{"id":2517,"date":"2017-09-19T14:20:01","date_gmt":"2017-09-19T13:20:01","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2517"},"modified":"2021-06-16T14:16:33","modified_gmt":"2021-06-16T13:16:33","slug":"ein-gescheiterter-documenta-de-kolonialisierungs-versuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2517","title":{"rendered":"Ein gescheiterter documenta-De-Kolonialisierungs-Versuch"},"content":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist im Konjunktiv II verfasst.<\/p>\n<p>Es h\u00e4tte sich, wie programmatisch von dem k\u00fcnstlerischen Leiter der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Documenta_14\">documenta 14<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adam_Szymczyk\">Adam Szymczyk<\/a> (<a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/team\">gemeinsam mit weiteren 15 Kuratoren<\/a>&nbsp;geplant und) im Oktober 2014 in der Kunsthochschule Kassel angek\u00fcndigt wurde, um eine kuratorische Variante der Dekolonialisierung von neokolonialen und neoliberalen Haltungen, von Kunstgro\u00dfausstellungen und damit des Kunstbetriebs, von etablierter Kunstgeschichte, k\u00fcnstlerischen Themen, bevorzugten Formaten und Medien, Institutionen und Gewissheiten, uniformen Erz\u00e4hlungen und universalen Definitionen handeln k\u00f6nnen, &#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2537\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Documenta14-3.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\"\/><em>Parlament der K\u00f6rper, Fridericianum.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8230;wenn die documenta ihrer Konzeptank\u00fcndigung entsprechend sowohl eine zeitliche als auch eine r\u00e4umliche, aber auch eine disziplin\u00e4re, historische und kulturelle Verschiebung vorgenommen h\u00e4tte&nbsp;. Das Leitsystem der documenta 14, f\u00fcr das sich Linien kreuzen und Schnittpunkte bilden, w\u00e4re hierf\u00fcr als Matrix einsetzbar gewesen. F\u00fcr eine konzeptionelle Zerfaserung, Irrung, Rasterung und B\u00fcndelung reicht eine lediglich quantitative Erweiterung um einen zweiten Ausstellungsort (Athen) und eine zeitliche Verl\u00e4ngerung (um 63 Tage) nicht. Die Destabilisierung des documenta-Konzepts des einen einzigen Spektakels an einem festen Ort (Kassel) mit einer klaren zeitlichen Setzung (100 Tage) ist nicht mit einer Ort-Zeit-Anh\u00e4ufung in Gang zu setzen, das bewies&nbsp;schon Enwezor 2002 mit seiner&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Documenta11\">Documenta11 der f\u00fcnf Plattformen<\/a>. Auch die Erg\u00e4nzung der bekannten Ausstellungsorte Kassels in N\u00e4he des Fridericianums um Industriehallen, Pavillons und ehemalige Industriefabriken im Norden Kassels konnte keine Enthierarchisierung der etablierten Ausstellungsorte und -geschichten in Gang setzen, wie sie&nbsp;im diskursiven \u201e<a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/public-programs\/927\/das-parlament-der-koerper\">Parlament der K\u00f6rper<\/a>\u201c als Zielvorgabe ausgegeben wurde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2538\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Documenta14-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\"\/><em>Banu Cennetoglu, BEINGSAFEISSCARY, 2017, Fridericianum.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;wenn die \u00dcberlegung, \u201evon Athen zu lernen\u201c, so das Ausgangskonzept, die Arbeitsthese und der Titel der documenta 14, sich nicht in einer Solidarisierung und Ideologisierung ersch\u00f6pft h\u00e4tte, die sich auf eine Vorzeichen\u00e4nderung kapriziert hat, um mit der Normativit\u00e4t und Hegemonie des Nordens zu brechen. Fand hier nicht vielmehr eine Mythologisierung und eine Exotisierung statt, wie sie Bestandteil kolonialistischer Konzepte sind? Stellt sich nicht auch nach der documenta 14 unbeantwortet die Frage, wie eine Kritik an der Normativit\u00e4t des Westens und der \u00f6konomischen Spaltung Europas zu formulieren ist? Und wie ist die kuratorische Entscheidung, im Fridericianum die Sammlung des Athener Nationalen Museums f\u00fcr Zeitgen\u00f6ssische Kunst (<a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/venues\/14860\/emst-nationales-museum-fuer-zeitgenoessische-kunst\">EMST<\/a>) zu pr\u00e4sentieren, die zuvor in Athen unter Kuratorschaft von Katerina Koskina gezeigt wurde, einzusch\u00e4tzen? Kann ein Replacement und ein Teilen von Kunstsammlungen und Kunstgeschichten, hier am Gr\u00fcndungsort der documenta und im ersten \u00f6ffentlichen Museum in Kontinentaleuropa, dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fridericianum_(Kassel)\">Fridericianum<\/a>, mehr sein als nur eine symbolische und damit repr\u00e4sentationale Geste?