{"id":2045,"date":"2015-12-09T22:29:46","date_gmt":"2015-12-09T21:29:46","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2045"},"modified":"2021-06-16T14:57:25","modified_gmt":"2021-06-16T13:57:25","slug":"statt-furios-sperrig-galaesk-smart-vorschlaege-zum-27-jubilaeum-von-texte-zur-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=2045","title":{"rendered":"Statt &#8222;furios sperrig&#8220;* galaesk smart \u2013 Vorschl\u00e4ge zum 27. Jubil\u00e4um von Texte zur Kunst"},"content":{"rendered":"<p>Irgendwann im Laufe des fr\u00fchen Abends, zu Beginn von Teil 3 der &#8222;Gala Conference&#8220;, fragte ich mich, wie wohl <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ren\u00e9_Pollesch\">Ren\u00e9 Pollesch<\/a> das 25. Jubil\u00e4um von <a href=\"https:\/\/www.textezurkunst.de\/\">Texte zur Kunst<\/a> inszeniert h\u00e4tte und mit welchen inszenatorischen Mitteln ihm die unfreiwillige Situationskomik des Finales auf der B\u00fchne des <a href=\"https:\/\/www.berlinerfestspiele.de\">Berliner Festspielhauses<\/a> gelungen w\u00e4re. Sp\u00e4testens da war meine Verwunderung \u00fcber den dominierend affirmativen Umgang der eingeladenen ReferentInnen mit der Geste einer Selbsterm\u00e4chtigung &#8222;des Kanons&#8220; durch die GastgeberInnen (<a href=\"https:\/\/www.textezurkunst.de\/100\/\">&#8222;The Canon&#8220;<\/a>, so das Thema der 100. Jubili\u00e4umsausgabe) auf eine Beobachtung&nbsp;der inszenatorischen Mittel dieses Nachmittagabends (von 14 bis 19:45 Uhr) am 27. November 2015 verschoben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/TexteZurKunst25_TheCanon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2044\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/TexteZurKunst25_TheCanon.jpg\" alt=\"TexteZurKunst25_TheCanon\" width=\"280\" height=\"400\"\/><\/a><\/p>\n<p>Pollesch h\u00e4tte die Kunstprofessorin Michaela Meise am Akkordeon mit einer deutschsprachigen \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mikis_Theodorakis\">Mikis-Theodorakis<\/a>-Songs \u00fcber Arbeitslosigkeit nicht melancholischer&nbsp;auf die B\u00fchne bringen k\u00f6nnen. Er h\u00e4tte auch den Conferencier des Abends in ein Glittersakko gesteckt (gro\u00dfartig in der Rolle des Flie\u00dfbandmoderators <a href=\"https:\/\/kunsthist.unibas.ch\/seminar\/personen\/profil\/portrait\/?tx_x4epersdb_pi1%5BshowUid%5D=174&amp;cHash=9d0803f15f\">Andreas Beyer<\/a>, Professor f\u00fcr Kunstgeschichte in Basel) und er h\u00e4tte auch versuchen k\u00f6nnen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dirk_von_Lowtzow\">Dirk von Lowtzow<\/a>, S\u00e4nger bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tocotronic\">Tocotronic<\/a>&nbsp;und redaktionelles Beiratsmitglied von TzK, die Rolle eines sentimental smarten Singersongwriters abzuringen. Selbst das zumeist jugendliche Publikum performierte sich als <a href=\"http:\/\/www.volksbuehne-berlin.de\/\">Volksb\u00fchne<\/a>npublikum, das sich unisono verlachte, als sei die Performance des st\u00f6rrischen, unangepassten, spr\u00f6den Poems &#8222;Words are people&#8220; von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Holmqvist\">Karl Holmqvist<\/a> Comedy. Und am Ende stand ein Gruppenbild aller Akteure der Konferenz: &#8222;Lets dance together here on stage in 2 hours&#8230; Please be back after a break&#8220;, rief <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Isabelle_Graw\">Isabelle Graw<\/a>, Herausgeberin und Autorin von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Texte_zur_Kunst\">TzK<\/a>, in den gef\u00fcllten, komplett verdunkelten Saal. Vermutlich h\u00e4tte Pollesch nur die \u00d6ffnung des gro\u00dfen Saales&nbsp;im Berliner Festspielhaus um 14 Uhr mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Madonna_(K\u00fcnstlerin)\">Madonnas<\/a> &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Celebration_(Madonna_song)\">Celebration<\/a>&#8220; als endless loop offensiv als Karaoke oder als Polonaise aller Beteiligten inszeniert: &#8222;Come join the party, yeah, Coz&#8216; everybody just won&#8217;t do. Let&#8217;s get this started, yeah, Coz&#8216; everybody wants to party with you.