{"id":2159,"date":"2016-02-02T22:56:17","date_gmt":"2016-02-02T21:56:17","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2159"},"modified":"2021-06-16T14:25:53","modified_gmt":"2021-06-16T13:25:53","slug":"lehrstunde-der-hagiographie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2159","title":{"rendered":"Lehrst\u00fcck der Hagiographie"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Philosophie sei mit der De-Heroisierung entstanden, als die G\u00f6tter gegangen seien. Nun werden die Philosophen als G\u00f6tter pr\u00e4sentiert.<\/b><\/p>\n<p>Die Anmoderation des Gespr\u00e4chs von Alain Badiou und Jean-Luc Nancy durch Alexander Garc\u00eda D\u00fcttmann stellte es als bemerkenswert heraus: Nicht in der Philosophie oder in einer philosophischen Fakult\u00e4t w\u00fcrde diese erste Begegnung beider franz\u00f6sischer Philosophen stattfinden, sondern mit der UdK an einer Kunstakademie \u2013 zu erg\u00e4nzen ist: initiiert durch das an der Fakult\u00e4t Bildende Kunst situierte Institut f\u00fcr Kunstwissenschaft und \u00c4sthetik.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/AlainBadiou-Jean-LucNancy.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2145\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/AlainBadiou-Jean-LucNancy.jpg\" alt=\"AlainBadiou+Jean-LucNancy\" width=\"600\" height=\"337\"\/><\/a><\/p>\n<p>Im Rahmen der zwei-t\u00e4gigen Konferenz &#8222;<a href=\"https:\/\/www.udk-berlin.de\/universitaet\/kooperationen\/kulturinstitutionen\/institut-francais\/\">Badiou and The Presence of Philosophy. Crossing the French-German Border<\/a>&#8220; am 29. und 30.1.2016&nbsp;fand am Abend des ersten Konferenztages die Begegnung beider Philosophen statt, die im <a href=\"https:\/\/www.udk-berlin.de\/kalender\/detailansicht\/calendar\/show\/badiou-and-the-presence-of-philosophy-crossing-the-french-german-border-1\/\">Konferenzprogramm<\/a> als &#8222;Debatte&#8220; angek\u00fcndigt wurde, aber damit dann doch&nbsp;mehr \u00fcber die Initiatoren und \u00fcber die &#8222;French-German Border&#8220; aussagte: Badiou, Jhg. 1937, Prof. em. f\u00fcr Philosophie der&nbsp;<span class=\"Apple-style-span\"><a title=\"Universit\u00e4t Paris VIII\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Universit%C3%A4t_Paris_VIII\">Universit\u00e4t Paris VIII<\/a>,&nbsp;<\/span>und Nancy, Jhg. 1940. Prof. em. f\u00fcr Philosophie der&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Universit%C3%A4t_Stra%C3%9Fburg\">Universit\u00e9 Marc Bloch<\/a>&nbsp;Stra\u00dfburg,&nbsp;verwoben sich in&nbsp;einen feinsinnigen, geistreichen, humorvollen und wortgewandten Dialog auf franz\u00f6sisch, ohne sich ihre Differenzen zu nehmen, ganz im Gegenteil: Ihr Gespr\u00e4ch fiel inhaltlich nicht wenig kontr\u00e4r aus, stie\u00df aber bei beiden auf Wohlwollen, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Neugierde am Anderen. Ein Paradebeispiel, wie &#8222;diff\u00e9rance&#8220; konstitutiv und integrativ statt hemmend und erschwerend stattfindet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die B\u00fchne&nbsp;steckte&nbsp;<a href=\"http:\/\/webarchiv.udk-berlin.de\/sites\/kuwi\/content\/lehre\/wissenschaftliche_mitarbeiter_innen\/dr_jan_voelker\/index_ger.html\">Jan V\u00f6lker<\/a> mit hermeneutischen, historisch-philosophischen Fragen ab, die beiden G\u00e4sten vorab