{"id":265,"date":"2012-07-16T19:45:19","date_gmt":"2012-07-16T17:45:19","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=265"},"modified":"2021-06-16T15:33:14","modified_gmt":"2021-06-16T14:33:14","slug":"zwei-schwergewichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=265","title":{"rendered":"Zwei Schwergewichte&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Gleich mit zwei schwergewichtigen Ausstellungen setzt Okwui Enwezor seine Direktorenschaft am M\u00fcnchner <a href=\"http:\/\/www.hausderkunst.de\/\">Haus der Kunst<\/a> fort:<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.hausderkunst.de\/index.php?id=83&amp;no_cache=1&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=170\">Bild-Gegen-Bild<\/a><\/strong> (noch bis 16.9.2012)<\/p>\n<p>Und punktgenau zum 75. Jahrestag der Er\u00f6ffnung:<br \/>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.hausderkunst.de\/index.php?id=83&amp;no_cache=1&amp;tx_ttnews[tt_news]=1620\">Geschichten im Konflikt:<\/a> Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955<\/strong> (noch bis 13.1.2013),<br \/>\nhieran angebunden das <a href=\"http:\/\/www.hausderkunst.de\/index.php?id=756\">Symposium 75\/20<\/a> (9.\/10.6.2012) unter Beteiligung illustrer G\u00e4ste wie Mike Bal, Hans Haacke, Alfredo Jarr, W.J.T. Michell oder Georges Didi-Huberman (Videos der Tagung <a href=\"http:\/\/www.hausderkunst.de\/index.php?id=724\">hier<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Bild-Gegen-Bild<\/strong> untersucht die Interrelation von Bild und Krieg in dem Zeitraum nach 1990\/1991, wie sie Mitchell 1994 in seiner Picture Theory hinsichtlich ver\u00e4nderter Bildpolitiken seit 1991 diagnostizierte. Mitchell verdeutlicht seine Bildtheorien eindrucksvoll mittels der Gegen\u00fcberstellung zweier medialer Ereignisse im Jahr 1991. Dieses Jahr startete mit dem kriegspopularisierenden CNN-Spektakel von &#8218;Desert-Storm&#8216; im Irak und endete mit einem kinematografischen Re-enactment der Ermordung Kennedys, dem Blockbuster &#8218;JFK&#8216; von Oliver Stone: 2 Ereignisse, die Mitchell als &#8222;America&#8217;s Culture Wars&#8220; bezeichnet: &#8222;In short, for Americans who watch television news, 1991, was a year of war and publicity, not just the publicizing or representing of war, but the waging of war by means of publicity and representation.&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mitchell wird in seinem Text diese beiden Ereignisse als turning points sowohl in der amerikanischen Geschichte als auch in der Geschichte des amerikanischen TV&#8217;s bezeichnen, mittels derer er zwei melodramatische Szenarien, die das amerikanische Publikum 1991 gefangennahmen, zu vergleichen in der Lage ist und den Einfluss der visuellen Repr\u00e4senation auf die \u00f6ffentlichen Diskurse analysiert:<br \/>\nW\u00e4hrend die k\u00f6rperliche, leibliche und intime Bebilderung in Stone&#8217;s JFK den Rezipienten direkt in Anspruch nahm, waren die CNN-Bilder von Desert Storm abstrakt und ferngesteuert wie in einem Videogame und damit entscheidendes Material in der narrativen Konstruktion des Krieges.<\/p>\n<p>Dass dies auch anders h\u00e4tte ausfallen k\u00f6nnen, verdeutlicht die Bild-Pr\u00e4sentation des Vietnam-Krieges zwei Jahrzehnte zuvor: Hier dominierten noch die entstellten und verst\u00fcmmelten K\u00f6rper, die physische Realit\u00e4t der K\u00e4mpfe, die Massaker und Folgen der Angriffe.