp;Ray Brassier,&nbsp;Iain Grant und&nbsp;Graham Harman d\u00fcrften sich \u00fcber best\u00e4tigende Referenzen aus den 1930er Jahre freuen und sollten dabei einen Link zu einer weiteren Publikation nicht \u00fcbersehen: In Vitrine A15 lag <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Cassirer\">Ernst Cassirers<\/a> &#8222;<span class=\"\"><a href=\"https:\/\/ia600207.us.archive.org\/8\/items\/substanzbegriffu00cassuoft\/substanzbegriffu00cassuoft.pdf\">Substanzbegriff und Funktionsbegriff. Untersuchungen \u00fcber die Grundfragen der Erkenntniskritik<\/a>\u201c, 1910 im Verlag von Bruno Cassirer<\/span><span class=\"\">,<\/span>&nbsp;Berlin ver\u00f6ffentlicht.&nbsp;Hierin lagert noch heute ungenutztes Potential in der Auseinandersetzung mit dem&nbsp;Substanz- und dem Funktionsbegriff, denn<span class=\"\">&nbsp;hierin greift Cassirer die Vorherrschaft des Substanzbegriffs mit der Logik des mathematischen Funktionsbegriffs an. Die Kategorie der Relation sei durch die metaphysische Grundlehre Aristoteles zu einer untergeordneten Stellen herabgedr\u00fcckt (10), obwohl doch der mathematische Begriff sich gegen\u00fcber dem ontologischen Begriff durch Sch\u00e4rfe und Klarheit der Begriffsbildung auszeichne (24).&nbsp;<\/span>W\u00e4hrend der eine \u201everst\u00fcmmelte und verbla\u00dfte Reste\u201c erzeuge (24), entfremde und zu einem oberfl\u00e4chlichen Schema f\u00fchre, erreiche der andere die h\u00f6chste Stufe ihrer Begriffsbildung. (24f.) Und weiter:&nbsp;<span class=\"\">\u201eAlle S\u00e4tze der Arithmetik, aller Operationen, die sie definiert, beziehen sich lediglich auf die allgemeinen Eigenschaften der Progressionen; sie gehen daher niemals auf \u201aDinge\u2018, sondern auf die ordinalen Beziehungen, die zwischen den Elementen bestimmter Inbegriffe obwalten.\u201c (<\/span><span class=\"\">49)&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Cassirer (hier leider auch nur als geschlossenes Buch hinter Glas eingebunden) und Einstein f\u00fchren mit ihren Ans\u00e4tzen allerdings zu einer der Ausstellung komplett gegenteiligen These, dass die Gegenwarten ca. 1930 und heute von einer \u201eGrundlagenkrise\u201c gekennzeichnet seien (wie Vitrine A15 bezeichnete), sondern ganz im Gegenteil, dass anti-kanonische, a-moderne, symmetrisierende Grundlagen durchaus existieren, diese aber schlicht und einfach aktiviert werden m\u00fcssen. Das ungenutzte Potential beispielsweise der &#8222;<strong><u>S\/O-Funktion<\/u><\/strong>&#8222;, der Aufhebung von Subjekt und Objekt, von wahrzunehmenden und zu erkennendem Subjekt und ausgestelltem und zu betrachtendem Objekt, ist in beinahe jeder Kunstausstellung zu begutachten. Und auch in dieser Ausstellung wurde trotz einzelner kuratorischer Versuche wie etwa einer Abdunkelung der Lichtverh\u00e4ltnisse, einer abgeleiteten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Salonh\u00e4ngung\">Petersburger H\u00e4ngung der Kunstwerke <\/a>oder einer Kombination von 600 Archivalien und 180 Kunstwerken eine Gegen\u00fcberstellung von Wahrnehmungsgegenstand und rezipierendem Publikum beibehalten. Obwohl sich das Publikum in einer&nbsp;<\/span>arch\u00e4ologischen Grabungsst\u00e4tte befand und mit einem MANUAL ausgestattet aktive Links zwischen den ausgestellten Gegenst\u00e4nden herzustellen in der Lage war, verblieb es in der Rolle des distanzierten, passiven, denkenden und stummen Besuchers. Die &#8222;S\/O-Funktion\u201c&nbsp;wurde somit zwar thematisiert, aber nicht museologisch, kuratorisch operativ umgesetzt. Damit \u00fcberlebte der S\/O-Dualismus erneut.<\/p>\n<div>\n<p>So wurden diejenigen Faktoren, die zur Aufl\u00f6sung der S\/O-Funktion f\u00fchren k\u00f6nnen sollten, in einzelnen Sektion-B-Vitrinen zusammengefasst und ausgebreitet: \u201eKinderzeichnungen\u201c, \u201ePornophilie\u201c, \u201eOkkultismus\u201c, \u201eTraum\u201c, \u201eHalluzination\u201c, \u201eHypnose\u201c, \u201eK\u00fcnstlerische Forschung\u201c, \u201eDie Geste\u201c, \u201eDie Expedition\u201c, \u201eFaschismus\u201c, \u201eEntartete Kunst\u201c, \u201eUrkommunismus\u201c \u2026 Wie kamen etwa der Faschismus, die K\u00fcnstlerische Forschung und die Pornophilie zu dem zweifelhaften Vergn\u00fcgen, in struktureller N\u00e4he zu stehen? Die Logik des Zusammenhangs dieser doch recht breit gef\u00e4cherten Faktoren war die Exklusion, so dass sich hier die Frage aufdr\u00e4ngte, warum nur die bereits Exkludierten die Funktion der Dualismuszusammenbr\u00fcche \u00fcbernehmen k\u00f6nnen sollen. Auf welcher Grundlage wurde hier argumentiert? Etwa neuerlich auf der Grundlage dualistischer Gegen\u00fcberstellungen?