{"id":1304,"date":"2014-05-08T14:46:09","date_gmt":"2014-05-08T13:46:09","guid":{"rendered":"http:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=1304"},"modified":"2021-06-16T15:24:06","modified_gmt":"2021-06-16T14:24:06","slug":"mehr-installativ-als-performativ","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artlabor.eyes2k.net\/?p=1304","title":{"rendered":"Mehr installativ als performativ"},"content":{"rendered":"<p>Bis 2013 produzierte Thomas Bo Nilson noch gemeinsam mit dem Performance-Kollektiv <a href=\"http:\/\/signa.dk\/\">SIGNA<\/a> die performativen Installationen wie <a href=\"http:\/\/signa.dk\/projects?pid=53970\">&#8222;Die Hundsprozesse&#8220;<\/a> 2011 im <a href=\"https:\/\/www.schauspielkoeln.de\/\">Schauspiel K\u00f6ln<\/a>, f\u00fcr die er von <a href=\"http:\/\/www.theaterheute.de\/\">Theater heute<\/a> als bester B\u00fchnenbildner des<br \/>\nJahres nominiert war. In diesem Fr\u00fchjahr nun inszeniert er in eigener Regie die 240-Stunden-Produktion <a href=\"http:\/\/www.schaubuehne.de\/de\/produktionen\/meat.html\">MEAT<\/a>&nbsp;(3.4. bis 13.4.2014) im Rahmen des diesj\u00e4hrigen <a href=\"http:\/\/www.schaubuehne.de\/de\/seiten\/find-2014.html\">Festivals Internationale Neue Dramatik F.I.N.D.<\/a> an der <a href=\"http:\/\/www.schaubuehne.de\/\">Berliner Schaub\u00fchne<\/a> und agiert selbst als Performer der Hauptfigur.<\/p>\n<p>Thematischer, performativer und installativer Aufh\u00e4nger ist die filmreife Lebensgeschichte des kanadischen Pornodarstellers und Strippers <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luka_Rocco_Magnotta\">Luka Rocco Magnotta<\/a> (a.k.a. Vladimir Romanov, a.k.a. Mattia Del Santo), dessen Festnahme als mutma\u00dflicher T\u00e4ter in einem Mordfall (der Prozess soll im September 2014 beginnen) in einem Internetcaf\u00e9 in Berlin-Neuk\u00f6lln am 4.6.2012 vielleicht der Anlass f\u00fcr die Berliner Produktion gewesen sein mag, im mindesten aber f\u00fcr die Berichterstattung und mediale Vermittlung der Produktion MEAT von Vorteil ist:<br \/>\nDas Feuilleton ist fasziniert von Magnottas Lebensgeschichte, dem gefilmten Mord mit einem Eispickel an seinem Lebenspartner (es wird vermutet, dass Magnotta Urheber des elfmin\u00fctigen Videos &#8222;1 Lunatic, 1 Ice Pick&#8220; ist, das den Mord und die Verst\u00fcmmelung eines jungen Mannes zeigt)&nbsp;und dessen zerst\u00fcckelter, gesch\u00e4ndeter und wohl auch verzehrter Leiche &#8211; Teile davon wurden per Post an Parteien und Schulen in Kanada versandt. Konzentriert auf die Erlebnisberichte vor Ort schreibt das Feuilleton konsequent an einer kunstkritischen Betrachtung vorbei.