augenscheinlich&nbsp;bekannt waren: Was sie \u00fcber die deutsch-franz\u00f6sische Philosophiegeschichte zu sagen h\u00e4tten, wie sie zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Immanuel_Kant\">Kant<\/a> st\u00fcnden (Nancy h\u00e4tte \u00fcber Kant promoviert, Badiou lehne ihn ab), wie viel System f\u00fcr <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel\">Hegels<\/a> Negativit\u00e4t notwendig sei, ob <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Marx\">Marx<\/a> in der Philosophie eine interne Differenz sei, und zu guter Letzt rangen ihm beide Philosophen nach knapp zwei Stunden noch die Frage zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Heidegger\">Heidegger<\/a> ab, wie seine&nbsp;Philosophie, angesichts dessen, dass er Nazi war, zu bewerten sei. (Einige Gedanken hierzu&nbsp;hatte Nancy bereits am Vorabend im Berliner HAU <a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2146\">ge\u00e4ussert<\/a>.)<\/p>\n<p>Durch diese Fragen strukturiert entwickelte sich zwischen Badiou und Nancy ein &#8222;Tanz&#8220; mit Soloeinlagen, in denen sie zun\u00e4chst ihre eigenen Positionen darlegten, sich danach auf die bisherigen Ausf\u00fchrungen des anderen bezogen, Differenzen herausarbeiten, Gemeinsamkeiten benannten, eigene Denkfehler und die des anderen diagnostizierten (und eingestanden), Arbeitsweisen zuordneten, zusammengefasst charmant parlierten* und damit ihre Antwort gaben auf die im Titel der Konferenz behauptete franz\u00f6sisch-deutsche Grenze:<\/p>\n<p>&#8211; <b>Badiou<\/b>, der Philosophiegeschichte diskontinuierlich denkt, als eine Aneinanderreihung philosophischer Momente, Kontinuit\u00e4t dabei als eine akademische Vorstellung ansieht; der uns gerade jetzt mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jacques_Derrida\">Derrida<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean-Fran\u00e7ois_Lyotard\">Lyotard<\/a> und der Stra\u00dfburger Schule am Ende eines deutsch-franz\u00f6sischen Moments der Philosophiegeschichte sieht;&nbsp;der eine Fusion des alten Frankreichs, erdr\u00fcckt von seiner Geschichte mit Deutschland vorschl\u00e4gt, das seit jeher nicht wisse, was es sei; der die Zukunft&nbsp;der Philosophie von der Jugend abh\u00e4ngig meint; der Kant nicht sehr mag, weder sein&nbsp;Motiv der Grenzen der Vernunft oder den kategorischen Imperativ und dessen Universalit\u00e4t des Handelns noch den Unterschied zwischen sch\u00f6n und erhaben oder seine obsessionellen Zwangsvorstellungen; der im Gegensatz zu Kant keine Grenzen des Erkennens annimmt (&#8222;es gibt nichts Unerkennbares&#8220;), was nicht bedeutet, dass das Erkennen v\u00f6llig entfaltet sei; der auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Platon\">Platon<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Descartes\">Descartes<\/a> und Hegel schw\u00f6rt (&#8222;Das sind meine drei Philosophen.