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2544\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Documenta14-4.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\"\/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2545\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Documenta14-5.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\"\/><em>Bill Viola, The Raft, 2004, Fridericianum.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;wenn thematische Linien sich h\u00e4tten st\u00e4rker verbinden k\u00f6nnen. So h\u00e4tten sich k\u00fcnstlerische Positionen, die sich mit Flucht und Migration auseinandersetzten, mit Positionen zum NSU und damit zu Rassismus und rechtsextremem Terror sowie mit Positionen zu Europa und Globalisierung zu einem Narrativ komprimieren k\u00f6nnen, das unser Zeitalter als ein Zeitalter der Dekolonialisierung und damit auch die sog. Fl\u00fcchtlingskrise als ein aktuelles Kapitel der Dekolonialisierung h\u00e4tte erz\u00e4hlen lassen.&nbsp;Damit w\u00e4ren folgende Positionen aufeinander getroffen:<br \/>\n&#8211;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/1935\/angela-melitopoulos\">Angela Melitopoulos<\/a> Vierkanal-Video \u201eCrossing\u201c von 2017, das zu Fl\u00fcchtlingslagern auf griechischen Inseln informiert,<br \/>\n&#8211; auf die \u201e<a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/public-programs\/22411\/die-gesellschaft-der-freund-innen-von-halit\">Gesellschaft der Freund_innen von Halit<\/a>\u201c, die in ihren Videos zum Mord an <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Halit_Yozgat\">Halit Yozgat<\/a> in Kassel und dem NSU recherchieren,<br \/>\n&#8211; auf <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13565\/bouchra-khalili\">Bouchra Khalilis<\/a> Digitalvideo \u201eThe Tempest Society\u201c von 2017, das \u00fcber szenische Lesungen subaltern Stimmen leiht,<br \/>\n&#8211; auf <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13706\/romuald-karmakar\">Romuald Karmakars<\/a> neueste Videoarbeit \u201e<a href=\"https:\/\/www.romuald-karmakar.de\/archive\/byzantion\">Byzantion<\/a>\u201c, die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=y4As2oJwqjE\">sakrale Ges\u00e4nge<\/a> des Marien-Hymnus Agni Parthene in einer Kirche in Griechenland und einer in Russland auf einem dreiteiligen Videoscreen miteinander vergleicht,<br \/>\n&#8211; auf <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13572\/theo-eshetu\">Theo Eshetus<\/a> \u201eAtlas Fractured\u201c von 2017, einem projizierten Video mit Ton, das sich mit der fr\u00fchen und gegenw\u00e4rtigen Berliner Kolonialpolitik in Form des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Humboldtforum\">Humboldtforums<\/a> auseinandersetzt,<br \/>\n&#8211; auf <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/22257\/koeken-ergun\">K\u00f6ken Erguns<\/a> Zweikanal-Videoprojektion \u201eI, Soldier\u201c von 2017, die t\u00fcrkische Soldaten mit Hip-Hop-Pop-Kultur militarisiert zeigt,<br \/>\n&#8211; auf <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13551\/sami-artist-group-keviselie-hans-ragnar-mathisen-britta-marakatt-labba-synnove-persen-\">Hans Ragnar Mathisens<\/a> gezeichnete Karten, die Ortsbezeichnungen der Kolonisatoren durch Sami-Namen ersetzt&#8230;<br \/>\nAuch hierbei h\u00e4tte es sich um die Matrix handeln k\u00f6nnen, die das vorherrschende Narrativ der Homogenit\u00e4ten etwa von Bev\u00f6lkerungen oder Kulturen h\u00e4tte destabilisieren k\u00f6nnen. Die Vielzahl von Positionen und Informationen h\u00e4tten sich zu einer Erz\u00e4hlung der aktuellen Epoche zusammenf\u00fcgen k\u00f6nnen, die noch nicht erz\u00e4hlt wurde. Etwa die des &#8222;BEINGSAFEISSCARY&#8220; (aus Buchstaben des Fridericianums plus sechs weiteren nachgebildeter Schrift) von&nbsp;<span style=\"color: #801818;\">Manu<\/span><a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13494\/banu-cennetoglu\">&nbsp;Cennetoglu<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2541\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Documenta14-2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\"\/><em>Bouchra Khalili, The Tempest Society, &nbsp;2017, Gottschalk-Halle.