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Devices of Effective Surveillance | Instrumente zur effektiven Überwachung

Die transmediale 2015 ist ein interessantes Beispiel dafür, dass Empörung und Verhaltensänderung nichts oder nicht viel miteinander zu tun haben müssen. Möglicherweise ergibt sich aus Kritik und verbalisiertem Widerspruch gar eine System-Bestätigung denn eine Veränderung oder Modifizierung.

Oder muss man die folgende Beobachtung völlig anders einordnen?

Foto: © TransmedialeFoto: © Transmediale

Angesichts der Enthüllungen im Zshg. der Snowden-Dokumente seit Juni 2013 gibt es fast selbstverständlich im Programm der transmediale 2015 ein Panel mit dem Namen ‚Freedom of Information in Reverse‘. Vielleicht mag man es für ein Kunstfestival, dass sich auch aktuellen Fragen widmen möchte, etwas verspätet finden, aber immerhin. Auf dem Panel finden sich die US-Amerikanischen Whistle-Blower William Binney, Thomas Drake und Jesselyn Radack (ebenso Anwältin der beiden Erstgenannten) sowie die Wikileaks-Mitarbeiterin Sara Harrison und der Filmemacher James Spione ein. Hochkarätig besetzt also und somit kaum vorstellbar, dass nicht auch hier die von Binney und Drake als Zeugen im NSA-Untersuchungsausschuss festgestellte enge Zusammenarbeit von US-Unternehmen wie Microsoft, Facebook, Twitter, Verizon, AT&T, CSC und nicht zuletzt Google thematisiert werden dürfte. Wenn sich das Festival mit deren Einladung die Positionen der Gäste zwar nicht zu eigen macht, so lohnt doch ein Blick darauf, welchen Umgang das Festival mit verschiedenen, von dieser Diskussion berührten Fragen findet.

Schalten wir doch dazu mal kurz in den Bereich für Pressevertreter. Seit einiger Zeit müssen sich diese nämlich bei der transmediale akkreditieren und dies nebenbei bemerkt auch kostenpflichtig. In diesem Jahr führt dies zum Ausfüllen des so bezeichneten ‚akkreditation form‘. Hierzu verlässt man allerdings die transmediale-seite und landet direkt bei Google-Doc. Wenn man den Zeugenaussagen von Binney und Drake im NSA-Untersuchungsausschuss und den sonstigen zahlreichen Veröffentlichungen im Zusammenhang der Snowden-Dokumente glauben darf, befinden wir uns somit im Vorhof der NSA. Um zu erfahren, welche Daten die transmediale nun über die bei ihrer Veranstaltung akkreditierten Pressevertreter an Google, respektive den Zeugenaussagen folgend auch an die NSA liefert, genügt ein Klick auf den Button ‚Weiter‘: Vorname, Nachname, Geschlecht, Email-Adresse, Telefon-Nummer, Adresse, Postleitzahl, Stadt, Land, Medienname, Einordnung, ob es sich um Print, Online, Radio, TV o. Presseagentur handelt, welche Position man hierin trägt, ob sich das Interesse auf die Transmediale, den Club Transmediale oder beides bezieht, und worin genau die Spezialinteressen oder wie es im Rahmen von BigData-Auswertungen heisst, die Präferenzen bestehen, Musik-, Konferenz-, Film-, Performance-Programm oder Ausstellung. Abgeschlossen wird das Ganze dadurch, dass man Auskunft darüber gibt, ob und wann man seit 2010 über die Transmediale oder die CTM (Club TransMediale) berichtet hat.

Aber wie bereits zuvor erwähnt, macht sich das Festival selbstverständlich nicht die Positionen der geladenen Gäste zu eigen. Vielleicht muss sich das Festival aber schon am inhaltlichen Schwerpunkt ‚Capture All‘ sowie einzelnen Programmpunkten des Festivals messen lassen: Devices of Effective Surveillance.

transmediale 2015, von Mi. 28.01.- So. 01.02.2015, Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 20, 10557 Berlin