&#8220;); der sich selbst lange Zeit als Hegelianer verstand und dessen Bewegung, Transition, \u00dcbergang, Lesart von Geschichte, Narration, Engagement, Missachtung f\u00fcr die Herrschenden bewundert, Hegel sei ein Roman mit spannenden Passagen und Irrt\u00fcmern; der f\u00fcr sich eine naivere Lesart der Philosophie als Nancy reklamiert und die Philosophie ernster nehme; der Schwierigkeiten hat, Marx (wie auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sigmund_Freud\">Freud<\/a>) als Philosophen zu beschreiben, ihn eher als politische Figur versteht, der anders als die Philosophie nicht eine Interpretation, sondern eine Ver\u00e4nderung der Welt in den Blick nimmt, dabei der Philosophie aber mit seiner wenn auch skizzenhaft marxistischen Anthropologie gut getan h\u00e4tte; der die Philosophie mit der Mathematik in Verbindung sieht, denn beide seien entstanden, als zivilisationshistorisch fortan Aussagen zu argumentieren waren; der die Aufgabe der Philosophie darin sieht, rationale Protokolle zu finden, damit der Tod der G\u00f6tter die Menschheit nicht mit Trauer vergiftet; der an Heidegger trotz seines Antisemitismus und seines beschr\u00e4nkten Kleingeistes sch\u00e4tzt, dass er das Sein in die Gegenwart gebracht h\u00e4tte und hier\u00fcber hinaus gegangen sei; der mit Heidegger erkannt h\u00e4tte, dass das Dasein die Multiplizit\u00e4t von allem, was passiert, sei.<\/p>\n<p>&#8211; <b>Nancy<\/b>, der nach dem 2. Weltkrieg die franz\u00f6sische durch die deutsche Philosophie inspiriert sieht; der in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich keinen Anlass zu Revolutionen sah, Deutschland sich au\u00dferdem nicht das Recht zugestand, den Souver\u00e4n zu st\u00fcrzen; der die deutsch-franz\u00f6sische Beziehung nicht ohne England verstehen kann; der in der deutschen Philosophie einen Wechsel des Denkens in die Sprache erkennt; der Kant ein Bewusstsein davon\/dar\u00fcber zuschreibt, dass sein Sagen nicht genug \u00fcberein stimme, mit dem, was er sagen will; der in Kant den Ersten sieht, der sagt, dass die Vernunft von einem Trieb getrieben sei, getrieben zum Bedingungslosen; der in Kant den ersten Existentialisten sieht, denn &#8222;das Ding existiert!&#8220; &#8222;C&#8217;est la!&#8220;; der mit Kant das erste Mal die Frage nach der Wirklichkeit auftauchen sieht, die da ist, gegen die man st\u00f6\u00dft; der den kategorischen Imperativ als Vernunft zu verwandeln versteht; der Kant &#8222;mon Kant&#8220; nennt; der in Hegels Negativit\u00e4t eine Bewegung, weniger ein System sieht, in dem Sinne Hegel eher ein Hypersystem sei; der Hegel f\u00fcr sich und seine Studien&nbsp;sehr&nbsp;sch\u00e4tzt; dem Hegels wie auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling\">Schelling<\/a>s&nbsp;Fragen nach Licht, Fl\u00fcssigkeit, Mineralien und Elementen als einer&nbsp;Philosophie der Natur in der heutigen Philosophie&nbsp;fehlt; der die Philosophie im Sinne <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jacques_Derrida\">Derridas<\/a>&nbsp;als eine Lekt\u00fcre versteht, da wir Nachfolger philosophischer Positionen seien und damit immer angereichert lesen; der bei Hegel eine Freude wahrnimmt, immer in Bewegung zu sein, nicht anzuhalten, sich in Beziehung zu setzen; der von sich selbst nicht wei\u00df, ob er Philosoph sei, denn mit Marx w\u00fcrden Philosophen nicht wie Pilze aus dem Boden schie\u00dfen oder besser nicht vom Himmel fallen; der alle&nbsp;Menschen&nbsp;als das Ergebnis ihrer Epoche versteht; der f\u00fcr sich meint, nicht zu modernisieren, sondern z. B. aus Hegel F\u00e4den weiter zu spinnen; der Marx nicht als Philosoph versteht, weil dieser&nbsp;nicht an das Ende seiner Mittel gegangen sei, der sich aber von einer dringenden Aufgabe hat erfassen lassen: Marx h\u00e4tte den Finger auf etwas gelegt, was dabei