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;wenn registriert worden w\u00e4re, dass von den ausgew\u00e4hlten k\u00fcnstlerische Positionen diejenigen am st\u00e4rksten sind, die als Recherchemedium, Dokumentationsmedium oder Archivierungsmedium operierten und gemeinsam einen Atlas der Gegenwart erstellten. Ich erw\u00e4hne hier<br \/>\n&#8211; Angela Melitopoulos Vierkanal-Video \u201eCrossing\u201c von 2017, das Bilder und Informationen u. a. aus den Fl\u00fcchtlingslagern Pipka und Moria auf Lesbos liefert (Konzept und Text: Maurizio Lazzarato)<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/22305\/stefanos-tsivopoulos\">Stefanos Tsivopoulos\u2019<\/a> \u201ePrecarious Archiv\u201c von 2015, einem Archiv politischer Gro\u00dfereignisse der Weltgeschichte zwischen 1963 und 2002<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/22311\/vangelis-vlahos\">Vangelis Vlahos\u2019<\/a> \u201e1981\u201c von 2007, ein Archiv, das Fotos kultureller und politischer Ereignissen der Zeitung &#8222;Elftheros Kosmos&#8220; aus der Zeit zwischen Oktober 1981 und Juni 1982 zeigt<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/22294\/oliver-ressler\">Oliver Resslers<\/a> Installation \u201eWhat Is Democracy?\u201c von 2007\u20132009, bestehend aus einer Achtkanal-Videoinstallation, die etwa 20-min\u00fctige Interviews zu der titelgebenden Frage mit politisch Aktiven an verschiedenen Standorten der Welt zeigt<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/11541\/mary-zygouri\">Mary Zygouris<\/a> \u201eThe Bound-up Project\u201c von 2017, mit dem sie \u00fcber politische und poetische Strategien des Archivs das zerst\u00f6rte Material der griechischen Performancek\u00fcnstlerin Maria Karavela zu rekapitulieren versucht<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13489\/maria-eichhorn\">Maria Eichhorns<\/a> zur documenta 14 gegr\u00fcndetes <a href=\"http:\/\/www.rosevallandinstitut.org\">Rose Valland Institut<\/a>, das unrechtm\u00e4\u00dfige Besitzverh\u00e4ltnisse von Kunstwerken, Grundst\u00fccken, Immobilien, Unternehmen etc. in Deutschland recherchiert und dokumentiert<br \/>\n&#8211; Ausz\u00fcge aus <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/22297\/allan-sekula\">Allan Sekulas<\/a> dokumentierender \u201eFish Story\u201c (1990\u20131995), hier 19 Farbfotografien, seiner mehrj\u00e4hrigen&nbsp;k\u00fcnstlerischen Forschung zu den Arbeitsbedingungen der Handelsschifffahrt exemplarisch f\u00fcr einen globalisierten Kapitalismus<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13523\/agnes-denes\">Agnes Denes\u2019<\/a> \u201eMatrix of Knowledge\u201c von 1970, ihren analytischen und systematisierenden Zeichnungen philosophischer Begriffe und Apparate<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13491\/maret-anne-sara\">M\u00e1ret \u00c1nne Saras<\/a> Vitrinen mit Dokumenten des Rentierzuchtgesetzes und des Prozesses von Saras Bruder gegen das Norwegische Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft und Lebensmittel, in dem er&nbsp;gegen die vom norwegischen Rentierhaltungsgesetz 2007 zwingend vorgeschriebene T\u00f6tung von Renen klagte<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13599\/arin-rungjang\">Arin Rungjangs<\/a> filmische Recherchen zu einem Demokratiedenkmal in Bangkok, das Inbegriff der politischen Verwerfungen in Thailand im 20. Jahrhundert ist.<br \/>\nStattdessen stellte die Ausstellung vorwiegend auf Verschl\u00fcsselungen und Kryptisierungen ab. In diesem Zusammenhang sei erinnert, dass etwa f\u00fcr Susan Sontag &#8222;interpretatorische Unternehmungen gr\u00f6\u00dftenteils reaktion\u00e4r, stickig sind&#8220; und &#8222;der Strom der Kunstinterpretationen unser Empfindungsverm\u00f6gen [vergiftet]&#8220;, Interpretieren w\u00fcrde, so Sontag, \u201edie Welt arm und leer machen \u2013 um eine Schattenwelt der \u201aBedeutungen&#8216; zu errichten\u201c. (Sontag 1980, 15)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2540\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Documenta14-6.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\"\/><em>K\u00f6ken Ergun, I, Soldier, 2017, Fridericianum.