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u00dcber die mediale Distribution hinaus setzt sich das Magnotta-Motiv in einer 600 qm gro\u00dfen, als Labyrinth angelegten Pars-pro-toto-Installation auf zwei Etagen fort, von den Beteiligten der Produktion \u00fcber Monate hinweg auf Flohm\u00e4rkten f\u00fcr einen ca. f\u00fcnfstelligen Betrag zusammen getragen:<br \/>\neine typische Berliner Kneipe, um die herum sich auf der Studiob\u00fchne ein Internetcaf\u00e9, eine Stripbar, Stundenzimmer f\u00fcr 10,- eur pro halbe Stunde, ein Asia-Imbiss, Spielautomaten, ein Nagelstudio, ein Sp\u00e4ti anordnen, dazu verwahrloste Kleinstr\u00e4ume, zugestellt mit pl\u00fcschigen Betten, rosa Sofas, alten Fernsehern und raumeinnehmendem Ger\u00fcmpel &#8211; inklusive entsprechendem Personal: Alles &#8211; so erz\u00e4hlt der Plot &#8211; Spuren des Luca Magnotta, die auch f\u00fcr eine Lebensweise stehen:<\/p>\n<p>Tags\u00fcber f\u00fcr das Abh\u00e4ngen vor dem Fernseher, das Daddeln von Computerspielen, die Dauerschleife von Pornofilmen und Blockbustern, die Dauerbestrahlung von Madonna, Britney und anderen Pop-Penetrationen, die Chemie- und Fritierfett-Ger\u00fcche, f\u00fcr das diffuse, immergleiche Licht &#8211; eine Dauerkaterstimmung&#8230;<br \/>\nNachts f\u00fcr das Feiern, Trinken, Tanzen, Drogen, Flirten, V\u00f6geln &#8211; ein unendlicher, pulsierender Nachtklub&#8230;<br \/>\nHeterochron, heterotop, immer neben und anders als der sog. Alltag, aber gleich wiederholend. Besucher k\u00f6nnen sich zu jeder Tages- und Nachtzeit der 10 Tage f\u00fcr einen Slot von vier Stunden vor Ort einloggen oder &nbsp;den Livestream unter <a href=\"http:\/\/livemeat.tv\">http:\/\/livemeat.tv<\/a>&nbsp;mitverfolgen. &nbsp;<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ein Trailer der Schaub\u00fchne (eigene Fotos sind nicht erlaubt) ist zu sehen unter: <a href=\"http:\/\/www.schaubuehne.de\/dateien\/video\/1393424195_meat_640x360.mp4\">http:\/\/www.schaubuehne.de\/dateien\/video\/1393424195_meat_640x360.mp4<\/a><\/p>\n<p>Diese Produktion zeigt die Vorz\u00fcge einer strengen narrativen Dramaturgie, wie sie SIGNA bisher in ihren Produktionen praktiziert &#8211; bei MEAT verliert sich der Besucher in der Installation und wird wie auch die 60 wechselnden Performer lediglich Teil der Installation. Hier dominiert die Installation und spuckt in b\u00fchnenbildlicher \u00dcberlegenheit Getriebene, Zerm\u00fcrbte, Zermalmte aus.<\/p>\n<p>Nicht zuf\u00e4llig, dass mit dem Ende der zehnt\u00e4gigen Produktion alle &#8222;Darsteller&#8220; jubelnd und au\u00dfer sich vor Freude das Tageslicht betraten und zur Freude ihrer R\u00fcckkehr (in die Realit\u00e4t?) den Boden (der Realit\u00e4t?) k\u00fcssten&#8230;<\/p>\n<p>Weitere Texte:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nachtkritik.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=9360:meat-thomas-bo-nilssons-eroeffnet-an-der-schaubuehne-luka-magnottas-lebenswelten&amp;catid=38:die-nachtkritik&amp;Itemid=40 \">http:\/\/www.nachtkritik.