{"id":1402,"date":"2014-06-25T13:08:53","date_gmt":"2014-06-25T12:08:53","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=1402"},"modified":"2022-04-08T12:21:03","modified_gmt":"2022-04-08T11:21:03","slug":"post-prism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=1402","title":{"rendered":"Post-Prism"},"content":{"rendered":"<p>Man kann sagen, der Name war Programm bei der Diplom-Arbeit von Martin Wecke, die er 2014 im Fach Visuelle Kommunikation an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin vorgelegt hat. Die Tools auf&nbsp;<a href=\"http:\/\/Post-Prism.net\">Post-Prism.net<\/a> sind operationale Interventionen und bieten interessante technische Ans\u00e4tze, die die bekannt gewordenen \u00dcberwachungs-Ma\u00dfnahmen von Geheimdiensten aller L\u00e4nder in gewisse Schranken weisen, zumindest das Erschweren von \u00dcberwachung erm\u00f6glichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf der Ebene &#8218;Hollow&#8216; (zu deutsch: H\u00f6hle, Aussparung) geht es dabei um die Verarbeitung von Text, auf der Ebene &#8218;Compost&#8216; (zu deutsch: Kompost) um den Umgang mit Bildern. Auf einer dritten Ebene mit dem Namen &#8218;Public Space&#8216; (zu deutsch: \u00d6ffentlicher Raum) veranschaulicht der 1986 geborene Wecke schlie\u00dflich, was nicht nur f\u00fcr Schn\u00fcffler in offenen Netzwerken sicht- und verwertbar wird, sondern inzwischen eines der verbreitetesten Gesch\u00e4ftsmodelle im Zusammenhang von kostenlosen, besser gesagt ohne unmittelbare Bezahlung nutzbaren Internet-Dienstleistungen sowie Smartphone-Apps darstellt: das umfassende Protokollieren von Nutzerdaten- und verhalten und der Verkauf solcher Informationen zur Optimierung von Gesch\u00e4ftsprozessen aller Art.<br \/>\nDenn tats\u00e4chlich sind der Kreativit\u00e4t der Auswertung bzw. auch der Zusammenf\u00fchrung unterschiedlichen Datenmaterials keine ersichtlichen Grenzen gesetzt. Oftmals durchaus mit fragw\u00fcrdigen Schlussfolgerungen, denn im Zshg. von BigData geht es auch um ein neues Glaubensbekenntnis, das Prognostizieren von Nutzerverhalten anhand vorherigen Verhaltens zur Optimierung des eigenen Verhaltens. In Wirtschaftszusammenh\u00e4ngen geht es noch um Fragen, welche Werbung dem Nutzer auf von ihm besuchten Seiten angeboten wird, vielleicht sogar, in welcher Gr\u00f6\u00dfenordnung Produktionen beauftragt oder Unternehmenressourcen eingesetzt werden. In perfider Form kann das bei Geheimdiensten hei\u00dfen, dass etwa Profile von Staats- oder Glaubensfeinden erstellt und dann mit allen anderen abgeglichen werden. Zeigen sich \u00c4hnlichkeiten \u2013 was dabei als \u00c4hnlichkeiten aufzufassen ist und was nicht, h\u00e4ngt entscheidend von den Vorgaben des Suchenden ab \u2013 befinden sich Profil-\u00c4hnliche im Visier von \u00dcberwachung und unter Umst\u00e4nden auch im vorbeugenden Gewahrsam. Was das in letzter Konsequenz bedeuten kann, zeigt im Falle der USA das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gefangenenlager_Guantanamo_Bay\">Gefangenenlager Guantanamo Bay<\/a> eindringlich.<\/p>\n<p>Die Ebene &#8218;Public Space&#8216; der Arbeit Post-Prism jedenfalls vermag dem, der sich einmal in einem von Wecke gehackten Netzwerk aufh\u00e4lt, deutlich die von allen aktuellen Beteiligten des Netzwerkes &#8218;erarbeiteten&#8216; Daten zu offenbaren. Fast gespenstisch wird das auch noch als ein transparenter Layer im eigenen Browser-Fenster ansichtig. Die folgenden Schemata von Wecke zeigen die Funktionsweise des Zugriffs auf.