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;wenn nicht konzeptlos Einzelpositionen zu Einzelposten gemacht worden w\u00e4ren, indem sie dicht an dicht, ohne thematischen oder motivischen Zusammenhang nebeneinander gestellt wurden. So standen in der Neuen Galerie der subtile Broodthaers (<a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/21959\/marcel-broodthaers\">Ardoises magiques, Magie<\/a>, K\u00fcnstlerbuch, 1973 und Dokumente) in unmittelbarer N\u00e4he zu den plakativen, 203 C-Prints umfassenden \u201eReal Nazis\u201c (2017) von <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13594\/piotr-uklanski\">Piotr Ukl\u00e1nski<\/a> und der informativen Dokumentation einer Performance von <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13517\/sokol-beqiri\">Sokol Beqiri<\/a> aus 2017.<\/p>\n<p>&#8230;und wenn nicht in der gleichen Institution st\u00e4ndige Ausstellungsst\u00fccke wie Barlachs Bronzen (Russische Bettlerin, 1907) oder die acht L\u00e4nderfiguren aus Marmor (allegorische Frauenfiguren, \u201edie die acht traditionellen Kulturnationen, die griechische und r\u00f6mische Antike, Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien, die Niederlande und England\u201c darstellen) von der documenta 14 als Ausstellungsst\u00fccke okkupiert und \u00fcberschrieben worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>&#8230;wenn die geringe Zahl systemischer oder \u00f6kologischer Arbeiten bemerkt worden w\u00e4re. Lediglich drei Arbeiten erm\u00f6glichten eine Rezeptionssituation, die nicht in der dualistischen Gegen\u00fcberstellung von &#8218;erkennendes Subjekt&#8216; und &#8218;zu erkennendes Objekt&#8216; m\u00fcndete:<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/1031\/irena-haiduk\">Irena Haiduks<\/a> in den USA eingetragenes und in Belgrad ans\u00e4ssiges Unternehmen &#8222;<a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/calendar\/15826\/borosana-shoe-issue\">Yugoexport<\/a>&#8222;, das unter anderem schwarze Borosana-Schuhe, Handtaschen und Damenoberbekleidung verkauft, deren Verkaufspreis sich an der finanziellen Situation der ErwerberInnen orientiert. Hinzu kommen Installationen, Skulpturen und intelligent uneingel\u00f6ste Performance-Versprechen.<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13502\/otobong-nkanga\">Otobong Nkangas<\/a> Kreislauf einer Seifen-Produktion, -Installation, -Performance und -Distribution \u201e<a href=\"http:\/\/www.carvedtoflow.com\">Carved to Flow<\/a>\u201c<br \/>\n&#8211; die Gr\u00fcndung des \u201e<a href=\"http:\/\/www.rosevallandinstitut.org\">Rose Valland Institute<\/a>\u201c durch Maria Eichhorn, das die Documenta-\u00d6ffentlichkeit aufruft, NS-Raubgut im ererbten Besitz zu recherchieren und diese Informationen dem Institut&nbsp;zu \u00fcbermitteln.<\/p>\n<p>&#8230;wenn k\u00fcnstlerische Arbeiten, wie von der kolumbianischen K\u00fcnstlerin <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13543\/beatriz-gonzalez\">Beatriz Gonz\u00e1lez<\/a>, dem kolumbianischen K\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13538\/abel-rodriguez\">Abel Rodr\u00edguez<\/a>, dem kambodschanischen K\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13507\/khvay-samnang\">Khvay Samnang<\/a>, der mongolischen K\u00fcnstlerin <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13515\/nomin-bold\">Nomin Bold<\/a>, dem mongolischen K\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13520\/ariuntugs-tserenpil\">Ariuntugs Tserenpil<\/a> oder dem norwegischen K\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13551\/sami-artist-group-keviselie-hans-ragnar-mathisen-britta-marakatt-labba-synnove-persen-\">Hans Ragnar Mathisen und der S\u00e1mi Artist Group<\/a>, nicht im Naturkundemuseum Ottoneum aus- bzw. eingelagert worden w\u00e4ren. Die institutionelle Rahmung, die Nachbarschaftsverh\u00e4ltnisse in dieser Gruppenausstellung wie auch die Saaltexte markierten diese k\u00fcnstlerischen Positionen als indigene und inkludierten sie somit in ethnologische Diskurse.<\/p>\n<p>&#8230;wenn die documenta Halle als schwierig zu kuratierender Ort anerkannt worden w\u00e4re und das Kuratorenteam sich den ortsspezifischen Schwierigkeiten gestellt h\u00e4tte \u2013 statt die Arbeiten von <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/22772\/igo-diarra-und-la-medina\">Igo Diarra und La Medina<\/a> zu Ali Farka Tour\u00e9 im Eingangsbereich oder &nbsp;<a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/23384\/listening-space-kassel\">Listening Space Kassel<\/a> im 1. Stock der Halle zu verwirken.