&#8220; Vielleicht h\u00e4tte er auch f\u00fcr die GastgeberInnen eine Loge im Stil eines <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Panopticon\">Foucaultschen Panoptikons<\/a>&nbsp;(wie Ende 2014 die &#8222;<a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=1658\">Liebeslaube<\/a>&#8220; von <a href=\"http:\/\/www.gregor-schneider.de\/\">Gregor Schneider<\/a> im Rang der Volksb\u00fchne) bauen lassen, in der die Geburtstagsgr\u00fc\u00dfe (unsichtbar) in Empfang h\u00e4tten genommen werden k\u00f6nnen. Gleich mehrfach lagen die&nbsp;legend\u00e4r gehauchten &#8222;Happy Birthday&#8220;-Gr\u00fc\u00dfe, wenn auch ironisch gebrochen, in der Luft\u2026<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Gala-Konferenz&#8220; &#8211; die Formaterfindung der Stunde? &#8218;Gala\u2018, so machte Graw eingangs klar, stehe semantisch f\u00fcr die Celebrity Prinzipien, wie sie die Zeitschrift <a href=\"http:\/\/www.gala.de\/\">Gala<\/a> praktiziert und wie sie, so Graw, zunehmend auch&nbsp;im Kunstbetrieb zu finden seien. &#8218;Gala\u2018 stehe auch f\u00fcr eine festlich elegante Feier sowie als Referenz f\u00fcr <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gala_\u00c9luard_Dal%C3%AD\">Gala \u00c8luard Dal\u00ed<\/a>, die &#8222;bekannte Muse des 20. Jahrhunderts&#8220;. Nun eine smarte Performanz-Variante f\u00fcr Konferenzen? Ein Anschlussformat f\u00fcr feierfreudige Theorie(un)willige? Die Geburt eines neuen Theorie-Vermittlungsformats? Mit Madonna als Chiffre der Neuerfindung und Garantin f\u00fcr Greatest Hits? Wobei hier zu fragen w\u00e4re, ob es TzK gelungen sein soll, sich mit jeder der 100 Ausgaben inmitten der kanonischen Kunstgeschichte selbst als Kanon neu erfunden zu haben oder ob just now mit einer geschmeidigen Charmeoffensive an die n\u00e4chste Generation eine Neuerfindung von TzK in Gang gesetzt werden soll\u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/TexteZurKunst25_Conferencier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2040\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/TexteZurKunst25_Conferencier.jpg\" alt=\"TexteZurKunst25_Conferencier\" width=\"600\" height=\"337\"\/><\/a><\/p>\n<p>Vor 25 Jahren gr\u00fcndeten der Kunsthistoriker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stefan_Germer\">Stefan Germer<\/a>, Jhg. 1958, und die Politologin Isabelle Graw, Jhg. 1962, in K\u00f6ln das Magazin mit dem schn\u00f6rkellos pragmatischen Titel &#8222;Texte zur Kunst&#8220;, nach dem Vorbild der amerikanischen Kunst-Zeitschrift &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/October_(journal)\">October<\/a>&#8222;, programmatisch benannt nach Sergej Eisensteins Film &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/October:_Ten_Days_That_Shook_the_World\">October: Ten Days that Shook the World<\/a>&#8220; von 1928 \u00fcber die einschneidenden Ereignisse der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oktoberrevolution\">Oktoberrevolution<\/a> 1917 in Russland. &#8222;October&#8220; ist seither mit seinen Autoren Rosalind Krauss, Douglas Crimp, Hal Foster, Benjamin Buchloh, Yve-Alain Bois, Denis Holler\u2026 das sog. Zentralorgan f\u00fcr die Kritik zeitgen\u00f6ssischer Kunst und popul\u00e4rer Kultur. Die (noch zu schreibende) 25-j\u00e4hrige Geschichte von TzK erz\u00e4hlt also auch die Geschichte eines transatlantischen Ideen- und Theorieimports in die deutschsprachige Kunsttheorie (wobei TzK selbst mittlerweile bilingual erscheint und die Gala-Konferenz bis auf zwei Ausnahmen in englischer Sprache stattfand).