<\/p>\n<p><span class=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2987\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2018_NeolithischeKindheit1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"451\" height=\"600\"\/><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><em>Catherine Yarrow, Black and Green Faced Figures, 1935, Gouache und Aquarell, 46,5 x 33,8 cm.&nbsp;\u00a9 Estate of Catherine Yarrow\/Austin Desmond Fine Art.<\/em><\/p>\n<p><span class=\"\">Inmitten der Ausstellung war eine weitere Ausstellung platziert: die&nbsp;<strong><u>Sektion KW<\/u><\/strong>, auch dies ein Begriff bzw. eine Abk\u00fcrzung von Einstein: KW = Kunstwerke. Eine quer im Raum platzierte, raumhohe Stellwand, die Sektion B von Sektion C trennte, \u00fcberf\u00fchrte das Display der Grabungsst\u00e4tte in eine klassische Wandh\u00e4ngungsfl\u00e4che, hier aber im Vergleich zu anderen Ausstellungsfl\u00e4chen mit sichtbarer R\u00fcckwandkonstruktion, einem Holzst\u00e4nderwerk, und mittels eines Metallstegs auf zwei H\u00f6henebenen zu erwandern. Auf mintgr\u00fcnem Hintergrund waren hier k\u00fcnstlerische Arbeiten aus den 1920er, 1930er und 1940erJahren zu sehen, denen zumeist Unbestimmtheit und Indifferenz gemeinsam ist: von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Arp\">Hans Arp<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georges_Braque\">Georges Braque<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Max_Ernst\">Max Ernst<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hannah_H\u00f6ch\">Hannah H\u00f6ch<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Klee\">Paul Klee<\/a>,<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joan_Mir\u00f3\"> Joan Mir\u00f3<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexandra_Pov\u00f2rina\">Alexandra Pov\u00f2rina<\/a>, Salomon Nikritin und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andr\u00e9_Masson\">Andr\u00e9 Masson<\/a>, als Collage, Radierung, \u00d6l auf Leinwand, Fotomontagen, Papier auf Kreide auf Karton, Illustration, Tuschezeichnungen, Siebdruck und Aquarell. Die H\u00f6henerwanderung der gro\u00dfen Ausstellungshalle des HKW war eine der r\u00e4umlichen Besonderheiten der Ausstellung, die H\u00e4ngung der 180 Kunstwerke&nbsp;aus den drei Jahrzehnten bezeugte, dass beispielsweise der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Surrealismus\">Surrealismus<\/a> (der etwa vom US-amerikanischen Kunstkritiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clement_Greenberg\">Clement Greenberg<\/a> kunsthistorisch ausgelagert wurde, da er au\u00dferhalb des Erlaubten der Erz\u00e4hlung der Moderne lag und damit nicht bzw. nur als eine \u00e4sthetische Regression in die Kunstgeschichtsschreibung und deren linearer Stufenmodelle passte) schlicht ein epistemologisches Problem war\/ist. Die Ausstellung &nbsp;&#8222;Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930\u201c wird in der Wiedervorlage dieses \u00e4sthetischen Ph\u00e4nomens k\u00fcnftig einen, so hoffe ich, nicht unerheblichen Beitrag leisten.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_2988\" aria-describedby=\"caption-attachment-2988\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2988\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2018_NeolithischeKindheit2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"422\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-2988\" class=\"wp-caption-text\">Paul Klee, (Metamorphosen:) der Zusammenbruch der biblischen Schlange, 1940, 324, Kleisterfarbe auf Papier auf Karton, 34,2 x 49,3 cm.&nbsp;\u00a9 Zentrum Paul Klee, Bildarchiv, Bern.