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2558\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Documenta14-7.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"337\"\/><em>Andr\u00e9 du Colombier, ohne Titel, undatiert, documenta Halle.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;und wenn der gr\u00f6\u00dfte Raum der documenta Halle gro\u00dfz\u00fcgig und zwar nur mit der zarten, fragil erscheinenden, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=y17AjNrpyv0\">39cm hohen und 23,5m langen<\/a> Stickerei \u201eHistorja\u201c von <a href=\"http:\/\/www.documenta14.de\/de\/artists\/13551\/sami-artist-group-keviselie-hans-ragnar-mathisen-britta-marakatt-labba-synnove-persen-\">Britta Markant-Labba<\/a> (2003\u201307) zusammen mit der raum- und ortsspezifischen Arbeit von &#8222;le gens d\u2019uferpan&#8220;, einem Holzeinbau unter dem Titel \u201eSc\u00e8ne \u00e0 l\u2019italienne (Proscenium) \u2013 Handlungsweise des Neuen Forschungs- und Gestaltungsprinzips\u201c (seit 2014), der die documenta Halle st\u00f6rt, \u00fcberbr\u00fcckt, konturiert, flie\u00dfen l\u00e4sst, der Sitzgelegenheiten und Aussichtspunkte, Randkontakte und Verteilungen bietet, kuratiert worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>&#8230;wenn auch selbstreferenziell kunstbetriebliche Dekolonialisierungen etwa der Konzepte Einzelk\u00fcnstler und Werk, Urheberschaft und Originalit\u00e4t, von etablierten Medien und Formaten als Inbegriff der modernen Ausstellung und damit umfassendere Dekolonialisierungen etwa der wei\u00dfen, europ\u00e4ischen, m\u00e4nnlichen, marktorientierten Kunstgeschichte und mit ihr der Ausstellungs- und Pr\u00e4sentationsgeschichte stattgefunden h\u00e4tten.<\/p>\n<p>So bleibt, von einer in \u00c4sthetik und Ausdruckssprache, Format- und Medieneinsatz, Displaywahl und Pr\u00e4sentation konservativen, wenn nicht reaktion\u00e4ren documenta 14 zu sprechen, die aktuelle Themen und einhergehend relevante K\u00fcnstlerInnen ausblendet (Digitalisierung, Klimawandel, Nachhaltigkeit, soziale Ungerechtigkeit), mediale Aktualisierungen ignoriert (VR, Installationen, Interaktionen, k\u00fcnstlerisch-wissenschaftliche Arbeiten, systemische Experimente&#8230;), \u00d6kologisierungen des Rezeptionsverhaltens (also das Er- und Anerkennen von Nachbarschaftsverh\u00e4ltnissen) nicht praktiziert, den Einsatz von Komplexit\u00e4ten in der Produktion, Pr\u00e4sentation oder auch in der Rezeption r\u00fcckg\u00e4ngig macht, stattdessen wieder ganz auf den Einsatz von \u201edead ends\u201c zielt und damit hinter bereits erarbeiteten Perspektiven zur\u00fcckf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Text: Birte Kleine-Benne<br \/>\nFotos: Erwin Liedke<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/47e49b1ae3b641a19effcf83fe1c201b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist im Konjunktiv II verfasst. Es h\u00e4tte sich, wie programmatisch von dem k\u00fcnstlerischen Leiter der documenta 14 Adam Szymczyk (gemeinsam mit weiteren 15 Kuratoren&nbsp;geplant und) im Oktober 2014 in der Kunsthochschule Kassel angek\u00fcndigt wurde, um eine kuratorische Variante der Dekolonialisierung von neokolonialen und neoliberalen Haltungen, von Kunstgro\u00dfausstellungen und damit des Kunstbetriebs, von &hellip; <a href=\"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2517\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ein gescheiterter documenta-De-Kolonialisierungs-Versuch<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,3,4],"tags":[321,323,322],"class_list":["post-2517","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artallgemein","category-artist","category-artservice","tag-documenta14","tag-kassel","tag-von-athen-lernen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2517"}],"version-history":[{"count":36,"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2517\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3582,"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2517\/revisions\/3582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}