<br \/>\nDiese Berichterstattung allerdings h\u00e4tte, so die Einsicht milit\u00e4rischer Kreise, dazu gef\u00fchrt, dass der Vietnamkrieg die Unterst\u00fctzung und Akzeptanz der amerikanischen Bev\u00f6lkerung verloren h\u00e4tte. Die Folgen sind bekannt.<br \/>\nDie Konsequenz dieser Einsicht, so Mitchell, sei gewesen, den menschlichen K\u00f6rper im Rahmen der Repr\u00e4sentation des Irakkrieges aus dem Bild zu l\u00f6schen: &#8222;This was a war without bodies or tears for the American public.&#8220; (402) Mitchell spricht von einer Zensur der Bilder.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2012_HdK_Bild.jpg\" alt=\"install_concept\"\/><\/p>\n<p>12 K\u00fcnstler, darunter Harun Farocki, Hans-Peter Feldmann, Sean Snyder, Jasmila Zbanic und John Smith untersuchen nun im Haus der Kunst mediale, operative, strukturelle, narrative, \u00e4sthetische Spezifika von Bildern. Schade, dass die Ausstellung im Bereich der Bildwirkmacht kriegerischer Handlungen verbleibt.<\/p>\n<p><strong>Geschichten im Konflikt<\/strong> nimmt eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hauses der Kunst in den Jahren 1937 bis 1955 vor: Das Haus der Kunst wurde von 1933 bis 1937 nach Pl\u00e4nen von Hitlers bevorzugtem Architekten Paul Ludwig Troost als Haus der Deutschen Kunst errichtet. Hier fand 1937 die Ausstellung Entartete Kunst statt, die 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen vor 2 Millionen Besuchern diskredierte. Sp\u00e4ter sollte die Ausstellung dann als Wanderausstellung durch die Gro\u00dfst\u00e4dte des Reiches ziehen: Berlin, Wien, Salzburg, Hamburg, Liepzig, D\u00fcsseldorf, Frankfurt am Main, Stettin, Halle.<\/p>\n<p>Die Geschichte, die dann mit Ausstellungen wie &#8222;Blaue Reiter&#8220; (1949), &#8222;Die Maler am Bauhaus&#8220; (1950), &#8222;Max Beckmann&#8220; (1952), Kandisky und Paul Klee (1954) und Picasso (1955) die Moderne rehabilitiert, wird vom Schweizer Konzeptkuenstler Christian Philipp M\u00fcller in 6 Kapiteln erz\u00e4hlt:<br \/>\nCamouflagenetz an der Aussenfassade, Intervention im Mittelbau und Freilegung der Balustrade der Nordgalerie, Sound- und Bildinstallation im Treppenhaus, Installation zum fetisch Haus der Kunst, Plastiken und Gem\u00e4lde zwischen 1937 und 1955 im Haus der Kunst, u.a. Lehmbrucks Grosse Knieende, dem Sinnbild der freien Kunst Europas, Film- und Foto-Installation der Beschlagnahmung durch die amerikanische Milit\u00e4rregierung mit einem Officers Club.<br \/>\nEine Geschichte zwischen 1937 und 1955, die mit der Grundst\u00fcckslegung des Haus der Kunst startet, historische Bild- und Textdokumente mit ehemals als entartet stigmatisierter Kunst und Ank\u00e4ufen Hitlers in Rauminstallationen verwebt und verdichtet, dabei mit klugem Bild-, Blick- und Materialeinsatz agiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2012_HdK_Geschichten01.jpg\" alt=\"install_concept\"\/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2012_HdK_Geschichten02.jpg\" alt=\"install_concept\"\/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2012_HdK_Geschichten03.jpg\" alt=\"install_concept\"\/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/1bc4dd2b1d8b479fa6e0a3a5b1490a6a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich mit zwei schwergewichtigen Ausstellungen setzt Okwui Enwezor seine Direktorenschaft am M\u00fcnchner Haus der Kunst fort: Bild-Gegen-Bild (noch bis 16.9.2012) Und punktgenau zum 75. 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