war, zu verklemmen; der den Anfang der Philosophie in&nbsp;dem Weggang der G\u00f6tter sieht und hiermit&nbsp;eine Zivilisations\u00e4nderung beobachtet; der mit Heidegger, obwohl dieser ein Nazi, ein Parteimitglied, ein Obernazi, ein Archefaschist war, etwas angek\u00fcndigt sieht, in dem wir uns derzeit befinden: in der Frage zur Technik, die die letzte Schlacht der Menschen sei; der allerdings nicht versteht, wie Heidegger vom Substantiv &#8218;Dasein&#8216; sprechen konnte, obwohl es f\u00fcr Heidegger selbst ein transitives Verb war; der mit Derrida den Ton der Philosophie ge\u00e4ndert sieht: Bedeutung ist nicht gegeben, sondern Bedeutung wird verliehen.<\/p>\n<p>Von der offenbar konzeptionellen Entscheidung, die beiden G\u00e4ste&nbsp;anhand vorgegebener philosophischer Positionen denken zu lassen, wurde leider nicht abgewichen. Die situativ einzigartigen Momenten, in denen sich Nachfragen zur Aktualit\u00e4t aufdr\u00e4ngten, in denen es sich aufdr\u00e4ngte, beide um ihre Perspektiven&nbsp;als politisch orientierte und engagierte Zeitgenossen zu bitten (Badiou ist Mitbegr\u00fcnder der <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Organisation_politique\">Organisation politique<\/a>, Nancy ist gemeinsam mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philippe_Lacoue-Labarthe\">Lacoue-Labarthe<\/a>&nbsp;Begr\u00fcnder des&nbsp;<span class=\"Apple-style-span\">Centre de Recherches Philosophiques sur la politique),<\/span>&nbsp;vergingen ungenutzt:<\/p>\n<p>Wie st\u00fcnde f\u00fcr Badiou eine Fusion von Frankreich und Deutschland als &#8222;Mythos f\u00fcr die Zukunft&#8220; zu dem Konzept Europas? Und wie das Konzept des sog. Frexit? Wie verst\u00fcnde Nancy die Haltung Deutschlands angesichts von Griechenlandkrise und&nbsp;Fl\u00fcchtlingskrise, wenn er Deutschland eine Ohnmacht und eine Furcht zuschreibt, den Souver\u00e4n zu st\u00fcrzen? Welche Rolle spielt England und die Idee des Brexit? Wie w\u00e4re f\u00fcr Badiou der Unterschied sozial-gesellschaftlich paradigmatisch nutzbar, wenn er&nbsp;Kant obsessionell und sich&nbsp;paranoisch beschreibt? Kann Kants Motiv der Grenzen &nbsp;f\u00fcr die aktuelle Debatte um Obergrenzen, Binnengrenzen, Au\u00dfengrenzen, Grenzkontrollen, Grenzpolitik\u2026&nbsp;mobilisiert werden? Wie k\u00f6nnen wir heute angesichts unserer Skepsis gegen\u00fcber der Totalit\u00e4t mit dem universellen Gesetz des kategorischen Imperativs umgehen? Wie w\u00e4re die von Badiou bei Hegel beobachtete Philosophie der Bewegung, des Werdegangs, der Etappen gegen\/f\u00fcr (?) das&nbsp;aktuelle Zeitalter der Krisen zu aktualisieren? Wenn wir uns heute mit Badiou&nbsp;in einer vergleichbaren Phase aufhalten, bevor Marx das Manifest geschrieben hat, wie w\u00e4re das Heute genauer zu bestimmen? Was w\u00e4re f\u00fcr die Gegenwart von Marx zu lernen, der sich von einer dringenden Aufgabe an einem kritischen Punkt der Geschichte hat erfassen lassen? Wie s\u00e4hen beide ihre M\u00f6glichkeiten als politisch und politisch links Engagierte? Wie s\u00e4he das Interventionspotential des K\u00fcnstlerischen aus? Wenn die Philosophie mit dem Weggang der G\u00f6tter entstanden ist, wie f\u00e4nde Badiou eine Konferenz, die ihn in ihr Zentrum des Themas, des Denkens, der Positionen, des Titels setzt? Wenn Griechenland die Geburt von Mathematik und Philosophie ist, wie w\u00e4re die Griechenlandkrise deutbar? Wie kann, und zwar nicht auf das Beispiel Heideggers beschr\u00e4nkt, sondern etwa um&nbsp;Bernard-Henri L\u00e9vy oder Alain Finkielkraut erweitert, eine philosophische Geste nicht mit der philosophischen Pers\u00f6nlichkeit \u00fcberein gebracht werden? Oder anders gefragt, wie kann Philosophie nicht in existentieller Relevanz gedacht werden?