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=9360:meat-thomas-bo-nilssons-eroeffnet-an-der-schaubuehne-luka-magnottas-lebenswelten&amp;catid=38:die-nachtkritik&amp;Itemid=40<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/autoren\/juloeffl\/sex-luegen-und-videos\">http:\/\/www.freitag.de\/autoren\/juloeffl\/sex-luegen-und-videos<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/lesflaneurs.de\/2014\/04\/08\/verdorbene-fleischeslust\/\">http:\/\/lesflaneurs.de\/2014\/04\/08\/verdorbene-fleischeslust\/<\/a><\/p>\n<p>Fotos: <a href=\"http:\/\/www.iheartberlin.de\/de\/2014\/04\/07\/meat-me-at-the-mall-a-review\/\">http:\/\/www.iheartberlin.de\/de\/2014\/04\/07\/meat-me-at-the-mall-a-review\/<\/a><\/p>\n<p>K\u00fcnstlerische Leitung: Thomas Bo Nilsson, mit Borghildur Indri\u00f0ad\u00f3ttir, Julian Wolf Eicke und Olga Sonja Thorarenssen<br \/>\nKonzept, Regie, Text: Thomas Bo Nilsson<br \/>\nProduktion: Borghildur Indri\u00f0ad\u00f3ttir<br \/>\nB\u00fchne: Thomas Bo Nilsson, Julian Wolf Eicke<br \/>\nKost\u00fcme: Thomas Bo Nilsson, Julian Wolf Eicke, Larissa Bechtold<br \/>\nVideo und Web: Dominik Wagner<br \/>\nSound Design: Dennis Beckmann<br \/>\nChoreographie: Matteo Marziano Graziano<br \/>\nProduktionsteam: Alexandra Tivig, Angela Roudaut, Carolina Duarte, Cecilia Helsing, Christian Kleemann, D\u00f3ra Hrund G\u00edslad\u00f3ttir, Egor Kirpichev, Emanuele Capissi, Ermina Apostolaki, Florian Schneider, Francisca Villela, Halla M\u00eda \u00d3lafsd\u00f3ttir, Hauke Vogt, H\u00e9l\u00e8ne Vergnes, Hrefna H\u00f6rn, Ivan Ivanov, Julia Berndt, Kate Jones, Kathrin Mergel, Laurent Pellissier, Lena Stihl, Madeleine Edis, Magdalena Emmerig, Maria Trinka Lat, Matthias Karch, Miren Oller, Ole Schmidt, \u00d3rla Fiona Wittke, Rimma Starodubzewa, Sabine Sellig, Tristen Bakker, Vivian Kvitka.<br \/>\nMit: Adela Bravo Sauras, Anton Perez, Ardian Hartono, Benjamin Mangelsdorf, Borghildur Indri\u00f0ad\u00f3ttir, Carolin Mylord, Cesare Benedetti, Charles Lemming, Christian Wagner, Claudia Kandefer, Danilo A. Sepulveda Cofre, Daniel Merten, Dennis Kwasny, Dolly, Dominik Hermanns, Dorothee Kr\u00fcger, Elisabeth Kudela, Emanuele Capissi, Emiria Snyman, Eva Maria Jost, Eva Marie Bargfeld, Gianni v. Weitershausen, Glenn Crossley, Gregor Biermann, Jens Lassak, Jiwoon Ha, Joanna Nutall, Johannes Frick, Juan Corres Benito, Judith Seither, Julia Effertz, Julia Stina Schmidt, Julian Wolf Eicke, Karsten Zinser, Kay Minoura, Kirsten Burger, Lara M\u00e1ndoki, Larissa Bechtold, Larissa Offner, Lina Axelsson, Lodi Doumit, Luca Angioi, Marcus Wagner, Maria Polydoropoulou, Marie Polo, Matteo Marziano Graziano, Maximilian R\u00f6sler, Mayla Arslan, Mia May, Ming Poon, Nils Malten, Nina Weniger, Olga Sonja Thorarensen, Peter Groom, Peter Sura, Rachel Foreman, Regula Steiner-Tomic, Ria Schindler, Safira Robens, Sophie Reichert, Stuart Meyers, Susana Abdulmajid, Taneshia Abt, Thomas Bo Nilsson, Tim-Fabian Hoffmann, Tomomi Tamagawa, Ute Reintjes, Ya-Hui Kuan, Yoni Downs.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/38fca0254c2449f88e5ef78ad9e52cc5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis 2013 produzierte Thomas Bo Nilson noch gemeinsam mit dem Performance-Kollektiv SIGNA die performativen Installationen wie &#8222;Die Hundsprozesse&#8220; 2011 im Schauspiel K\u00f6ln, f\u00fcr die er von Theater heute als bester B\u00fchnenbildner des Jahres nominiert war. 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