<\/p>\n<p>Mit Social History, Genderstudies, Poststrukturalismus, Feldtheorie, Diskursanalyse, Dekonstruktion und Psychoanalyse starteten die Initiatoren ihren Angriff auf den Kanon der akademischen Kunstgeschichte und deren traditioneller Ausrichtung auf eine historisch-kulturell orientierte Ikonologie und formal-\u00e4sthetisch gepr\u00e4gte Ph\u00e4nomenologie. Begriffe wie Apparat, Macht, Feld, Kontext, Betrieb, Diskurs, Institution und Kritik wiesen den franz\u00f6sischen Soziologen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pierre_Bourdieu\">Pierre Bourdieu<\/a>, den \u201eTransparentmacher von Produktionsbedingungen\u201c von Kunst, als Haustheoretiker aus und eine Vielzahl von K\u00fcnstlern wie Mark Dion, Andrea Fraser, Ren\u00e9e Green, Thomas Locher und Christian Philipp M\u00fcller wurden zu K\u00fcnstlern des Hauses und zwar in Form eines Untersuchungsgegenstands, als Autoren des Magazin und als Editionslieferanten \u2013 K\u00fcnstler, die in den 90er Jahren parallel zur Redaktionsarbeit in der <a href=\"http:\/\/nagel-draxler.de\/city\/koeln\/\">Galerie Nagel<\/a> ausgestellt wurden, mit der sich TzK das Geb\u00e4ude, die Telefone und offenbar&nbsp;auch die Kunst teilte. Generationen von Kunstgeschichtsstudierenden k\u00f6nnen seither mit Texte zur Kunst sozialisiert sein, der Vorwurf des hermetischen Abschlusses inkl. Exklusionsma\u00dfnahmen durch &#8222;Cliquesierung&#8220; und der Instrumentalisierung von Kunst f\u00fcr angesagte Theorien war\/ist seither ebenso existent wie Stolz, Freude und Begeisterung, AutorIn von\/f\u00fcr TzK zu sein, die sich in der W\u00e4hrung &#8222;Fame&#8220; aggregier(t)en.<\/p>\n<p>Allerdings machte sich auch schon fr\u00fchzeitig ein Verdacht bemerkbar: Arbeiten die &#8222;<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5252126\">glorreichen Entmystifizierer<\/a>&#8220; an ihrem eigenen Mythos? Vergessen sie bei aller Dekonstruktion der Produktionsbedingungen, der Geschlechterordnungen, der Betriebsverh\u00e4ltnisse die Dekonstruktion der eigenen Pr\u00e4missen? Wie steht es um die Einf\u00fchrung von Selbstreferenz als operationalem Akt? Wie um die Beobachtung der eigenen Ausschlie\u00dfungen? Wie um die eigenen blinden Flecke? Wie um eine Institutionskritik der eigenen Institution? Wie um die poetische Wirkkraft der Kunstkritik? Wie um die kritische \u00dcberpr\u00fcfung der Kritik selbst? Wie um die Pr\u00e4misse, zeitgen\u00f6ssische Kunst eigne sich als Ressource der Kritik? Stand der hier veranschlagte und immanent transportierte Kunstbegriff je zur Debatte? Oder wurde er von Adorno durchgereicht, inkl. der Unsichtbarkeit der Pr\u00e4missen? Warum wird aus der Position der selbst verliehenen Legitimation, der Autorit\u00e4t einer Institution, der inhaltlichen Richtigkeit und der moralischen Integrit\u00e4t argumentiert? Wie gestaltet sich das Verh\u00e4tnis von Be- zu Entgrenzung, von Ver- zu Entmachtung, von Ver- zu Entfaltung? Und wie steht es um ausgeblendete (technologische, digitale, mediale) Themen?<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund zeigt sich nun mit der 100. Ausgabe und der Jubil\u00e4umskonferenz eine eigenwillige Operation: 1990 angetreten als Stimme, die klassische Kunstgeschichte um weitere Perspektivierungen jenseits von Stilgeschichte, Hagiographie und Ikonologie anzureichern, proklamiert TzK nun 25 Jahre sp\u00e4ter mit ihrer 100. Ausgabe &#8222;The Canon&#8220;, auf dem Cover in Gro\u00dfbuchstaben: &#8222;THE CANON&#8220;. Eigenwillig insofern, als dass<\/p>\n<ul>\n<li>erstens bisher keine selbstreferentielle Beobachtung vorgenommen wurde,<\/li>\n<li>zweitens nun mittels der Strategie der Appropriation der programmatisch angehalten zu dekonstruierende Kanon f\u00fcr sich selbst in Anspruch genommen wird,<\/li>\n<li>damit drittens nach 25 Jahren eine Umpositionierung, ein Positionswechsel behauptet wird,<\/li>\n<li>viertens dieser