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2016_Nancy_Badiou1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2164\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/2016_Nancy_Badiou1.jpg\" alt=\"2016_Nancy_Badiou\" width=\"280\" height=\"398\"\/><\/a><\/p>\n<p>Hier wiesen sich die Initiatoren des Abends weniger als Gastgeber einer Kunstuniversit\u00e4t, denn als klassische, im universit\u00e4ren Betrieb institutionalisierte Wissenschaftler&nbsp;aus, die den Kontext beschr\u00e4nkten und die Aktualit\u00e4t au\u00dfen vor lie\u00dfen, die Philosophie als Lekt\u00fcrepraxis praktizierten&nbsp;und die existentielle Relevanz des Denkens und des Philosophierens nicht riskierten. So blieb von dem Genius Loci der Kunstuniversit\u00e4t weniger ein thematischer, als ein durch das Plakat der Konferenz vermittelter Eindruck des Vorl\u00e4ufigen, Collagierten, noch Unvern\u00e4hten, sich im Arbeitsprozess Befindlichen. Hierf\u00fcr dienten Texte von Badiou (Pornographie der Gegenwart, 2014, und Die kommunistische Hypothese, 2011), die in einem&nbsp;Akt des fortgesetzten und fortzusetzenden&nbsp;Schreibens aufgesetzt und in &#8222;Handarbeit&#8220; mit&nbsp;organisatorischen Hinweisen zur Konferenz angereichert collagiert wurde (Konzept und Umsetzung:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.udk-berlin.de\/personen\/detailansicht\/person\/mark-lammert-1\/\">Mark Lammert<\/a>).&nbsp;Und es&nbsp;blieb ein somatischer Eindruck, der (visuell) allerdings mehr an die 70er Jahre erinnerte, als&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Beuys\">Joseph Beuys<\/a>&nbsp;sich gemeinsam mit seinen Studierenden an den Strukturen des Bildungssystems&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Beuys#Politische_Aktivit.C3.A4ten\">abarbeitete<\/a>: Nicht weniger als 400 Menschen, viele davon Studierende und&nbsp;ehemalige Studierende der UdK, dr\u00e4ngelten sich in dem einzigen H\u00f6rsaal der Universit\u00e4t der K\u00fcnste, in der Hardenbergstra\u00dfe 33. An den W\u00e4nden, auf den Fu\u00dfb\u00f6den, neben dem Podium, in den offen stehenden T\u00fcren dr\u00e4ngten sich die Zuh\u00f6rer, die dem Gespr\u00e4ch zwischen Badiou und Nancy folgen wollten. Allerdings anerkannten sie das vorgegebene Format einer abgeschlossenen Gespr\u00e4chsrunde und lie\u00dfen f\u00fcr fast zweieinhalb Stunden Krisen Krisen sein.<\/p>\n<p>*O-T\u00f6ne sind in dem &#8222;<a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/sein-und-streit-die-ganze-sendung-das-denken-entsichern.2162.de.html?dram%3Aarticle_id=344145\">Bericht<\/a> von der Internationalen Badiou-Konferenz&#8220; von Jochen St\u00f6ckmann auf Deutschlandradio Kultur nachzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/efdcbc785dad4396b364f08c43c427b6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Philosophie sei mit der De-Heroisierung entstanden, als die G\u00f6tter gegangen seien. 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