{"id":22,"date":"2007-03-22T01:12:16","date_gmt":"2007-03-21T23:12:16","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=22"},"modified":"2021-06-16T15:55:23","modified_gmt":"2021-06-16T14:55:23","slug":"urheberrecht-schutz-oder-hemmnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=22","title":{"rendered":"Urheberrecht: Schutz oder Hemmnis?"},"content":{"rendered":"<p><b>Podiumsdiskussion Kunst und Urheberrecht, 17.November 2006, Akademie der K\u00fcnste Berlin.<\/b><\/p>\n<p>Unter dem Link <a href=\"http:\/\/artwarez.org\/static\/audio\/adk.mp3\">http:\/\/artwarez.org\/static\/audio\/adk.mp3<\/a> ist nun der Audio-Mitschnitt der veranstaltung zu finden, auf der die Netzk\u00fcnstlerin <a href=\"http:\/\/www.obn.org\">Cornelia Sollfrank<\/a>, die kuratorin Alexandra Strueven (Kuratorin <a href=\"http:\/\/www.artmbassy.com\">artMbassy<\/a>), der Philosoph Eberhard Ortland (Research Fellow des <a href=\"http:\/\/www.ifk.ac.at\">IFK Wien<\/a> und der Pr\u00e4sident der <a href=\"http:\/\/www.adk.de\">Akademie<\/a>, K\u00fcnstler und Jurist <a href=\"http:\/\/www.klaus-staeck.de\">Klaus Staeck<\/a>, moderiert durch den Rechtsanwalt <a href=\"http:\/\/dtb-rechtsanwaelte.de\/index.php\/de\/partner\/pascal-decker\">Pascal Decker<\/a> diskutierten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst unternahm Alexandra Strueven einen Kurzexkurs in die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Appropriation_art\">Appropriation Art <\/a> der achtziger Jahre, insbesondere in das k\u00fcnstlerische Schaffen <a href=\"http:\/\/www.artnet.de\/artist\/553025\/mike-bidlo.html\">mike bidlos<\/a> und bezog eindeutig Stellung, sch\u00f6pferische Prozesse nicht durch rechtliche Risiken zu l\u00e4hmen. Hierf\u00fcr zitierte sie Mauricio Catelan:<br \/>\n&#8222;Am Ende sind wir alle Teile desselben Verdauungssystems und jeder von uns konsumiert Bilder und Ideen so, wie es ihm gef\u00e4llt und spuckt sie hinterher vollst\u00e4ndig und transformiert wieder aus.&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eberhard Ortland wies auf die Ergebnisse des sog. Autorenspiels hin, im Rahmen dessen 1. geistige Eigentumsanspr\u00fcche an Werke begr\u00fcndet werden, 2. Kontexte hergestellt und 3. Kontexte abgegrenzt werden. Historisch betrachtet sei heute in der rechtlichen Praxis eine zunehmende Ausdehnung des Urheberschutzes zu beobachten, der Bereich des M\u00f6glichen habe sich verengt, das m\u00f6glich Monopolisierbare durch den Urheber habe sich entsprechend geweitet.<\/p>\n<p>Cornelia Sollfrank er\u00f6ffnete mit der Beobachtung, dass das Thema Urheberrecht ein augenscheinlich sehr emotional Aufgeladenes sei und machte hierf\u00fcr prim\u00e4r Glaubensfragen verantwortlich: Grunds\u00e4tzlichkeiten des verwendeten Kunstbegriffes und der Definition von Werk und Autorenschaft. Das Urheberrecht sch\u00e4tze sie im Bereich der bildenden Kunst als eher kontraproduktiv ein, daher begibt sie sich (etwa mit ihrem <a href=\"http:\/\/nag.iap.de\/?ac=create\u00e3\u20ac\u02c6=de\">Net.Art-Generator<\/a>) auf die Suche nach k\u00fcnstlerischen Erfindungen, die sie mit ihrem kreativen Schaffen gegen\u00fcber der juristischen Regelung von Eigentumsverh\u00e4ltnissen in einen Vorsprung versetze. Schlicht aus dem Grunde, da Juristen diese mit ihren Werkzeugen nicht greifen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Klaus Staeck, K\u00fcnstler, Jurist und Hausherr in Personalunion, berichtete von seinen Erfahrungen mit dem juristischen System: Von seinen 41 juristischen Verfahren mit Streitwerten um die 300.000,- DM, die er wenn auch erfolgreich hat durchstehen m\u00fcssen, von seinen Argumentationsrekursen vor Gericht auf die in Deutschland im Vergleich zur Kunstfreiheit sehr weit ausgelegte Meinungsfreiheit, von der zu beobachtenden Unsensibilit\u00e4t deutscher Richter, f\u00fcr die lediglich ein van Gogh als Kunst gilt und von der CDU-Plakatkampagne, die Staeck als h\u00f6chste Form k\u00fcnstlerischen Infiltrierens als seine Arbeit deklarierte.<\/p>\n<p>Die anschlie\u00dfende Diskusssion mit Publikumsbeteiligung verdeutlichte die Heterogenit\u00e4t und Spannweite der aktuellen Perspektiven und Positionen:<br \/>\nSollfrank sah den Schwerpunkt nicht in der \u00c4nderung des Urheberechts, sondern in systeminternen Kunstdiskussionen (Was will der Markt? Was l\u00e4sst er zu? Was akzeptiert der Kunstbetrieb? etc.), da letztlich auch die Gerichte wiederum auf Gutachten von Experten zur\u00fcckgreifen. Ausserdem sei Rechtssicherheit eine lokale Frage, Urheberrecht w\u00fcrde in Asien etwas komplett Anderes bedeuten als in Europa oder Amerika. Staeck pl\u00e4dierte daf\u00fcr, die Frage danach, ob etwas Kunst sei, offen zu halten, alles Andere w\u00e4re &#8222;Museum&#8220;. Ortland machte darauf aufmerksam, dass gesellschaftliche, unter Marktteilnehmern stattfindende Kommunikationsprozesse und eben nicht wissenschaftliche Definitionen oder k\u00fcnstlerische Manifeste definieren w\u00fcrden, was Kunst sei und was nicht. Vereinzelte Stimmen aus dem Publikum wiesen zu Recht darauf hin, dass die aktuelle Urheberechtsdiskussion an der Realit\u00e4t vorbeiliefe und insbsondere die digitalen und technischen M\u00f6glichkeiten \u00fcbersehen werden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Offizieller Ank\u00fcndigungstext:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/kunst-blog.com\/show.php?exhibit=183\">http:\/\/kunst-blog.com\/show.php?exhibit=183<\/a><br \/>\nBesprechung auf Artnet:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.artnet.de\/magazine\/news\/huttenlauch\/huttenlauch11-22-06.asp\">http:\/\/www.artnet.de\/magazine\/news\/huttenlauch\/huttenlauch11-22-06.asp<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/3323be0c94dc4837bda5fd5cd8f66c92\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Podiumsdiskussion Kunst und Urheberrecht, 17.November 2006, Akademie der K\u00fcnste Berlin. 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