Kanon und Positionswechsel in der Geste einer Selbsterm\u00e4chtigung ausgerufen wird,<\/li>\n<li>f\u00fcnftens entgegen aller Dekonstruktions-, Multikulturalisierungs- und Migrations\u00fcberlegungen (es gibt keine Mehrheitsgesellschaft) von &#8222;dem&#8220; Kanon im Singular die Rede ist,<\/li>\n<li>hier sechstens eine Hagiografie vom Gegen- zum Kanon zu erz\u00e4hlen versucht wird, diese aber einen bezeichnenden Moment der Unbestimmtheit tr\u00e4gt, da&nbsp;sie grafisch mit der 100. Ausgabe auf dem Konterfei des Modernismusapologeten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clement_Greenberg\">Clement Greenberg<\/a> stattfindet, f\u00fcr die das Cover der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.textezurkunst.de\/1\/vorwort-2\/\">1. Ausgabe von 1990<\/a> nun in schwarz-weiss, leicht gezoomt und angeschr\u00e4gt zum Einsatz kommt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>War das \u00fcber sechs Stunden komplett abgedunkelte Publikum im (Kino- weniger im Theater-) Saal mehr als nur ein inszenatorisches Mittel und fand hier eine Ausblendung des Blicks der Anderen, eine Ausblendung des Blicks im Anderen, eine Verhinderung des Austauschs von Blicken, aber auch eine Verhinderung der (notierenden) Reflexion der Anderen statt? (Von diesem verwehrten Blick des\/im\/durch die Anderen erz\u00e4hlt die Geschichte des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Narziss\">Narziss<\/a>, der als Narzisse endete\u2026)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/TexteZurKunst25_Beutel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2039\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/TexteZurKunst25_Beutel.jpg\" alt=\"TexteZurKunst25_Beutel\" width=\"280\" height=\"400\"\/><\/a> <a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/TexteZurKunst25_Schedule.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2038\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/TexteZurKunst25_Schedule.jpg\" alt=\"TexteZurKunst25_Schedule\" width=\"280\" height=\"400\"\/><\/a><\/p>\n<p>Denn obwohl <a href=\"http:\/\/www.hfg-offenbach.de\/de\/people\/juliane-rebentisch\">Juliane Rebentisch<\/a> (Philosophie- und \u00c4sthetikprofessorin in Offenbach und amtierende Pr\u00e4sidentin der <a href=\"http:\/\/www.dgae.de\/\">Deutschen Gesellschaft f\u00fcr \u00c4sthetik<\/a>) gleich eingangs der Gala das Jubil\u00e4umsprojekt &#8218;Kanon&#8216; und zwar als eine unweigerliche Einsicht der InitiatorInnen von TzK theoretisierte und damit auch problematisierte \u2013 von den 25 eingeladenen ReferentInnen unterschiedlicher Generationen nahmen nur wenige G\u00e4ste die Herausforderung an, im Duktus des Kritisierbaren zu &#8222;arbeiten&#8220;: Das Duo <a href=\"http:\/\/www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de\/we07\/institut\/mitarbeiter\/koch\/index.html\">Gertrud Koch<\/a> (Filmwissenschaftlerin an der FU Berlin) \/ <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Garc%C3%ADa_D\u00fcttmann\">Alexander Garcia D\u00fcttmann<\/a> (Professor f\u00fcr Philosphische \u00c4sthetik an der UdK Berlin) probierten sich an einem Kriterienkatalog des Kanons: er sei auslegungsbed\u00fcrftig, \u00e4ndere sich unmerklich merklich, begrenze, f\u00e4nde&nbsp;nachtr\u00e4glich statt, erst wenn sich die Kunst aus dem Staub gemacht hat. Das Trio <a href=\"https:\/\/www.akbild.ac.at\/Portal\/institute\/kunst-und-kulturwissenschaften\/lehrende\/akbild_group.2009-07-16.8134339770\/displayCard?DBID=63f1382cbca241ab45bda5551d2e810b&amp;backurl=https:\/\/www.akbild.ac.at\/Portal\/institute\/kunst-und-kulturwissenschaften\/lehrende\/akbild_group.2009-07-16.8134339770\/group_display\">Sabeth Buchmann<\/a> (Kunstgeschichtsprofessorin in Wien) \/ <a href=\"http:\/\/www.leuphana.de\/universitaet\/personen\/susanne-leeb.html\">Susanne Leeb<\/a> (Kunstprofessorin an