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Tool3_PublicSpace-Funktion2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1405\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Tool3_PublicSpace-Funktion2.png\" alt=\"Tool3_PublicSpace-Funktion2\" width=\"280\" height=\"400\"\/><\/a>&nbsp;&nbsp;<a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Tool3_PublicSpace-Funktion3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1406\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Tool3_PublicSpace-Funktion3.png\" alt=\"Tool3_PublicSpace-Funktion3\" width=\"280\" height=\"400\"\/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie man mit seinem eigenen Verhalten den Zugriff erschweren kann, zeigen die beiden Ebenen &#8218;Hollow&#8216; und &#8218;Compost&#8216;. Bei letzerer geht es einfach gesagt darum, ein einmal ins Netz gestelltes Bild sukzessive mit jedem Aufrufen des Bildes zu verpixeln und weiter aufzul\u00f6sen, zu kompostieren bis hin zur v\u00f6lligen Zersetzung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Tool2_Compost1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1414\" src=\"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/wp-content\/uploads\/Tool2_Compost1.jpg\" alt=\"Tool2_Compost\" width=\"600\" height=\"337\"\/><\/a><br \/>\n&#8218;Hollow&#8216; hingegen besch\u00e4ftigt sich mit Texten, die gemeinsam im Internet verfasst werden. Legt man diese bei den bisherigen Anbietern in den wiederum ohne unmittelbare Bezahlung nutzbaren Clouds ab, so d\u00fcrften s\u00e4mtliche Inhalte vom Anbieter sowie von Geheimdiensten auch noch f\u00fcr andere Zwecke ausgewertet werden. Martin Wecke hat nun eine Verschiebung eingezogen. Bei &#8218;Hollow&#8216; werden Texte nicht mehr innerhalb eines Content-Containers verarbeitet, sondern innerhalb der URL selbst. Ein erarbeiteter Text wird \u00fcber verschiedene Komprimierungs- und Codierungs-Algorithmen in eine verschl\u00fcsselte URL umgesetzt. Der erarbeitete Text, nein, jedes einzelne Zeichen des Textes ist f\u00fcr die spezifische URL bedeutsam.<br \/>\nZur Verdeutlichung: Der Text &#8218;Uberwachung&#8216; f\u00fchrte gerade zur URL:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/post-prism.net\/h0110w\/#\/DwSwfAqgRgpgTgdwIYGMAWBXAdgc2AenCAA=\">http:\/\/post-prism.net\/h0110w\/#\/DwSwfAqgRgpgTgdwIYGMAWBXAdgc2AenCAA=<\/a><br \/>\nDer Text &#8218;\u00dcberwachung&#8216; f\u00fchrt gerade hingegen zur URL:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/post-prism.net\/h0110w\/#\/DwSwfAOwRgpgTgdwIYGMAWBXAdgc2AenCAA=\">http:\/\/post-prism.net\/h0110w\/#\/DwSwfAOwRgpgTgdwIYGMAWBXAdgc2AenCAA=<\/a><\/p>\n<p>Zwar bringt dieser spezielle Ansatz Kommunikationserfordernisse gegen\u00fcber den am Text Beteiligten mit sich, denn wie soll sonst jemand den aktualisierten Text auffinden, als &#8218;Proof of Concept&#8216;, wie Wecke seine k\u00fcnstlerische Arbeit einordnet, stellt es aber eine Grundlage her. Eine Begrenzung stellt zudem die Verarbeitung von URLs in unterschiedlichen Browsern dar. Zwar sehen die Internet-Spezifikationen zun\u00e4chst keine Begrenzung von URL-L\u00e4ngen vor, in der Praxis f\u00e4llt die Verarbeitung jedoch in unterschiedlichen Browsern unterschiedlich aus. W\u00e4hrend sich mit Firefox durchaus URLs von 65.000 Zeichen L\u00e4nge und damit abh\u00e4ngig von der Komprimierungsm\u00f6glichkeit des Textes bis zu 300.000 Zeichen realisieren lassen, verarbeitet der Internet Explorer von Microsoft nur URL-L\u00e4ngen von maximal 2.000 Zeichen. Apples Safari bewegt sich, so &nbsp;Wecke, von der verarbeitbaren URL-L\u00e4nge irgendwo dazwischen. Texte mit ungef\u00e4hr 3.000 Zeichen sollten mit &#8218;Hollow&#8216; aber in jeder Browserkonstellation umsetzbar sein.<\/p>\n<p>Der Code der drei Prototypen ist Open Source verf\u00fcgbar, damit nachpr\u00fcfbar und f\u00fcr eigene Projekte weiterentwickelbar: <a href=\"https:\/\/github.com\/post-prism-net\">https:\/\/github.com\/post-prism-net<\/a><\/p>\n<p>Bild-Quellen: Dokumentation der Diplomarbeit Post-Prism, Martin Wecke, UdK Berlin, 2014<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/06803acc69644b86a8490b604f7fed41\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann sagen, der Name war Programm bei der Diplom-Arbeit von Martin Wecke, die er 2014 im Fach Visuelle Kommunikation an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin vorgelegt hat. 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