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p><strong><u>Sektion C<\/u><\/strong>, hinter der Stellwand platziert, wurde mit \u201eWiderst\u00e4nde und Fluchtlinien\u201c \u00fcbertitelt. Und sp\u00e4testens hier wollte die Ausstellung bzw. wollten die Kuratoren ihre Geschichte des Anti-Kanonischen nicht nur erz\u00e4hlen, sondern auch fortsetzen: Mit nur wenigen Stichworten und dazugeh\u00f6rigen Vitrinen (\u201eAntikolonialismus\u201c, \u201eAfromodernismus\u201c, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sergei_Michailowitsch_Eisenstein\">Kalifala Sidib\u00e9<\/a>, \u201eHafen\u201c und \u201eSpanischer B\u00fcrgerkrieg\u201c) wurden assoziativ Trajektorien ins Zuk\u00fcnftige, Alternative und Unvollendete gezogen, um am Ende der Sektion zu dem obligatorischen B\u00fcchertisch zu gelangen, auf dem neben Titeln von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georges_Bataille\">Georges Bataille<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Grasskamp\">Walter Grasskamp<\/a>, Hans-J\u00fcrgen Kiefer und Marianne Kr\u00f6ger auch B\u00fccher der wissenschaftlichen Beraterinnen der Ausstellung platziert waren. Den antikanonischen Impulsen von Einstein und Cassirer, von H\u00f6ch und Krull, von Kalifala Sidib\u00e9 und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sergei_Michailowitsch_Eisenstein\">Sergej Eisenstein<\/a> wurden Literatur des Advisory Boards hinzugef\u00fcgt und damit eine eigene Geschichte eines krisen\u00fcberwindenden &#8222;Antikanons&#8220; selbstbehauptet, \u201edie die politischen, \u00e4sthetischen und ontologischen Eins\u00e4tze Einsteins immer pr\u00e4ziser herausarbeitet\u201c (aus der Pressemappe zur Ausstellung).<\/p>\n<p><span class=\"\">Auch an dieser Stelle konnte noch einmal eine Matrixforschung einsetzen, nun aber hinsichtlich der Ausstellung selber: Im Rahmen-Projekt des HKWs &#8222;<b><u>Kanon-Fragen<\/u><\/b>\u201c hei\u00dft es hierzu, dass &#8222;auch Ideen und Begriffe, Rahmenerz\u00e4hlungen und Tradierungen praktischen Wissens zu den (immateriellen) Ressourcen einer Kultur [z\u00e4hlen]. Was sind die Ressourcen kultureller Kanonisierungsprozesse?\u201c fragt der <a href=\"https:\/\/www.hkw.de\/de\/programm\/projekte\/2016\/kanon_fragen\/kanon_fragen_start.php\">Konzepttext des HKWs&nbsp;<\/a>und k\u00f6nnte in eigenen konzeptionellen und kuratorischen Entscheidungen Antworten finden: Etwa, dass mit einem zeitgleichen Launch einer Datenbank (des Einsteins-Archivs der Akademie der K\u00fcnste) und einer parallel stattfindenden <a href=\"https:\/\/www.hkw.de\/de\/app\/mediathek\/project\/137780-neolithische-kindheit-kunst-in-einer-falschen-gegenwart-ca-1930\">Konferenz<\/a> &nbsp;(<a href=\"https:\/\/www.hkw.de\/de\/programm\/projekte\/2018\/neolithische_kindheit\/konferenz_neolithische_kindheit\/neolithische_kindheit_konferenz.php\">\u201eTiefenzeit und Krise\u201c am 26. und 27.5.2018<\/a> ) Fluchtlinien in die Zukunft geworfen, Impulse gesetzt und Aktualisierungen vorgenommen werden k\u00f6nnen, etwa, um ein Verh\u00e4ltnis zwischen globalen Krisen um 1930 und der Gegenwart zu behaupten und eine vielversprechende Untersuchung des Krisenmodus&#8216; in Aussicht zu stellen.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">&#8222;<a href=\"https:\/\/www.hkw.de\/de\/programm\/projekte\/2018\/neolithische_kindheit\/neolithische_kindheit_start.php\">Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930<\/a>\u201c&nbsp;&nbsp;im<a href=\"https:\/\/www.hkw.de\">&nbsp;Haus der Kulturen der Welt Berlin,<\/a>&nbsp;13.04. bis 09.07.2018.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/d775c94f116d4dc3a0340b0edded30e9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Ausstellung&nbsp;&#8222;Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930\u201c im HKW Berlin. Gleich einer der&nbsp;Einf\u00fchrungstexte&nbsp;in die Ausstellung &#8222;Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930\u201c&nbsp;&nbsp;im Berliner Haus der Kulturen der Welt, auf hohen Wandtafeln platziert, startete die Oszillation: \u201eDie Gegenwart um 1930 war weltweit gepr\u00e4gt von Grundlagenkrisen. 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