der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg) \/ <a href=\"http:\/\/kunsttheorie.uni-ak.ac.at\/mitarbeiterinnen\/helmut-draxler\/\">Helmut Draxler<\/a> (Kunsttheorieprofessor in Wien) wies auf eine &#8222;Kanonparanoia&#8220; im jungen Jahrtausend hin und lieferte mit der Formel &#8218;Kanon = Verflechtung von Wert und Bedeutung&#8216; ein Kalk\u00fcl, den es zu falsifizieren gilt. Auf den technologisch digitalen Kontext&nbsp;gab es nur einen Hinweis, von Paul Feigelfeld (Mitarbeiter des <a href=\"http:\/\/www.leuphana.de\/en\/research-centers\/cdc\/digital-cultures-research-lab.html\">Digital Cultures Research Lab<\/a> der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcnebug), parallel dazu war auf der wei\u00dfen B\u00fchnenleinwand der Sample einer graphit-bombardierenden Waffe zu sehen, die ihre Wolken mit Blickrichtung des Publikums auf eine White-Cube-Wand abfeuerte. Eine Drehung um 180 Grad h\u00e4tte &#8222;uns&#8220; nicht partizipativ, sondern konfrontativ in den Blick nehmen k\u00f6nnen: Macht die Augen auf!, stattdessen ert\u00f6nte der Madonna-Loop: &#8222;Come join the party, yeah.&#8220;<\/p>\n<p>Unzweifelhaft hat TzK die deutschsprachige Kunstgeschichte einer Dekonstruktion unterzogen, dabei aber in ihre Form keine Selbstreferenz und zwar in Form einer Selbstbeobachtung untergebracht. Die Geste der Proklamation des Kanons k\u00f6nnte daher auch weniger als ein Framing, eine Nachtr\u00e4glichkeit, ein \u00dcbermut oder eine Z\u00e4hmung des eigenen Projektes, sondern auch als eine Geste der GastgeberInnen gedeutet werden, TzK offensiv zur Dekonstruktion freizugeben und aufzufordern, das kunstkritische Unternehmen mit Mitteln des methodischen Zugriffs von poststrukturalistischen, diskursanalytischen, feministischen, marxistischen, kunstsoziologischen Verfahren einer Untersuchung zu unterziehen und dabei die Personenstrukturen (Clique, Netzwerk, Freundeskreis), die Themen (Gossip, Berlin, Galeristen), den Finanzbackground (Oetker Holding), die \u00f6konomischen Strukturen (Bezahlung der Autoren, Honorarentwicklung), die W\u00e4hrungen (Fame, Celebrity), die K\u00fcnstlertreue bzw. das Protegieren von K\u00fcnstlern, den Transfer ins akademische Fach Kunstgeschichte,&nbsp;die Besetzung von Professuren durch TzK-Autoren, die Setzung von Themen, die Fixierung von Pr\u00e4missen, die Lancierung von Theorien auf den Markt der Theorien, die Performierung eines Jargons, die kompetitiven K\u00e4mpfe, die freiwillig ausgeschiedenen K\u00fcnstler (Fareed Armaly), kurz, die Narrative, Normative, Imperative, Pr\u00e4missen, \u00d6konomien und Politiken von TzK zu pr\u00fcfen. Diese Pr\u00fcfung w\u00fcrde verhindern, die bisherige Institutionalisierung aus Theoretikern, K\u00fcnstlern, Instituten, Akademien, Galerien und Annonciers nur zu verwalten und \u00fcber die n\u00e4chsten Jahre zu retten.<\/p>\n<p><strong>&#8222;TzK \u2013 eine Fortsetzungsmaschine des Modernismus?&#8220;<\/strong> w\u00e4re ein geeignetes Thema f\u00fcr den&nbsp;27. Geburtstag und dieser eine ausreichend schiefe Zahl f\u00fcr eine selbstkritische Z\u00e4sur, die dann aber besser im Maschinenraum der Kunst(-kritik) stattfinden sollte.<\/p>\n<p>* Quelle: Freitag, 10.11.2015 <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/ingo-arend\/furios-sperrig-2\">&gt;&gt;<\/a><\/p>\n<p>Birte Kleine-Benne<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/b8001ce3feb14441be53aecc56678ae7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwann im Laufe des fr\u00fchen Abends, zu Beginn von Teil 3 der &#8222;Gala Conference&#8220;, fragte ich mich, wie wohl Ren\u00e9 Pollesch das 25. Jubil\u00e4um von Texte zur Kunst inszeniert h\u00e4tte und mit welchen inszenatorischen Mitteln ihm die unfreiwillige Situationskomik des Finales auf der B\u00fchne des Berliner Festspielhauses gelungen w\u00e4re. 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